Wehrdienst im Blick

Rheinmetall-Chef: 23.000 Bewerbungen im Monat, Rüstung boomt, Bundeswehr hinkt hinterher - Aktie schwächelt


Rheinmetall-Chef: 23.000 Bewerbungen im Monat, Rüstung boomt, Bundeswehr hinkt hinterher - Aktie schwächelt

Rheinmetall-Chef Papperger sieht wachsende Bereitschaft junger Menschen zur Verteidigung Deutschlands. Zugleich spricht er über seine Bedrohungslage.

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Armin Papperger, Vorstandschef des größten deutschen Rüstungskonzerns Rheinmetall, sieht eine größere Verantwortungsbereitschaft junger Menschen für die Verteidigungsfähigkeit des Landes. "Deutschland und besonders die jungen Menschen haben gemerkt, dass ein Land ohne Verteidigungsfähigkeit nicht sicher sein und überleben kann", sagte Papperger der Deutschen Presse-Agentur.

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Wehrdienst soll Freiwillige für die Bundeswehr gewinnen

Die aktuelle Diskussion über den Wehrdienst hält der 63-jährige Papperger für richtig. "Aber ich glaube, dass das im Bereich der Freiwilligkeit schwierig sein wird". Dass man auf diesem Weg vermutlich nicht genügend Menschen bekommen werde, sei bereits an den Zulaufzahlen der Bundeswehr abzulesen. Diese seien zwar positiv, aber nicht genug.

Zum 1. Januar trat das Gesetz über den neuen Wehrdienst in Kraft. Kern ist die verpflichtende Musterung für junge Männer ab dem Jahrgang 2008. So sollen Freiwillige für einen Ausbau der Truppe rekrutiert werden. Werden die Zielkorridore verfehlt, kann der Bundestag über eine sogenannte Bedarfswehrpflicht entscheiden.

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Die Zahl der Bewerbungen bei der Bundeswehr ist nach Angaben des Verteidigungsministeriums mit dem neuen Wehrdienst-Gesetz seit Januar um 24 Prozent auf rund 38.500 gestiegen.

Wehrpflicht und Zivildienst könnten zurückkehren

Die Bundesregierung trifft bereits Vorkehrungen, im Fall einer Rückkehr zur Wehrpflicht auch den Zivildienst wieder zu aktivieren. Das findet auch Rüstungschef Papperger gut. "Dienst an der Gesellschaft ist sicherlich etwas, was nicht schadet."

Die Wehrpflicht in Deutschland war 2011 ausgesetzt worden - damit endete auch der zivile Ersatzdienst für junge Männer, die aus Gewissensgründen den Dienst bei der Bundeswehr verweigerten.

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Großer Bewerberandrang in der Rüstungsindustrie

Das Interesse an Jobs in der Rüstungsindustrie ist weit größer als der Zulauf zur Bundeswehr. Die Waffenschmiede Rheinmetall kann sich vor Bewerbungen kaum retten. Allein in Deutschland bekommt der Konzern nach Unternehmensangaben pro Monat aktuell im Schnitt fast 23.000 Bewerbungen. Vergangenes Jahr gingen in Deutschland insgesamt 232.000 Bewerbungen ein, weltweit waren es 360.000. Aktuell hat die Firma etwa 34.000 Beschäftigte.

Allein in der Düsseldorfer Rheinmetall-Zentrale arbeiteten fast 1.000 Menschen, von denen die Hälfte um die 30 Jahre oder jünger seien, sagte Papperger. "Und das sind alles Menschen, die hoch motiviert sind und sich einsetzen." Die Verwaltungszentrale von Rheinmetall ist in Düsseldorf, das größte Werk steht im niedersächsischen Unterlüß.

Papperger lässt sich von Anschlagsrisiken nicht einschüchtern

Papperger, eine der meist geschützten Persönlichkeiten Deutschlands, lässt sich von möglichen Anschlagsrisiken nicht einschüchtern. "Kneifen gilt nicht in dem Bereich", sagte der Rheinmetall-Chef. "Die Jobs müssen gemacht werden, und wer einknickt, der gehört nicht in so einen Job."

