Alphabet-Aktie etwas fester: Anleger kehren nach Chipausverkauf zurück zu Big Tech
Nur Tage nach ihrem größten Rückschlag ist die Alphabet-Aktie plötzlich wieder gefragt, während der Chipmarkt weiter unter Druck steht.
Werte in diesem Artikel
- Alphabet-Aktie erholt sich nach dem Kursrutsch der Vorwoche spürbar
- Samsung, SK hynix und weitere Speicherchipwerte geraten weiter unter Druck
- Anleger blicken nun auf die Investitionspläne von Amazon, Microsoft und Meta
Nur wenige Tage nach ihrem heftigsten Rückschlag seit Jahren ist die Alphabet-Aktie plötzlich wieder gefragt, während die Sorge vor einem überhitzten Investitionsboom rund um künstliche Intelligenz weite Teile der Chipbranche weiter unter Druck hält. Der Mutterkonzern von Google startete den gestrigen Dienstag oberhalb seines gleitenden Durchschnitts der vergangenen 200 Handelstage, nachdem er bereits den Montag darüber beendet hatte. Am Mittwoch deutet sich der dritte Gewinntag in Folge an: So legt die Alphabet-Aktie zeitweise 2,49 Prozent auf 340,89 US-Dollar zu.
Alphabet-Aktie: Charttechnische Bodenbildung nach dem Rutsch
Erst am vergangenen Donnerstag war der Titel zum ersten Mal seit mehr als drei Jahren unter die vielbeachtete 200-Tage-Linie gerutscht, nachdem Anleger die Zahlen zum zweiten Quartal verdaut hatten. Ein Bruch dieser Marke gilt unter Marktbeobachtern häufig als Warnsignal für nachlassende Kraft im langfristigen Aufwärtstrend, eine Rückkehr darüber entsprechend als Stabilisierungszeichen. Dass Alphabet nun wieder oberhalb notiert, werten Anleger als Hinweis, dass die Verkaufswelle der vergangenen Tage abebbt.
Kapitalausgaben werfen weiter Schatten voraus
Überschattet wurde das insgesamt solide Zahlenwerk von der Debatte um die Investitionen in künstliche Intelligenz. Alphabet steckte im zweiten Quartal rund 44,9 Milliarden US-Dollar in Sachanlagen, minimal mehr als von Analysten mit etwa 44,7 Milliarden US-Dollar erwartet. Für das Gesamtjahr hob der Konzern seine Prognose von 180 bis 190 Milliarden auf 195 bis 205 Milliarden US-Dollar an, für 2027 stellte das Management einen weiteren, deutlichen Anstieg in Aussicht.
Für positive Stimmung sorgte dagegen die Cloud-Sparte des Konzerns. Der Umsatz von Google Cloud kletterte im Jahresvergleich um 82 Prozent auf 24,8 Milliarden US-Dollar, während der Auftragsbestand auf 514 Milliarden US-Dollar anwuchs und damit die hohe Nachfrage nach Infrastruktur für künstliche Intelligenz unterstreicht.
Speicherchipsektor bricht weiter ein
Der Rückschlag bei Alphabet in der vergangenen Woche fiel in eine breitere Verkaufswelle am Speicherchipmarkt. Schwergewichte wie Samsung und SK hynix verzeichneten am Dienstag zweistellige Kursverluste, nachdem der südkoreanische Leitindex KOSPI so kräftig einbrach wie seit Monaten nicht mehr. Auch Micron und Sandisk gerieten bereits am Montag deutlich unter Druck.
Chinesische Hersteller wie ChangXin Memory Technologies hätten bei Speicherchips und heimischer Lithografietechnik spürbar aufgeholt. Anleger befürchten deshalb, dass etablierten Chipherstellern dadurch mittelfristig stärkere Konkurrenz aus China erwächst. Yahoo Finance kommentiert die schnelle Kehrtwende der Anleger bei Alphabet trocken: Man könne von einem kurzen Gedächtnis sprechen.
Blick voraus: Amazon, Microsoft und Meta im Fokus
Ob sich die Erholung bei Alphabet hält, dürfte sich schon in den kommenden Tagen zeigen. Sollten die Investitionspläne von Amazon, Microsoft und Meta Platforms zu ihren anstehenden Quartalszahlen ähnlich hoch ausfallen, könnte die Debatte um die Kosten des Investitionsbooms rund um künstliche Intelligenz erneut aufflammen.
Benedict Kurschat, Martina Köhler, Claudia Stephan, Redaktion finanzen.net
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