Strukturelle Fragezeichen

Rheinmetall-Aktie gibt trotz Bundeswehr-Abruf nach: Sektorschwäche hält an


Rheinmetall-Aktie gibt trotz Bundeswehr-Abruf nach: Sektorschwäche hält an

Ein neuer Millionenauftrag der Bundeswehr ändert wenig am Grundproblem, das gerade auf der Rheinmetall-Aktie und dem gesamten Rüstungssektor lastet.

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  • Rheinmetall verbucht neuen 100-Millionen-Euro-Abruf aus dem D-LBO-Programm
  • Rheinmetall-Aktie gibt trotzdem nach, auch RENK, HENSOLDT und TKMS im Minus
  • Analysten sehen strukturelle Fragezeichen beim klassischen Munitionsgeschäft
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Rheinmetall verbucht einen weiteren Abruf aus dem Bundeswehr-Rahmenvertrag zur Digitalisierung Landbasierter Operationen (D-LBO): 100 Millionen Euro für zusätzliche Hardware und Unterstützungsleistungen. Auftragnehmerin ist die ARGE IT-Systemintegration aus Rheinmetall Electronics und dem Partner blackned. Die Rheinmetall-Aktie reagiert darauf im XETRA-Handel mit Aufschlägen: Sie gewinnt heute zeitweise rund 0,2 Prozent auf 986,20 Euro.

Was der Bundeswehr-Abruf konkret umfasst

Der Abruf umfasst laut Unternehmensangaben unter anderem 5.000 Adapterplattensätze und 11.000 robuste Pin Pads, mit denen IT- und Funkgeräte in Fahrzeuge der Bundeswehr integriert werden. Zusätzlich stellt die ARGE zehn weitere Serienintegrationsteams für den Zeitraum vom vierten Quartal 2027 bis zum vierten Quartal 2028 bereit. Rheinmetall ordnet den Abruf als Fortführung des Großprogramms D-LBO ein, dessen Gesamtvolumen im Milliardenbereich liegt und das zu den zentralen Modernisierungsvorhaben der Bundeswehr zählt.

Warum die Rheinmetall-Aktie trotzdem nachgibt

Für die derzeitige Kurszurückhaltung sorgt vor allem eine Kurszielsenkung der Bank of America von Freitag. Analyst Benjamin Heelan strich das Kursziel für Rheinmetall von 1.770 auf 1.300 Euro zusammen, beließ die Einstufung aber bei Kaufen. Begründet wird der Schritt mit einem strukturellen Wandel der Kriegsführung hin zu Drohnen und Präzisionswaffen, der die langfristigen Erwartungen an das klassische Munitionsgeschäft dämpft. Bereits Anfang Juli hatte JPMorgan-Analyst David Perry auf das zunehmende Tempo dieses technologischen Wandels hingewiesen und Unsicherheit wegen des Gewichts der Sparten Munition und Militärfahrzeuge betont.

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Hinzu kommt der Verlust des Fregattenprogramms F126, das die Bundeswehr Ende Juni überraschend an TKMS vergab statt an Rheinmetall. Nach Einschätzung von mwb-Research-Analyst Jens-Peter Rieck kostete das Rheinmetall ausgerechnet jenes Argument, mit dem die Übernahme des Schiffsbauers Naval Vessels Lürssen begründet worden war. Rieck strich daraufhin seine eigene Kaufempfehlung. Nach dem NATO-Gipfel Anfang Juli stufte mwb research zudem gleich mehrere Rüstungswerte herab, darunter neben Rheinmetall auch HENSOLDT.

Der ganze Sektor steht unter Beobachtung

Das Muster zeigt sich heute auch bei den Wettbewerbern im XETRA-Handel. Die Aktie von RENK verliert zeitweise 1,48 Prozent auf rund 43,21 Euro, HENSOLDT gibt 2,25 Prozent auf 74,60 Euro nach, und TKMS notiert rund 2,49 Prozent tiefer bei 78,30 Euro. Anders als bei Rheinmetall stehen dabei keine neuen unternehmensspezifischen Nachrichten im Vordergrund. Die Bewegungen fügen sich stattdessen in eine Phase ein, in der Anleger die Wachstumsstory der Branche insgesamt kritischer hinterfragen als noch vor wenigen Monaten.

Ob sich die Zurückhaltung der Analysten als vorübergehende Neubewertung oder als dauerhafter Stimmungswechsel erweist, dürfte sich an den kommenden Quartalszahlen der Sektorwerte zeigen. Bis dahin bleibt die Kursentwicklung von Rheinmetall, RENK, HENSOLDT und TKMS ein Gradmesser dafür, wie stark der Wandel hin zu Drohnen und Präzisionswaffen die klassischen Auftragsbücher tatsächlich belastet.

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Alexandra Hesse, Evelyn Schmal, Redaktion finanzen.net

Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.

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Bildquellen: Postmodern Studio / Shutterstock.com, Tobias Arhelger / Shutterstock.com

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10.07.26 Rheinmetall Buy Jefferies & Company Inc.
08.07.26 Rheinmetall Outperform Bernstein Research
08.07.26 Rheinmetall Buy Joh. Berenberg, Gossler & Co. KG (Berenberg Bank)
07.07.26 Rheinmetall Buy UBS AG
03.07.26 Rheinmetall Buy Deutsche Bank AG