Musk-Konzern vor dem Absturz? Investor sieht gigantische Überbewertung der SpaceX-Aktie
Ein Ex-Fidelity-Manager hält die SpaceX-Aktie für massiv überbewertet und spricht von einem der größten Vermögenstransfers der Geschichte. Doch die Analystenmehrheit sieht das ganz anders.
Werte in diesem Artikel
- Ex-Fidelity-Manager George Noble hält die SpaceX-Aktie für massiv überbewertet
- Noble bezifferte den fairen Wert der Aktie auf rund 30 US-Dollar
- Großteil der Analysten rät trotz der Kritik weiter zum Kauf
George Noble, früherer Fondsmanager bei Fidelity und Mitgründer des Fidelity Overseas Fund, hält die SpaceX-Aktie für eine der größten Fehlbewertungen, die er je gesehen hat, und beziffert den fairen Wert auf rund 30 US-Dollar. Das entspricht einem Rückgang von rund 76 Prozent gegenüber dem jüngsten Kursniveau.
Wie Noble seine SpaceX-Aktien-These begründet
Noble führt die frühe Kursrally nach dem Börsengang am 12. Juni 2026 vor allem auf eine strukturelle Verzerrung zurück, nicht auf die Fundamentaldaten. SpaceX brachte beim Debüt weniger als fünf Prozent der ausstehenden Aktien an den Markt, was das Angebot künstlich knapp hielt. Kurz darauf nahm der NASDAQ 100 das Unternehmen vorzeitig auf, ohne dass die üblichen Aufnahmekriterien vollständig erfüllt waren, was passive Fonds zu Käufen zwang. Noble bezeichnet diese Kombination als gezielt herbeigeführten Short Squeeze und den Börsengang insgesamt als einen der größten Vermögenstransfers der Geschichte. Die auslaufenden Lock-up-Fristen für Insider, die in den kommenden Wochen rund um die für Anfang August 2026 erwarteten Quartalszahlen greifen, sieht er als möglichen Auslöser für weiteren Verkaufsdruck.
Gegenposition: Analysten bleiben für die SpaceX-Aktie mehrheitlich bullish
Der Konsens am Markt zeichnet ein anderes Bild. Der Großteil der Analysten, die die Aktie abdecken, rät weiterhin zum Kauf, nur eine einzelne Stimme empfiehlt den Verkauf. Auf TipRanks liegt das durchschnittliche Kursziel der mehrheitlichen SpaceX-Bullen bei 243,81 US-Dollar - deutlich über der Bewertung von Noble. Lediglich CFRA-Analyst Keith Snyder gehört zu den Ausnahmen: Er hält sein Verkaufsrating seit dem Börsengang, weil er die Bewertung auf dem aktuellen Niveau für nicht gerechtfertigt hält, solange das Wachstum nicht deutlich anzieht. Auch der als "Mr. IPO" bekannte Ökonom Jay Ritter erklärte Business Insider zufolge, er habe schon vor dem Börsengang über eine Short-Position nachgedacht und sei von der Kursschwäche der SpaceX-Aktie seit deren Rekordhoch nicht überrascht.
Die Aktie hatte kurz nach dem Börsenstart mit 225,64 US-Dollar ihr bisheriges Allzeithoch markiert und sich seither spürbar von dieser Marke entfernt. Am Freitag hatte sie bei 123,99 US-Dollar mit einem Abschlag von 5,43 Prozent und damit deutlich unter dem Ausgabepreis geschlossen. Am Montag ging es an der NASDAQ um 3,34 Prozent abwärts auf 119,85 US-Dollar.
Starlink als Ausnahme in Nobles Kritik an SpaceX
Selbst Noble macht allerdings bei seinem Blick auf den Musk-Konzern eine Ausnahme: Das Satelliteninternet-Geschäft Starlink nennt er ein "wunderbares Geschäft" im Wert von mehreren hundert Milliarden US-Dollar und den einzigen Teil der SpaceX-Story, der keine Science-Fiction sei. Trotzdem liege der Wert weit unter der aktuellen Gesamtbewertung, die auf Basis des Schlusskurses vom 17. Juli bei rund 1,64 Billionen US-Dollar gelegen hatte. Technische und regulatorische Hürden, etwa die schlechte Signalqualität in modernen Bürogebäuden, begrenzten laut Noble das Potenzial als vollwertiger Mobilfunkanbieter. Weitere von SpaceX verfolgte Ambitionen wie Rechenzentren im Orbit oder Asteroidenbergbau stünden technologisch noch am Anfang. Ein Vergleich mit anderen Projekten von Firmenchef Elon Musk, etwa den wiederholt verschobenen Zeitplänen bei Teslas Robotaxi-Diensten, nährt bei Kritikern zusätzliche Zweifel an den eigenen Zeitplänen von SpaceX für Starship und Datencenter im All.
Claudia Stephan, Bettina Schneider, Julia Walter, Redaktion finanzen.net
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