ServiceNow-Aktie feiert besten Monat seit Börsengang 2012 - Auch Dell und IBM feiern mit

Der Enterprise-Software-Titel galt monatelang als Verlierer der KI-Welle. Dann lieferten Dell und Snowflake Quartalszahlen, die das Narrativ auf den Kopf stellten.
Werte in diesem Artikel
• ServiceNow erzielt stärksten Monatsgewinn seit 2012
• Dell-Zahlen verändern Sicht auf KI im Softwaresektor
• IBM verstärkt KI- und Quantencomputing-Offensive
Die ServiceNow-Aktie hat im Mai 2026 einen Kursanstieg von rund 36 Prozent verzeichnet, den stärksten Monatsgewinn seit dem Börsengang 2012 an der NYSE. Der Schlusskurs am 29. Mai lag bei 124,37 US-Dollar, was das Plus auf Monatssicht auf 36,43 Prozent ausbaute. Auslöser war eine radikale Neubewertung der KI-These im Enterprise-Software-Sektor: Was zuvor als Bedrohung für Abonnementmodelle galt, gilt nun als Wachstumstreiber.
Das Dell-Erdbeben als Wendepunkt
Den entscheidenden Impuls lieferte Dell Technologies mit seinem Quartalsbericht, der nach Börsenschluss am 28. Mai veröffentlicht wurde: 43,8 Milliarden US-Dollar Gesamtumsatz, ein Plus von 88 Prozent gegenüber dem Vorjahr, und ein KI-Server-Umsatz von 16,1 Milliarden US-Dollar, das entspricht einem Anstieg um 757 Prozent. Der Auftragsbestand für KI-Systeme erreichte mit 51,3 Milliarden US-Dollar einen Rekordwert. Die Botschaft für den Softwaremarkt war eindeutig: Konzerne deployen KI in einem Ausmaß, das vor wenigen Monaten kaum jemand eingepreist hatte.
Die Dell-Aktie schloss am Freitag an der NYSE mit einem massiven Kursplus von 32,76 Prozent bei 420,91 US-Dollar. Allein im Mai legte die Aktie damit rund 101 Prozent zu. Damit bestätigte Dell seinen Status als einer der zentralen Infrastrukturprofiteure des KI-Zyklus.
IBM: Quantencomputing und KI als Doppelkatalysator
Die IBM-Aktie verzeichnete an der NYSE am Freitag unterdessen ein Tagesplus von 12,71 Prozent auf 297,80 US-Dollar. Treiber war ein Bündel aus Meldungen, das sich über den gesamten Mai aufgebaut hatte. IBM kündigte zusammen mit dem US-Handelsministerium den Aufbau der Quantenchip-Fabrik Anderon an, finanziert durch je eine Milliarde US-Dollar beider Seiten im Rahmen des CHIPS Act, und plant über einen Zeitraum von fünf Jahren mehr als zehn Milliarden US-Dollar in Quantencomputing zu investieren. Hinzu kam Project Lightwell: IBM und Red Hat legten eine Initiative mit einem Volumen von fünf Milliarden US-Dollar auf, die auf die Absicherung von Open-Source-Software vor KI-gestützten Cyberbedrohungen zielt. IBM war zudem im Mai bereits als Partneraussteller bei Dells Technology World präsent, wo beide Unternehmen gemeinsame Enterprise-AI-Architekturen vorstellten. IBM kletterte im Monatsverlauf von rund 224 US-Dollar nach dem Kursrückgang infolge der April-Quartalsergebnisse auf rund 300 US-Dollar zum Monatsende, ein Aufwärtstrend, der von Wedbush mit einem erhöhten Kursziel von 320 US-Dollar kommentiert wurde.
ServiceNow: KI-Kontrollturm statt Auslaufmodell
Das übergreifende Motiv hinter der ServiceNow-Rally war die Auflösung einer Fehleinschätzung. Der Markt hatte monatelang befürchtet, generative KI werde Abonnementmodelle für Enterprise-Software obsolet machen, ein Selloff, den Analysten als "SaaSpocalypse" bezeichneten, und der beim ServiceNow-Kurs bis April 2026 zu einem Rückgang von rund 42 Prozent geführt hatte. Die Dell-Zahlen zeigten das Gegenteil: KI beschleunigt die Nachfrage nach Plattformen, die Workflows, Daten und Governance integrieren. Bank-of-America-Analyst Tal Liani positionierte ServiceNow als KI-"Wachstumsmotor" und bezeichnete den AI Control Tower der Plattform als unverzichtbar für das Management autonomer KI-Agenten in Unternehmen. Ergänzt wurde die Kaufargumentation durch eine erweiterte KI-Partnerschaft mit Wipro, die agentenbasierte Workflows direkt in die ServiceNow-Plattform integriert.
Rally mit Vorsicht zu genießen
Die Rally verdient Respekt, aber auch Nüchternheit. ServiceNow weist eine Abonnement-Verlängerungsrate von 97 Prozent aus, wächst beim freien Cashflow seit fünf Jahren konsistent zwischen 20 und 25 Prozent und führt das Geschäftsjahr 2026 mit einer Umsatzguidance von rund 15,7 Milliarden US-Dollar, was einem währungsbereinigten Plus von rund 21 Prozent entspricht. Die operative Qualität ist unbestritten. Das Problem liegt in der Ausgangssituation: Trotz des Maiplus notiert die Aktie auf Jahressicht noch rund 19 Prozent im Minus und rund 40 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch. Wer die Rally als vollständige Entwarnung liest, übersieht, dass die ursprünglichen Belastungsfaktoren, darunter verzögerte Großabschlüsse im Nahen Osten und der Margendruck durch die geplante Armis-Übernahme für 7,75 Milliarden US-Dollar, noch nicht ausgeräumt sind. Die Aktie ist kein Fehlkauf, aber auch kein risikofreier Nachkauf nach dem kräftigen Monatsanstieg. Wer bereits investiert ist, beobachtet am 3. Juni die Evercore TMT Global Conference als ersten Stresstest für die neue Markterzählung, an diesem Termin wird das Management seine KI-Strategie erneut dem institutionellen Publikum vorstellen.
Auch am Montag ging die Rally am Aktienmarkt weiter: Die Papiere von ServiceNow notieren 9,26 Prozent höher bei 135,89 US-Dollar. Aktien von IBM stiegen derweil um 7,52 Prozent auf 320,19 US-Dollar. Dell-Titel gewannen 10,74 Prozent auf 466,11 US-Dollar.
Claudia Stephan, Evelyn Schmal, Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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