Merck mit Mega-Übernahme in den USA: Bio-Techne-Aktie explodiert

Merck KGaA übernimmt in einer milliardenschweren Transaktion das US-Life-Science-Unternehmen Bio-Techne. Die Aktie des Übernahmekandidaten haussiert.
Werte in diesem Artikel
- Merck KGaA übernimmt den US-Laborzulieferer Bio-Techne für 73 US-Dollar je Aktie in bar
- Der Zukauf stärkt die margenstarke Life-Science-Sparte
- Das Closing wird für Ende 2026 oder Anfang 2027 erwartet
Mit dem Kauf von Bio-Techne für rund 11,3 Milliarden US-Dollar greift Merck KGaA nicht nach einem neuen Medikament, sondern nach den Werkzeugen, mit denen Medikamente erforscht und hergestellt werden. Der Darmstädter DAX-Konzern stärkt damit seine Life-Science-Sparte, das stabilste seiner drei Geschäftsfelder.
An der Börse fällt die Reaktion wie folgt aus: Die Bio-Techne-Aktie springt zeitweise an der NASDAQ um 20,09 Prozent auf 70,70 US-Dollar, die Merck-Aktie zog auf XETRA um 4,93 Prozent auf 147,00 Euro an (Stand: 25. Juni 2026). Das deutet darauf hin, dass der Markt den Zukauf für verkraftbar hält.
Werkzeuge statt Wirkstoffe
Hinter der Übernahme steht eine klare Logik. Während das Geschäft mit neuen Medikamenten von einzelnen Studienerfolgen und Patentabläufen abhängt, liefern Laborwerkzeuge planbare, wiederkehrende Erträge. Bio-Techne aus Minneapolis stellt Reagenzien, Proteine, Antikörper und Analysegeräte her, die in Forschungslaboren und bei Arzneimittelherstellern zum täglichen Standard gehören. Einmal in einen Arbeitsablauf integriert, werden solche Verbrauchsmaterialien immer wieder nachgekauft, ähnlich dem Prinzip von Rasierer und Klinge. Genau dieses margenstarke und schwer ersetzbare Geschäft passt zu Mercks Life-Science-Arm, den der Konzern über Jahre durch Zukäufe aufgebaut hat, zuletzt etwa mit dem Chromatographiegeschäft von JSR Life Sciences. Laut Mitteilung soll Bio-Techne schon unmittelbar nach Abschluss die bereinigte operative Marge von Sparte und Konzern stärken.
Was der Preis verrät
Günstig ist der Einstieg nicht. Der Kaufpreis entspricht rund dem Zehnfachen des Jahresumsatzes von etwas mehr als einer Milliarde US-Dollar, ein Niveau, das für hochmargige Laborzulieferer üblich ist, aber wenig Spielraum für Enttäuschungen lässt. Den oft genannten Aufschlag von 36 Prozent bezieht Merck auf den volumengewichteten Monatsdurchschnitt; gegenüber dem Schlusskurs vom Vortag sind es nur rund 24 Prozent, weil die Bio-Techne-Aktie zuvor bereits kräftig gestiegen war. Finanziert wird der Kauf aus Barmitteln und neuen Krediten, ohne das angestrebte starke Investment-Grade-Rating zu gefährden. Den positiven Ergebnisbeitrag je Aktie erwartet Merck allerdings erst ab dem dritten Jahr nach Abschluss, zusammen mit Synergien von rund 140 Millionen Euro. Bis dahin trägt der Zukauf eher zur Größe als zum Gewinn je Aktie bei.
Die offenen Hürden
Abgeschlossen ist nichts. Merck rechnet mit einem Vollzug Ende 2026 oder Anfang 2027, abhängig von den behördlichen Freigaben und der Zustimmung der Bio-Techne-Aktionäre. Dass die Aktie mit 70,84 US-Dollar noch unter dem Gebot von 73 US-Dollar notiert, zeigt, dass die Börse dieses Risiko und die lange Wartezeit einpreist. In ihrer Mitteilung verweist Merck zudem selbst auf die Möglichkeit konkurrierender Gebote. Hinzu kommt die Ausführung: Bio-Techne hat in den vergangenen Jahren schwankende Gewinne ausgewiesen, und Merck zahlt einen vollen Preis in einer Phase, in der sich der Markt für Laborzulieferer gerade erst von einer Schwäche erholt. Aus der strategischen Logik muss erst noch messbarer Wert werden.
Den nächsten Prüfstein liefern die Monate bis zum erwarteten Abschluss: Erteilen die Kartellbehörden ihre Freigaben, stimmen die Bio-Techne-Aktionäre zu, und tauchen keine Gegenbieter auf? Erst danach zeigt sich, ob Merck mit diesem Milliardenzukauf die versprochenen Synergien und Erträge tatsächlich hebt.
Claudia Stephan, Thomas Zoller, Redaktion finanzen.net
Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar.
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Bildquellen: Merck KGaA, Merck 2016
