Berkshire-Depot im radikalen Wandel: Alphabet-Aktie rückt nach Buffett-Ära ins absolute Zentrum

Berkshire Hathaway hat sein erstes 13F-Portfolio unter der alleinigen operativen Führung des neuen CEOs Greg Abel vorgelegt.
Werte in diesem Artikel
• Das von Berkshire Hathaway verwaltete 13F-Aktienvermögen beläuft sich zum Stichtag am 31. März 2026 auf rund 263,10 Milliarden US-Dollar
• Nach dem offiziellen Rückzug von Warren Buffett zeigt der neue CEO Greg Abel eine beinahe radikale Dynamik im Portfolio
• SEC-Formular offenbart den kompletten Ausstieg bei Riesen wie Visa und Amazon bei gleichzeitiger massiver Aufstockung von Alphabet
Die neue Ära nach Warren Buffett: Fokus und extreme Dynamik
Investoren, die mehr als 100 Millionen US-Dollar an Vermögen verwalten, sind nach den Vorschriften der US-amerikanischen Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) dazu verpflichtet, vierteljährlich einen Bericht über ihre Investitionen einzureichen. Das geschieht mittels des sogenannten 13F-Formulars, das im Anschluss öffentlich einsehbar ist. Auch die Investmentholding Berkshire Hathaway erfüllt diese regulatorischen Anforderungen quartalsweise. Zum Ende des ersten Quartals 2026 belief sich das von der Holding verwaltete 13F-Aktienvermögen auf rund 263,10 Milliarden US-Dollar. Dabei fällt Marktbeobachtern sofort auf, dass das Portfolio trotz der jüngsten Umschichtungen extrem fokussiert bleibt, da die Konzentration der zehn größten Positionen bei enormen 90,72 Prozent liegt.
Hierbei handelt es sich um ein historisches Dokument für die Wall Street, da es das erste Portfolio unter der alleinigen operativen Führung des neuen CEOs Greg Abel darstellt. Altmeister Warren Buffett hatte den Chefposten zum 1. Januar 2026 offiziell übergeben und den Weg für eine neue Generation an der Spitze freigemacht. Stand der nun veröffentlichten Daten ist der 31. März 2026. Und Abel fackelte in seinen ersten drei Monaten im Chefsessel nicht lange, sondern setzte direkt eigene Akzente. Der Bericht offenbart eine für Berkshire-Verhältnisse beinahe radikale Dynamik mit rigorosen Umschichtungen, namhaften Totalausstiegen und einer echten Tech-Offensive, die das Gesicht der Holding nachhaltig verändern könnte.
Die größten Zukäufe: Tech-Offensive und ein überraschendes Branchen-Comeback
An der Kauf-Front dominierte im abgelaufenen Jahresviertel ein massiver Ausbau im Technologie- und Mediensektor sowie die Rückkehr in eine von Warren Buffett einst gemiedene Branche. Der Technologieriese Alphabet wurde von der neuen Führung extrem offensiv aufgestockt. Die stimmberechtigten Class-A-Aktien des Google-Mutterkonzerns wurden um spektakuläre 203,99 Prozent ausgebaut, was einem Zuwachs von rund 36,4 Millionen Aktien entspricht. Flankiert wurde diese Tech-Offensive von einer komplett neu aufgebauten Position in den stimmrechtslosen Class-C-Aktien der Suchmaschinen-Mutter, von denen Berkshire Hathaway zum Quartalsende 3,6 Millionen Stück im Depot hielt.
