ProSiebenSat.1: Der Sparkurs liefert, der Kurs enttäuscht
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Die Aktie von ProSiebenSat.1 notiert wieder nahe ihrer Jahrestiefs und hat zuletzt sämtliche wichtigen Durchschnittslinien unterschritten. Immerhin: Operativ läuft es besser, als der Kurs vermuten lässt.
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Mit einem Tagesminus von gut einem Prozent handelt die ProSiebenSat.1-Aktie zum Wochenschluss nur noch knapp über dem Zehnjahrestief, das Ende Juni bei 3,34 Euro markiert wurde. Die 52-Wochen-Spanne von 3,27 bis 8,53 Euro macht das Ausmaß der Abwärtsbewegung deutlich: Seit dem Auslaufen des MFE-Übernahmeangebots im vergangenen September hat das Papier rund die Hälfte seines Werts eingebüßt.
Alle Durchschnitte im Widerstand
Charttechnisch hat sich die Lage zuletzt weiter eingetrübt. Der Kurs liegt inzwischen genau auf der 50-Tage-Linie bei 3,63 Euro, der letzten verbliebenen Unterstützung dieser Art, aber unter der 100-Tage-Linie bei 3,79 Euro und mit deutlichem Abstand unter der 200-Tage-Linie bei 4,22 Euro. Alle drei Durchschnitte fallen und wirken – noch mit Abstrich bei der 50-Tage-Linie – damit als gestaffelter Widerstand nach oben. Der kurze Erholungsversuch nach den Quartalszahlen Anfang August, der die Aktie bis in den Bereich um 3,90 Euro trug, ist inzwischen vollständig abverkauft.
Indikatoren ohne Rückenwind
Die technischen Indikatoren bestätigen das Bild. Das Momentum ist mit -0,27 gerade wieder unter die Nulllinie gerutscht. Der MACD hat sein Kaufsignal aus dem August wieder abgegeben: Die MACD-Linie ist unter die Signallinie gefallen und das Histogramm dreht ins Negative, ein frisches, wenn auch noch schwach ausgeprägtes Verkaufssignal auf niedrigem Niveau. Der RSI notiert bei 42,52 und damit unter seiner eigenen Glättung, ohne allerdings schon überverkauft zu sein. Das lässt kurzfristig durchaus noch Luft nach unten in Richtung des Jahrestiefs, bevor sich eine technische Gegenbewegung aufdrängt.
Operativ besser als der Kurs
Fundamental steht ProSiebenSat.1 dabei weniger schlecht da, als es der Chart nahelegt. Im zweiten Quartal verdiente der Konzern operativ deutlich mehr: Das EBITDA kletterte auf 80 Mio. Euro, nach einem Verlust im Vorjahresquartal und lediglich 44 Mio. Euro zum Jahresauftakt. Der eingeleitete Sparkurs trägt also Früchte. Der Umsatz blieb mit einem Rückgang um knapp neun Prozent auf 768 Mio. Euro allerdings weiter unter Druck, belastet vom schwachen Werbemarkt. Die Jahresprognose bestätigte das Management. Kurz gesagt: Die Kostenseite liefert, die Erlösseite hinkt hinterher.
Der Kurstreiber heißt MFE
Für die Kursentwicklung ist die operative Bilanz aber derzeit zweitrangig. Seit dem Mehrheitserwerb durch die zum Berlusconi-Konzern gehörende Media for Europe im vergangenen Herbst bestimmt der neue Mehrheitseigentümer die Richtung. Der stark gesunkene Streubesitz kostete die Aktie den Platz im SDAX, was institutionelle Nachfrage abschmelzen lässt. Anleger sollten sich bewusst sein, dass die verbliebenen freien Aktionäre in einem beherrschten Unternehmen sitzen, in dem künftige Wertverschiebungen zugunsten der Konzernmutter nicht auszuschließen sind.
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Erstellung am 28.08.26 um 13:34 Uhr.
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