Skills-KI für SuccessFactors

SAP-Aktie: Vier KI-Zukäufe in sechs Monaten - geht die Rechnung auf?


SAP-Aktie: Vier KI-Zukäufe in sechs Monaten - geht die Rechnung auf?

SAP treibt seine KI-Strategie mit der vierten Übernahme seit Ende März voran – doch Workday, ServiceNow und Oracle rüsten ebenfalls auf.

Werte in diesem Artikel
Aktien

128.92 EUR -0.18 EUR -0.14 %

187.44 EUR 0.34 EUR 0.18 %

123.30 EUR 0.65 EUR 0.53 %

165.30 EUR -2.42 EUR -1.44 %

  • TechWolf ist bereits der vierte Zukauf für die KI-Strategie seit Ende März
  • Workday, ServiceNow und Oracle bauen ihre HR-Agenten ebenfalls aus
  • Quartalszahlen am 21. Oktober werden zum ersten Prüfstein der Strategie
Werbung

Mit der Übernahme des belgischen KI-Spezialisten TechWolf vereinbart SAP am Dienstag den vierten Zukauf für seine KI-Strategie binnen gut sechs Monaten und lenkt den Blick der Anleger auf eine Frage: Bringen die Zukäufe den Walldorfer Konzern im Wettlauf mit Workday, ServiceNow und Oracle tatsächlich nach vorn? Den Kaufpreis nennen beide Seiten nicht. TechWolf-Chef Andreas De Neve spricht aber von der größten Übernahme eines wagnisfinanzierten Softwareunternehmens in der Geschichte Belgiens.

Vier Zukäufe folgen einem Muster

Die Stoßrichtung ist klar: SAP kauft die Daten- und Kontextschicht, auf der KI-Agenten arbeiten sollen. Den Anfang machte Ende März der Stammdatenspezialist Reltio, für den SAP knapp 1,1 Milliarden Euro aufwendete. Im Juli schloss der Konzern die Käufe des Datenplattformanbieters Dremio und von Prior Labs ab, einem Entwickler von KI-Modellen für tabellarische Unternehmensdaten. TechWolf ergänzt dieses Gerüst nun um ein Abbild der Arbeit selbst: welche Aufgaben in einem Unternehmen anfallen und wer sie mit welchen Fähigkeiten erledigen kann.

Der Ansatz hat Logik. Ein KI-Agent für Personalfragen kann auf diesen Kontext zurückgreifen: TechWolf bildet mit seinem Context Graph Stellen, Fähigkeiten und die Arbeitswelt eines Unternehmens ab. Bemerkenswert ist ein Detail aus dem Brief von De Neve zum Deal: Ein Teil der TechWolf-Kunden nutzt Personalsoftware anderer Anbieter, viele greifen zudem über externe KI-Assistenten auf die Plattform zu. Da TechWolf eigenständig bleiben und auch Kunden ohne SAP-Software offenstehen soll, gewinnt SAP so Zugang zu Unternehmen, deren HR-Systeme von der Konkurrenz stammen.

Werbung

Workday, ServiceNow und Oracle rüsten ebenfalls auf

Allein steht SAP mit dieser Strategie nicht. Workday kündigte im September 2025 die Übernahme des KI-Spezialisten Sana für rund 1,1 Milliarden US-Dollar an und holte sich mit Paradox zusätzlich einen Anbieter für KI-gestütztes Recruiting ins Haus. ServiceNow schloss im Dezember vergangenen Jahres den Kauf von Moveworks ab, der bei der Ankündigung mit 2,85 Milliarden US-Dollar bewertet war, und positioniert dessen KI-Assistenten als zentralen Zugang für Anfragen aus IT und Personalwesen.

Oracle stellte im August weitere agentenbasierte Anwendungen für sein Personalmanagement vor und baut die Agenten direkt in Fusion Cloud HCM ein, wo die Unternehmensdaten ohnehin liegen. Damit verschiebt sich der Wettbewerb: Agenten an sich werden zur Standardausstattung, unterscheiden dürften sich die Anbieter vor allem über die Qualität der Daten und des Kontexts, auf die ihre Agenten zugreifen. Genau dort setzt SAP mit TechWolf an.