Zudem wagt Greg Abel das große Comeback in einer Industrie, die unter Warren Buffett nach herben Verlusten in der Pandemiezeit eigentlich als verbrannte Erde galt. Berkshire Hathaway kaufte aus dem Stand 39,8 Millionen Aktien der Fluggesellschaft Delta Air Lines. Auch im Medien- und Konsumbereich zeigte sich der neue CEO extrem umtriebig. Die Beteiligung am renommierten Medienhaus New York Times wurde um fast 199 Prozent aufgestockt und damit um plus 10,1 Millionen Aktien nahezu verdreifacht. Der Baukonzern Lennar verzeichnete im Berichtszeitraum ein Plus von 43,24 Prozent im Portfolio, während gleichzeitig ein Neueinstieg bei der traditionsreichen US-Kaufhauskette Macy's mit rund 3 Millionen Aktien gemeldet wurde.
Die größten Verkäufe: Radikaler Kahlschlag bei Kreditkarten und E-Commerce
Gleichzeitig wurde im Depot der Holding im ersten Quartal gründlich aufgeräumt und bestehende Klumpenrisiken wurden konsequent abgebaut. Der neue CEO trennte sich ohne Zögern von langjährigen Riesen des US-Finanzsektors und der Digitalwirtschaft. Berkshire Hathaway hat sich im Zuge dessen komplett von den Kreditkarten-Giganten Visa und MasterCard verabschiedet. Diese milliardenschweren Komplettverkäufe trafen den Markt weitgehend unerwartet, da die Finanzdienstleister jahrelang als solide Kerninvestments galten. Auch die verbliebenen Anteile am E-Commerce-Pionier Amazon, dem Krankenversicherer UnitedHealth, der Fast-Food-Kette Domino's Pizza, dem Versicherungsmakler Aon sowie der Pool Corporation wurden restlos liquidiert.
Ein massiver Rückzug war zudem im klassischen Energiesektor zu beobachten, der unter Warren Buffett noch massiv ausgebaut worden war. Während die strategische Beteiligung an Occidental Petroleum im ersten Quartal unangetastet blieb, warf Abel beim Branchenkonkurrenten Chevron über ein Drittel der Aktien auf den Markt. Das Minus von 35,17 Prozent entspricht dem Verkauf von rund 45,8 Millionen Anteilen des Energieriesen. Die Position des US-Getränkeriesens Constellation Brands wurde mit einem Minus von 95,13 Prozent im gleichen Zeitraum ebenfalls fast vollständig aufgelöst und spielt im Gesamtportfolio der Holding kaum noch eine Rolle.
Fazit für Anleger
Das erste Portfolio unter der alleinigen Ägide von Greg Abel markiert eine deutliche Zäsur in der Investmenthistorie von Berkshire Hathaway. Der neue CEO dürfte signalisiert haben, dass er bereit ist, langjährige Beteiligungen zugunsten einer moderneren und wachstumsorientierteren Ausrichtung aufzugeben. Für Marktteilnehmer könnte sich hieraus die Erkenntnis ableiten, dass die Ära des reinen Value-Investings traditioneller Prägung bei der Holding ein Stück weit der Vergangenheit angehören dürfte. Investoren sollten die veränderte Dynamik im Auge behalten, da die aggressive Umschichtung in Technologietitel wie Alphabet das Risikoprofil der Aktie nachhaltig beeinflussen könnte. Trotz des Chefwechsels dürfte die enorme Cash-Position der Holding jedoch weiterhin als stabiler Puffer in volatilen Marktphasen dienen.
Vereinzelte Aktienreaktionen
Aktien von UnitedHealth fielen an der NYSE bis zum Handelsende um 0,70 Prozent auf 391,08 US-Dollar, nachdem der Investor Berkshire Hathaway bei dem Krankenversicherer ausgestiegen ist. Derweil hat der US-Investor bei der Fluggesellschaft Delta Air Lines eine Beteiligung von 2,6 Milliarden US-Dollar aufgebaut. Die Delta-Aktie schloss letztlich dennoch nur 0,03 Prozent höher bei 70,25 US-Dollar, nachdem sie im frühen Handel noch klar zugelegt hatte.
Alexandra Hesse, Martina Köhler, Carolin Ludwig, Redaktion finanzen.net mit Material von dpa-AFX
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