Papperger steht wegen möglicher russischer Mordpläne seit längerem unter Polizeischutz und hat Personenschützer, die auch in der Düsseldorfer Konzernzentrale stets an seiner Seite sind. Das Schutzniveau für den Rheinmetall-Chef gleicht jenem für den Bundeskanzler.

Gartenhaus abgebrannt und Demos vor dem Haus

"Es ist bekannt, dass man mein Gartenhäuschen abgebrannt hat und dass es Demonstrationen vor meinem Haus gab", sagte der Rüstungsmanager. "Wenn das eine Bedrohung ist, ja - dann müsste ich mich vielleicht bedroht fühlen." Auf der anderen Seite schütze ihn der Staat so weit, wie es irgendwie möglich sei. "Aber in einem anderen Job hätte ich sicherlich eine geringere Bedrohungslage", so Papperger.

Rheinmetall liefert umfangreich Waffen an die von Russland angegriffene Ukraine und baut dort auch Werke auf. Kürzlich hatte das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) Mitarbeiter von Rüstungsunternehmen zu besonderer Wachsamkeit aufgerufen. Es bestehe eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass Unternehmen das Ziel von Ausspähungs- und Sabotagehandlungen durch russische staatliche Stellen oder in deren Auftrag würden, hieß es in einem Sicherheitshinweis. Abhängig vom Kriegsverlauf in der Ukraine seien auch gezielte Angriffe gegen einzelne Mitarbeiter - besonders der Leitungsebene - nicht auszuschließen.

Kein Gedanke an Rente

Ans Aufhören bei Deutschlands größtem Rüstungskonzern, den er seit 2013 als Vorstandschef lenkt, denkt der 63-jährige Papperger jedenfalls noch nicht. "Erst mal habe ich noch einen dreieinhalb Jahre laufenden Vertrag, da wird noch sehr, sehr viel Wasser den Rhein runterlaufen", sagte er. "Im Augenblick fühle ich mich jung, gesund und habe sehr viel Spaß, mit viel jüngeren Menschen zu arbeiten."

Der diplomierte Ingenieur Papperger stieg nach dem Studium 1990 bei Rheinmetall ein und durchlief in 36 Jahren zahlreiche Stationen bis an die Spitze des Rüstungskonzerns.

Aber auch im Rentenalter möchte Papperger sich nicht zur Ruhe setzen. "Rheinmetall ist für mich meine zweite Familie. Aber ich habe ja privat noch ein paar andere Firmen, insofern werde ich immer etwas zu tun haben", so der Manager. "Ich habe auch eine tolle Familie. Vielleicht ist es auch mal Zeit, sich ein bisschen mehr mit den Enkelkindern zu beschäftigen", sagte er. "Aber das ist ja noch ein bisschen hin."

120 Regierungen als Kunden

Drei Eigenschaften muss ein Rüstungskonzernchef nach Worten Pappergers haben: technisches Verständnis, keine Scheu vor der Politik und sehr strategisches Denken. Für Papperger ist ein enger Kontakt zur Politik selbstverständlich. "Das ist ja der Kunde. Ich glaube, es ist immer vernünftig, einen vernünftigen Draht zum Kunden zu haben."

Rheinmetall sei halt kein normales Geschäft. "Würde ich Autos verkaufen, hätte ich natürlich Millionen von Kunden. Ich habe vielleicht 120 Kunden auf der Welt. Es sind letztendlich 120 Regierungen, mit denen wir sprechen."

Die Rheinmetall-Aktie schwächelt im XETRA-Handel um 0,47 Prozent auf 1.141,00 Euro.

dpa-AFX

Bildquellen: Postmodern Studio / Shutterstock.com, Tobias Arhelger / Shutterstock.com

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08:11 Rheinmetall Outperform RBC Capital Markets
10.08.26 Rheinmetall Buy Warburg Research
07.08.26 Rheinmetall Buy Deutsche Bank AG
06.08.26 Rheinmetall Buy Jefferies & Company Inc.
06.08.26 Rheinmetall Neutral JP Morgan Chase & Co.