Wettlauf um KI-Kapazität

Microsoft-Aktie verliert: Amazon stellt offenbar Rechenleistung für GitHub bereit

16.06.26 22:10 Uhr

NASDAQ-Aktien Microsoft und Amazon uneins: Was hinter dem möglichen Cloud-Deal der Rivalen für GitHub steckt | finanzen.net

Microsoft, einer der mächtigsten Akteure im weltweiten Cloud- und KI-Geschäft, will sich für seine Tochter GitHub offenbar zusätzliche Rechenkapazitäten beim Erzrivalen Amazon sichern.

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• Rechenzentren von GitHub mit KI-Wachstum überfordert
• Microsoft kauft offenbar Kapazität bei anderen Cloud-Anbietern wie Amazon
• Rechenleistung wird zum strategischen "KI-Rohstoff"

Es ist ein Vorgang mit hoher Symbolkraft: Ausgerechnet über die Infrastruktur von Amazon Web Services (AWS) sollen bei Microsoft Engpässe abgefedert werden, die durch den explosionsartigen Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Softwareentwicklung entstanden sind.

Warum Microsoft zusätzliche Cloud-Leistung sucht

Konkret geht es dabei um Rechenleistung für die Microsoft-Tochter GitHub, wie "Business Insider" unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen berichtet. Microsoft hatte GitHub im Jahr 2018 für rund 7,5 Milliarden US-Dollar übernommen und die Plattform seither eng in sein KI-Ökosystem eingebunden. Vor allem GitHub Copilot, ein auf generativer KI basierender Programmierassistent, hat sich zu einem zentralen Produkt entwickelt. Doch der Erfolg der KI-Werkzeuge generiert ein Infrastrukturproblem: Je mehr Entwickler KI-gestützte Funktionen nutzen, desto mehr Rechenleistung wird benötigt - für Code-Generierung, Tests, Analysen und automatisierte Entwicklungsprozesse.

Bislang betrieb GitHub laut "Business Insider" seine eigenen Rechenzentren, der Plan habe jedoch vorgesehen, die Plattform bis 2027 vollständig auf Microsofts Cloud-Dienst Azure umzuziehen. Doch der KI-Boom macht dem Tech-Riesen nun offenbar einen Strich durch die Rechnung.

KI-Wachstum trifft auf begrenzte Infrastruktur

Wie GitHub-Manager Kyle Daigle laut "Investing.com" sagte, habe sich die Zahl der sogenannten Commits - also der Änderungen an Softwareprojekten - innerhalb kurzer Zeit massiv erhöht. Während GitHub für das Jahr 2025 rund eine Milliarde Commits verbuchte, dürfte diese Zahl 2026 auf rund 14 Milliarden steigen. Die starke Nachfrage habe laut "Business Insider" in diesem Jahr bereits mehrere große Ausfälle der Coding-Plattform verursacht.

Ein Sprecher von Microsoft sagte dazu gegenüber "Business Insider", dass ein starker Anstieg der sogenannten "agentic development" (autonome KI-gestützte Softwareentwicklung) die Kapazitätsgrenzen der GitHub-Infrastruktur auf die Probe gestellt habe. Daher habe Microsoft zum einen die Migration zu Azure beschleunigt, gleichzeitig aber auch eine Multi-Cloud-Strategie implementiert, in deren Rahmen GitHub mehrere Cloud-Anbieter nutze. Ob darunter auch Amazon sei, wollte der IT-Gigant gegenüber der Nachrichtenseite nicht kommentieren. Laut den Insidern, auf die sich das Portal beruft, werde für GitHub jedoch durchaus auch Rechenkapazität über AWS hinzugezogen.

Der Engpass an Rechenleistung entsteht dabei vor allem durch die Diskrepanz zwischen stark steigender Nachfrage der KI-Funktionen und der Geschwindigkeit, mit der neue Rechenzentren und spezialisierte Hardware bereitgestellt werden können. Selbst Unternehmen mit Milliardenbudgets stoßen dabei an physische Grenzen: Chips müssen produziert, Rechenzentren gebaut und Strom- sowie Netzkapazitäten bereitgestellt werden.

Warum Microsoft offenbar ausgerechnet den Schulterschluss mit Cloud-Rivale AWS wagt

Dass Microsoft auf der Suche nach mehr Rechenleistung laut "Business Insider" ausgerechnet auch auf AWS zurückgreifen soll, ist vor allem strategisch bemerkenswert, denn Microsoft betreibt mit Azure selbst eine der größten Cloud-Plattformen der Welt und konkurriert dort direkt mit Amazons AWS. Dabei gilt AWS seit Jahren als Marktführer im Cloud-Geschäft, während Microsoft mit Azure stark aufgeholt hat und insbesondere durch die Partnerschaft mit OpenAI zu einem der wichtigsten KI-Infrastruktur-Anbieter geworden ist.

Die Erwägung, zumindest kurzfristig Kapazitäten bei Amazon einzukaufen, zeigt jedoch eine neue Realität im Cloud-Geschäft: In Zeiten des KI-Booms zählt verfügbare Rechenleistung möglicherweise mehr als die Bindung an eine bestimmte Plattform. Ein Unternehmen kann es sich nicht leisten, Wachstum durch fehlende Infrastruktur zu begrenzen, nur um eine strategische Rivalität nicht zu verletzen. Dass Microsoft möglicherweise auf AWS setzt, ist deshalb weniger ein Zeichen von Schwäche als ein Ausdruck des enormen Tempos der aktuellen Entwicklung. Der KI-Wettlauf wird nicht allein durch die Qualität von Modellen entschieden, sondern auch durch die Fähigkeit, genügend Rechenleistung bereitzustellen.

An der Börse sorgen die Spekulationen am Dienstag für gespaltene Reaktionen: Die Microsoft-Aktie verlor im NASDAQ-Handel letztlich 1,48 Prozent auf 393,83 US-Dollar, während Papiere von Amazon bei 246,00 US-Dollar (-0,01 Prozent) kaum verändert zum Vortag zeigen.

Carolin Ludwig, Bettina Schneider, Redaktion finanzen.net

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Bildquellen: Peteri / Shutterstock.com, mindea / Shutterstock.com

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