Wolfspeed-Aktie bricht weiter deutlich ein - platzt die Spekulationsblase?

Die spektakuläre Wolfspeed-Rally verliert weiter an Schwung. Nach dem Auslaufen des Short Squeezes rücken die weiterhin schwachen Fundamentaldaten in den Fokus.
Werte in diesem Artikel
• Wolfspeed rund 40 Prozent unter Mai-Hoch
• Short-Squeeze verliert zunehmend an Wirkung
• Operative Verluste belasten die Investmentstory weiterhin
Die Wolfspeed-Aktie setzte ihre Talfahrt fort. Am Dienstag verlor das Papier an der NASDAQ schlussendlich 7,70 Prozent auf 48,89 US-Dollar, nachdem es bereits am Vortag 7,73 Prozent auf 52,97 US-Dollar abgegeben hatte. Damit hat sich der Kurs vom Rekordhoch bei 80,82 US-Dollar vom 22. Mai um rund 40 Prozent entfernt. Hinter dem Rückschlag steht kein einzelnes negatives Datum, sondern das Auslaufen eines der heftigsten Short Squeezes am US-Markt: Der spekulative Schwung, der den Kurs zuvor vervielfachte, kehrt sich um.
Vom Insolvenzfall zum Spekulationsobjekt
Die Geschichte begann mit einer Wende. Der Halbleiterspezialist verließ Ende September 2025 das Insolvenzverfahren mit einer um rund 70 Prozent reduzierten Schuldenlast und frisch ausgegebenen Aktien, während die Altaktionäre weitgehend leer ausgingen. Anschließend deuteten Anleger das Unternehmen um, weg vom kriselnden Autozulieferer, hin zu einem möglichen Profiteur des KI-Infrastrukturausbaus, für den Chips aus Siliziumkarbid zur Stromversorgung von Rechenzentren gefragt sind. Eine optimistische Analyse von Citrini Research und eine Absichtserklärung mit GE Aerospace über Hochvolt-Module heizten die Fantasie zusätzlich an. In der Spitze verteuerte sich die Aktie 2026 um mehr als 270 Prozent, auch jetzt haben Anleger seit Januar noch ein Plus von über 200 Prozent in ihren Depots.
Hohe Leerverkäufe als Brandbeschleuniger
Den eigentlichen Schub lieferte die extreme Short-Positionierung. Wolfspeed gehörte zeitweise zu den meistleerverkauften Werten am US-Markt; je nach Datenanbieter war mehr als die Hälfte des Streubesitzes leerverkauft, und die Leihgebühr für das Ausleihen der Aktie erreichte dreistellige Prozentsätze. In einem Short Squeeze müssen Leerverkäufer bei steigenden Kursen zurückkaufen, was den Anstieg weiter befeuert. Genau dieser Mechanismus wirkt nun rückwärts: Da die Aufwärtsbewegung stockt, gewinnen die Pessimisten an Boden, Spekulanten sichern Gewinne. Zusätzlich belastet ein Anfang Juni eingereichtes Registrierungsdokument, das Altaktionären den Verkauf von rund 24 Millionen Aktien ermöglicht und damit Verwässerung androht.
Fundamental noch lange nicht über den Berg
Die Geschäftszahlen erklären, warum die Erholung auf wackeligem Boden steht. Im jüngsten Quartal setzte Wolfspeed 150,2 Millionen US-Dollar um, die bereinigte Bruttomarge lag jedoch bei minus 21 Prozent, weil die Werke nicht ausgelastet sind. Unter dem Strich stand erneut ein Verlust im dreistelligen Millionenbereich. Der Kurssprung war damit überwiegend eine Wette auf die KI-Erzählung, nicht das Ergebnis einer operativen Trendwende.
Solange die Margen tief im Minus bleiben, dürfte der Kurs der Wolfspeed-Aktie demnach anfällig für scharfe Ausschläge in beide Richtungen bleiben.
Claudia Stephan, Evelyn Schmal, Thomas Zoller, Redaktion finanzen.net
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