Testfall

BMW, VW & Co. mit Kursausschlägen: EU nimmt offenbar China-Hybride ins Visier


BMW, VW & Co. mit Kursausschlägen: EU nimmt offenbar China-Hybride ins Visier

Die Europäische Union bereitet Kreisen zufolge Maßnahmen zur Begrenzung der Einfuhr von chinesischen Hybridfahrzeugen in den Wirtschaftsraum vor.

Die Europäische Kommission könnte Beschränkungen verhängen, nachdem die Verkäufe von in China hergestellten Hybridfahrzeugen in Europa stark angestiegen seien, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Mittwoch unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. Diese machen dem Bericht zufolge mittlerweile ein Viertel des Gesamtabsatzes aus. Der Zuwachs der Einfuhren chinesischer Elektrofahrzeuge habe sich hingegen verlangsamt, weil für diese bereits hohe EU-Zölle fällig werden.

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Die EU kann durch Schutzmaßnahmen Produkte aus einem bestimmten Sektor beschränken, wenn es zu einem sprunghaften Anstieg der Importe kommt. So kann sie etwa Zollkontingente einführen, bei denen Importe ab einer bestimmten Menge mit einer Abgabe belegt werden. Die von der Europäischen Union vorgeschlagene Obergrenze wäre zeitlich befristet, berichtete Bloomberg weiter.

Hybridfahrzeuge könnten als Testfall herangezogen werden. Sollten die Maßnahmen Wirkung zeigen, dann könnten diese auch auf andere Sektoren übertragen werden, in denen die EU Handelsungleichgewichte feststelle, hieß es weiter. Ein Sprecher der Kommission lehnte gegenüber Bloomberg eine Stellungnahme ab.

Bundeskanzler Friedrich Merz und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatten sich gemeinsam für neue Schutzinstrumente ausgesprochen. Systematisch marktverzerrende Praktiken gefährdeten den Wettbewerb für europäische Unternehmen und führten zu zunehmenden Abhängigkeiten, heißt es in einem Schreiben an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.

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Die Regierungschefs schlagen unter anderem ein Instrument vor, das eine zu starke Abhängigkeit von Lieferanten aus einzelnen Ländern verhindern soll. Zudem soll ein Verfahren geschaffen werden, mit dem ein anderes Land im Eilverfahren vom europäischen Binnenmarkt ausgeschlossen werden könnte.

Ein bestimmtes Land nennen Merz und Macron dabei nicht. Hintergrund dürfte aber vor allem die chinesische Handelspolitik sein. Die EU wirft China unter anderem staatliche Subventionen und Überkapazitäten vor, die europäischen Unternehmen den Wettbewerb erschwerten.

Derweil kritisierte China Deutschland und Frankreich wegen ihrer Forderung nach neuen europäischen Schutzinstrumenten gegen unfaire Handelspraktiken bereits kurz vor dem Bloomberg-Bericht. "Protektionismus kann die Wettbewerbsfähigkeit nicht steigern", sagte ein Sprecher des Handelsministeriums in Peking. Eine Abkopplung und das Kappen von Lieferketten schadeten anderen und nützten einem selbst nicht.

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Die Kritik aus Peking kam unmittelbar vor neuen Handelsgesprächen. EU-Handelskommissar Maros Sefcovic wird am Donnerstag und Freitag in Peking erwartet. Dort sind Gespräche mit Chinas Handelsminister Wang Wentao über die angespannten Wirtschaftsbeziehungen geplant.

/mne/men/mis

BRÜSSSEL (dpa-AFX)

Auto-Aktien volatil

Die Aussicht auf europäische Importbeschränkungen gegen Hybridautos aus China hat am Mittwoch den Automobilsektor insgesamt nur kurz gestützt. Zuletzt drückten zum einen Kursverluste bei den Aktien von Premiumherstellern auf die Stimmung, die weniger von den angedachten protektionistischen Maßnahmen profitieren würden. Zum anderen litten die konjunktursensiblen Branchenwerte insgesamt unter dem wieder trüberen Marktumfeld, das zur Wochenmitte von einem erneuten Ölpreisanstieg und den hohen Renditen an den Anleihemärkten geprägt war.

Der europäische Branchenindex Stoxx Europe 600 Automobiles & Parts hatte noch bis zum Vormittag seinen jüngsten Erholungskurs fortgesetzt, bevor er unter Druck geriet und in die Verlustzone rutschte. Zuletzt stand noch ein Minus von 0,6 Prozent zu Buche.

Die Europäische Union (EU) bereitet Kreisen zufolge Maßnahmen zur Begrenzung der Einfuhr von chinesischen Hybridfahrzeugen in den Wirtschaftsraum vor. Die Europäische Kommission könnte Beschränkungen verhängen, nachdem die Verkäufe von in China hergestellten Hybridfahrzeugen in Europa stark angestiegen seien, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. Diese Verkäufe machen dem Bericht zufolge mittlerweile ein Viertel des Gesamtabsatzes aus.

Laut Oxcap Analytics deutet der Bericht darauf hin, dass die EU einen schnelleren WTO-Schutzmechanismus in Erwägung zieht. Dieser würde es erlauben, temporär Importbeschränkungen wie Strafzölle oder Quoten einzuführen. Sollte es dazu kommen, wäre das "ein wesentlicher positiver Faktor" sowohl für die stark im sogenannten Massengeschäft tätigen und damit von chinesischer Konkurrenz besonders bedrohten Hersteller Renault, Stellantis und Volkswagen sowie für die Zulieferer in der Europäischen Union.

Entsprechend waren die Papiere von Stellantis und Renault in Paris zwischenzeitlich um bis zu gut sechs Prozent in die Höhe geschnellt, bevor sie im Sog des Gesamtmarktes einen Großteil ihrer Gewinne wieder einbüßten. Am frühen Nachmittag legten die Aktien noch um gut ein beziehungsweise knapp drei Prozent zu.

Für die Vorzugsaktien von Volkswagen ging es zuletzt um 1,4 Prozent nach oben. Davon profitierten die Papiere der Porsche Automobil SE, die den VW-Konzern kontrolliert. Diese gewannen 2,2 Prozent.

Unter den Zulieferern hielten sich hierzulande noch die Anteilsscheine von Schaeffler und AUMOVIO wacker. Sie stiegen im MDAX der mittelgroßen Werte (MDAX) um 2,7 beziehungsweise 4,8 Prozent.

Dagegen büßten die Papiere von Mercedes-Benz unter den schwächsten Werten im deutschen Leitindex DAX 3,6 Prozent ein. Ein erneuter Einbruch in China hatte dem Autobauer die Verkäufe im dritten Quartal verhagelt. Im Sog verloren die Aktien des Wettbewerbers BMW 3 Prozent.

Die Anteilsscheine von Porsche AG gaben zuletzt leicht nach. Der schwächelnde Sport- und Geländewagenbauer will in den nächsten Jahren kräftig Kosten sparen und sich stärker auf Fahrzeuge mit besonders hoher Marge ausrichten. Unter anderem dadurch soll Porsche wieder profitabler werden. Das geht aus einer Mitteilung zur strategischen Neuausrichtung namens "Sportwagenschmiede '35" hervor, die auf einer Investorenveranstaltung im schwäbischen Weissach bei Stuttgart vorgestellt wurde.

PARIS/FRANKFURT (dpa-AFX)

Bildquellen: Bocman1973 / Shutterstock.com, FotograFFF / Shutterstock.com

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