CoreWeave-Aktie oder Nebius-Aktie: Was die Neocloud-Rivalen trennt
Nebius hat CoreWeave beim Börsenwert überholt, doch der Pionier liegt bei Umsatz und Auftragsbestand vorn. Ein Vergleich der beiden Neocloud-Werte.
Werte in diesem Artikel
- Börsenwert-Rang zwischen Neoclouds hat sich gedreht
- Schuldenlast und Kundenkonzentration prägen Risikobild
- William Blair nimmt beide Werte mit Outperform neu auf
Die Aktie von CoreWeave, einem Anbieter von KI-Cloud-Infrastruktur, hinkt der von Nebius in diesem Jahr deutlich hinterher. Der Börsenwert von Nebius übertrifft inzwischen den des Konkurrenten. Die Zahlen zum zweiten Quartal zeigen zwei unterschiedliche Profile bei Größe, Wachstum und Finanzierung.
Aktien von CoreWeave und Nebius im Fokus
Die CoreWeave-Aktie liegt an der NASDAQ in diesem Jahr bisher 23,52 Prozent im Plus und kostete zuletzt 88,45 US-Dollar. Die Nebius-Aktie kommt an der Techbörse im selben Zeitraum auf ein Plus von 183,32 Prozent auf 237,15 US-Dollar (Stand: Schlusskurs vom 07.10.2026).
CoreWeave gilt laut Barron's als Pionier der Neoclouds und bleibt der Anbieter mit dem höchsten Umsatz. Auf Basis des Unternehmenswerts ist CoreWeave wegen der höheren Schuldenlast größer als Nebius.
Zahlen im Vergleich
CoreWeave erlöste im zweiten Quartal rund 2,58 Milliarden US-Dollar nach 1,21 Milliarden US-Dollar im Vorjahreszeitraum, wie das Unternehmen im August mitteilte. Der Auftragsbestand lag bei rund 104 Milliarden US-Dollar. Unter dem Strich stand ein Nettoverlust von 626 Millionen US-Dollar, der Zinsaufwand netto erreichte 640 Millionen US-Dollar. Die Prognose für 2026 hob das Unternehmen auf 12,4 bis 13,2 Milliarden US-Dollar Umsatz an.
Nebius steigerte den Umsatz im zweiten Quartal um 454 Prozent auf 582,3 Millionen US-Dollar. Das bereinigte EBITDA belief sich auf 236,2 Millionen US-Dollar, der Zinsaufwand auf 119,1 Millionen US-Dollar. Den Zahlungsmitteln von 8,04 Milliarden US-Dollar standen Schulden von rund 8,5 Milliarden US-Dollar gegenüber. Bei CoreWeave stehen 5,52 Milliarden US-Dollar Zahlungsmittel rekurspflichtigen Schulden von über 31 Milliarden US-Dollar gegenüber.
Einschätzungen und Risiken
William Blair nahm beide Werte laut Barron's Ende September mit Outperform ohne Kursziele neu in die Coverage auf. CoreWeave biete demnach unübertroffene Größe, Auftragsbestand und nachgewiesene Finanzierungsfähigkeit. Nebius habe dagegen eine stärkere Bilanz und mehr kurzfristiges Aufwärtspotenzial durch Software und höherwertige KI-Dienste. Den weltweiten Neocloud-Umsatz sehen die Analysten bis 2031 bei 200 bis 300 Milliarden US-Dollar, nach rund 25 Milliarden US-Dollar im Jahr 2026.
Laut Barron's verfügt CoreWeave über den größeren Auftragsbestand und die engere Beziehung zum Chiplieferanten NVIDIA, aber auch über eine stärker konzentrierte Kundenbasis.
Jim Chanos argumentiere laut Barron's, Neoclouds hingen von schuldenfinanzierten Ausgaben für einen womöglich vorübergehenden KI-Boom ab und könnten von den etablierten Cloud-Konzernen verdrängt werden.
Kursziele und Einstufungen
Insgesamt zeigen sich die Analysten laut Daten von TipRanks sowohl für CoreWeave als auch für Nebius zuversichtlich. Basierend auf den Einschätzungen von 27 Wall-Street-Analysten, die in den letzten drei Monaten Kursziele für CoreWeave abgegeben haben, liegt das durchschnittliche Kursziel bei 142,43 US-Dollar. Die Prognosen liegen zwischen einem Höchstwert von 250,00 US-Dollar und einem Tiefstwert von 74,00 US-Dollar. Das durchschnittliche Kursziel entspricht einem Plus von 61 Prozent gegenüber dem letzten Kurs von 88,45 US-Dollar. Für Nebius haben in den letzten drei Monaten 13 Wall-Street-Analysten Kursziele für einen Zeitraum von 12 Monaten abgegeben. Das durchschnittliche Kursziel liegt hier bei 299,80 US-Dollar und impliziert damit ein Aufwärtspotenzial von 26,4 Prozent gegenüber dem letzten Kurs von 237,15 US-Dollar. Die Prognosen variieren dabei zwischen einem Höchstwert von 410,00 US-Dollar und einem Tiefstwert von 144,00 US-Dollar.
Entscheidend für die weitere Entwicklung dürfte sein, ob beide Anbieter ihre Verträge termingerecht in Rechenzentrumsleistung umsetzen und die Finanzierungskosten weiter drücken.
Julia Walter, Redaktion finanzen.net
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