Alibaba-Aktie gewinnt: Milliardenschwere Übernahmeofferte soll Konkurrent Paroli bieten

Alibaba will den Lebensmittel-Lieferdienst Pupu für 1,5 Milliarden US-Dollar übernehmen. Der mögliche Deal könnte den Wettbewerb im chinesischen Instant-Retail-Markt weiter verschärfen.
Werte in diesem Artikel
• Alibaba bietet laut Bloomberg 1,5 Milliarden US-Dollar für Pupu
• Mögliches Übernahmeangebot liegt deutlich über früherem Gebot
• Instant Retail und Wettbewerb mit Meituan stehen im Fokus
Alibaba will den chinesischen Lebensmittel-Lieferdienst Pupu für 1,5 Milliarden US-Dollar übernehmen. Das berichtet Bloomberg unter Berufung auf informierte Personen. Das Angebot überbietet ein früheres Gebot von Sun Art Retail, dem einstigen Alibaba-Ableger, der inzwischen von der Beteiligungsgesellschaft DCP Capital kontrolliert wird, um mehr als das Doppelte. Sun Art hatte 600 Millionen US-Dollar geboten. Der Prozess gilt als vertraulich, ein Abschluss ist nicht bestätigt.
Was Pupu wert ist - und warum Alibaba so weit geht
Pupu ist eine der führenden Plattformen für sofortigen Lebensmitteleinzelhandel in China, mit einem Jahresumsatz von mehr als 30 Milliarden Renminbi. Das Modell basiert auf einem dichten Netz von Auslieferungslagern, das Lieferzeiten von 30 Minuten ermöglicht - genau die Infrastruktur, die sich nicht schnell replizieren lässt. Alibaba besitzt mit Hema, Taobao, Tmall und Ele.me zwar bereits Retail-Bausteine, aber kein geschlossenes Netz dieser Dichte im schnellen Frischwarengeschäft. Der Aufpreis gegenüber dem Gebot von Sun Art ist damit kein Ausrutscher, sondern Kalkül: Wer die Infrastruktur nicht selbst aufgebaut hat, muss sie teuer kaufen.
Meituan als eigentlicher Referenzpunkt
Im Februar 2026 sicherte sich Alibaba-Rivale Meituan das Kerngeschäft von Dingdong Fresh für rund 717 Millionen US-Dollar. Mit mehr als 1.000 Auslieferungslagern und 7 Millionen monatlich aktiven Käufern war das ein Ausbau der Logistikbasis im direkten Wettbewerb mit Alibaba. Pupu ist einer der wenigen verbliebenen unabhängigen Anbieter mit vergleichbarer Lagerdichte. Alibaba versucht mit dem Gebot, nicht weiter ins Hintertreffen zu geraten: Meituan nutzt sein Liefergeschäft schon lange als Einstieg in den breiteren Nahbereichshandel. Alibaba dreht den Spieß um - vom Onlinehandel in Richtung täglicher Bedarf.
Regulierung als Gegengewicht
Der Deal kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Die Pekinger Zweigstelle der chinesischen Marktaufsicht hat Alibaba, JD.com und andere Plattformen diese Woche wegen als irreführend eingestufter Rabattversprechen im Rahmen des Jahreszyklus des 618-Shopping-Festivals gerügt. Ob eine mögliche Pupu-Übernahme eine kartellrechtliche Prüfung auslöst, ist offen - Meituans Dingdong-Transaktion durchläuft noch eine entsprechende Prüfung.
Aussichtsreiche Branche
Instant Retail in China soll laut Marktprognosen 2026 erstmals die Marke von einer Billion Renminbi überschreiten. Für Alibaba ist die entscheidende Frage, ob ein bestätigter Abschluss folgt - und ob die Regulierungsbehörden mitspielen. Bis dahin bleibt Pupu das teuerste Signal, das Alibaba in diesem Wettbewerb bisher gegeben hat.
Anleger reagierten optimistisch auf die Bloomberg-Meldung, die Alibaba-Aktie legte in Hongkong letztlich um 2,61 Prozent auf 110,20 HKD zu.
Claudia Stephan, Martina Köhler, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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