VW-Aktie legt schon mal vor: Wie Volkswagen-Aktionäre vom Porsche-Umbau profitieren könnten
Nach der Gewinnwarnung im September legt die Konzerntochter Porsche auf dem Kapitalmarkttag ihren Sanierungsplan vor, der auch für die Aktionäre von Volkswagen wichtig ist.
Werte in diesem Artikel
- Porsche setzt bei der Sanierung auf Marge statt Masse
- Wie hart trifft der Umbau die Belegschaft?
- Der nächste Prüfstein folgt mit dem Zwischenbericht
Die Aktie von Volkswagen legt im XETRA-Handel am Mittwoch zu. Zwar werden die Gewinne im Handelsverlauf kleiner, zuletzt stand aber noch ein Plus von 1,19 Prozent auf 69,70 Euro an den Kurstafeln.
Auslöser ist der Sanierungsplan der Sportwagentochter Porsche, den der Hersteller auf seinem Kapitalmarkttag vorstellte. Für VW, das rund 75 Prozent an Porsche hält, ist das Programm nach der Gewinnwarnung vom September von besonderer Bedeutung.
Porsche setzt auf "Sportwagenschmiede '35"
Im Entwicklungszentrum Weissach stellte die Porsche AG ihren Plan unter dem Motto "Sportwagenschmiede '35" vor. Porsche-Chef Michael Leiters setzt auf hochwertige, margenstarke Modelle wie den 911 und den Ansatz "Wert statt Volumen". Das Break-even-Ziel liegt bei weniger als 200.000 Einheiten, im Vorjahr lieferte Porsche rund 279.000 Fahrzeuge aus. Die Schwelle beruht laut Porsche auf einer sehr konservativen Prognose für China.
Mittelfristig strebt Porsche eine operative Umsatzrendite von 10 bis 15 Prozent an, der Konzernumsatz soll 41 bis 45 Milliarden Euro erreichen. Die Ausschüttungsquote soll bei 50 Prozent oder mehr des Konzernergebnisses nach Steuern liegen. JPMorgan-Analyst Jose Asumendi verwies darauf, dass die Umsatzziele vor allem auf höheren Preisen und einem größeren Anteil teurerer Fahrzeuge beruhten.
Harte Einschnitte bei Personal und Kosten
Die Belegschaft soll mittelfristig um 25 Prozent sinken, die Zahl der Führungskräfte um 40 Prozent. Das Zukunftspaket mit den Arbeitnehmervertretern sieht einen sozialverträglichen Abbau von 9.000 Stellen vor. Die Entwicklungskosten sollen um bis zu 20 Prozent fallen, die Personalkosten in der Fertigung um bis zu 30 Prozent.
Zugleich will Porsche rund 20 Prozent weniger Modellvarianten anbieten. Eine Mittelmotor-Supersportwagenplattform oberhalb des 911 ist angekündigt, geprüft wird ein SUV oberhalb des Cayenne.
Warum der Plan für Volkswagen zählt
Im September hatte Volkswagen die Obergrenze für die operative Marge 2026 von zuvor 4 bis 5,5 Prozent auf nur noch 1 Prozent gesenkt. Hauptgrund ist eine nicht-cashwirksame Goodwill-Wertminderung von 6 Milliarden Euro im Zusammenhang mit Porsche. Volkswagen hatte dafür die Bewertungsannahmen unter anderem an den von Porsche kommunizierten Mittelfristkorridor von 10 bis 15 Prozent angepasst.
Warum VW-Aktionäre profitieren könnten
Für VW-Aktionäre zählt der Plan auf drei Ebenen. Erstens konsolidiert Volkswagen die Porsche AG voll, jede Verbesserung der Porsche-Marge erhöht grundsätzlich den operativen Ergebnisbeitrag. Zweitens fließt über die angestrebte Ausschüttungsquote von mindestens 50 Prozent rund drei Viertel der Porsche-Dividende an Volkswagen. Drittens hängt der Wertansatz der Tochter in der VW-Bilanz an den Mittelfristzielen: Da Volkswagen die Goodwill-Abschreibung bereits am Korridor von 10 bis 15 Prozent ausgerichtet hat, würde ein Verfehlen dieser Ziele das Risiko weiterer Wertberichtigungen erhöhen. Die bereits verbuchte Abschreibung kann ein Erfolg des Plans dagegen nicht rückgängig machen.
Claudia Stephan, Martina Köhler, Redaktion finanzen.net
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