Was für die SAP-Aktie spricht

Operativ liefert SAP das Fundament für die Offensive. Im zweiten Quartal stieg der Current Cloud Backlog um 27 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro, der Cloud-Umsatz wuchs um 22 Prozent auf 6,3 Milliarden Euro. Knapp neun Zehntel davon entfallen bereits auf die Cloud ERP Suite, deren Erlöse um 25 Prozent zulegten. Für das Gesamtjahr peilt SAP währungsbereinigt Cloud-Erlöse von 25,8 bis 26,2 Milliarden Euro an, nach 21,0 Milliarden Euro im Jahr 2025. Parallel läuft ein Rückkaufprogramm über bis zu 10 Milliarden Euro, unter dem SAP bis Ende Juni Aktien für rund 2,6 Milliarden Euro zu durchschnittlich gut 161 Euro erworben hatte.

Werbung

Der Analystenkonsens steht zwar mehrheitlich auf Buy, Einigkeit herrscht unter Experten aber nicht: So hält etwa Jefferies ein Buy-Rating mit Kursziel 220 Euro, JPMorgan ist mit Hold bei 175 Euro deutlich vorsichtiger. Die SAP-Aktie notierte am Mittwoch auf XETRA bei 187,62 Euro und damit 0,52 Prozent unter dem Schlusskurs vom Vortag. Für Anleger hängt der Investmentcase damit weniger an TechWolf allein als an der Frage, ob SAP aus seinem Datenschatz in ERP und Personalwesen messbar höhere Cloud-Erlöse je Kunde macht.

Wo die Risiken liegen

Die Zukäufe haben ihren Preis. Wegen Dremio und Prior Labs nahm SAP im Juli die Prognose für das bereinigte operative Ergebnis 2026 auf 11,8 bis 12,2 Milliarden Euro zurück, zuvor hatte der Konzern 11,9 bis 12,3 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Die Belastung beziffert SAP auf mehr als 100 Millionen Euro. Für TechWolf fehlen Angaben zu Preis und Ergebniseffekt bislang ganz. Im Mai platzierte SAP zudem Anleihen über 3,5 Milliarden Euro, unter anderem zur Finanzierung jüngster Übernahmen.

Das zweite Risiko ist der Preisdruck. Werden Agenten bei allen großen Anbietern zum festen Bestandteil der Suiten, wird es für SAP schwerer, KI-Funktionen als eigenständige Umsatzquelle zu monetarisieren. Wie skeptisch der Markt das Thema sieht, zeigt der Blick zurück: Nach Angaben von SAP verlor die Aktie im ersten Halbjahr rund 75 Euro an Wert. Schon im Februar verwies Analyst Mohammed Moawalla von Goldman Sachs auf Sorgen, agentische KI könne etablierte Softwareanbieter verdrängen, blieb für SAP aber zuversichtlich.

Den nächsten Datenpunkt liefert SAP mit den Zahlen zum dritten Quartal, die laut Unternehmenskalender am späten Abend des 21. Oktober erscheinen. Dann zeigt sich, ob sich das Wachstum des Current Cloud Backlog wie angekündigt nur leicht abschwächt und ob das Management den Ergebniseffekt von TechWolf für die Jahresprognose beziffert.

Claudia Stephan, Martina Köhler, Redaktion finanzen.net

Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.

Bildquellen: nitpicker / Shutterstock.com, nitpicker / Shutterstock.com

Aktuelle SAP Aktie News

Werbung

SAP Analysen

Um die Übersicht zu verbessern, haben Sie die Möglichkeit, die Analysen für SAP nach folgenden Kriterien zu filtern.

Alle: Alle Empfehlungen

Buy: Kaufempfehlungen wie z.B. "kaufen" oder "buy"
Hold: Halten-Empfehlungen wie z.B. "halten" oder "neutral"
Sell: Verkaufsempfehlungn wie z.B. "verkaufen" oder "reduce"
Datum Rating Analyst
22.09.26 SAP SE Buy Jefferies & Company Inc.
22.09.26 SAP SE Neutral JP Morgan Chase & Co.
18.09.26 SAP SE Buy Joh. Berenberg, Gossler & Co. KG (Berenberg Bank)
08.09.26 SAP SE Neutral UBS AG
26.08.26 SAP SE Neutral UBS AG

Information


Die Handels- und Depotfunktionen in diesem Broker Cockpit werden für Finanzinstrumente von der Finanzen.net Zero GmbH als vertraglich gebundener Vermittler der DonauCapital Wertpapier GmbH (§ 3 Abs. 2 WpIG) bereitgestellt; bei Kryptowerten werden die Handels- und Depotfunktionen in diesem Broker Cockpit ausschließlich von der DonauCapital Wertpapier GmbH bereitgestellt. Die Finanzen.net GmbH stellt ausschließlich den technischen Rahmen bereit und ist in die Wertpapier- und Kryptodienstleistung nicht einbezogen.