Zirkelfinanzierung

NVIDIA-Aktie unter Druck? Milliarden-Bürgschaft für OpenAI weckt alte Ängste vor Zirkelgeschäften


NVIDIA-Aktie unter Druck? Milliarden-Bürgschaft für OpenAI weckt alte Ängste vor Zirkelgeschäften

Ein möglicher Deal über 250 Milliarden US-Dollar zwischen NVIDIA und OpenAI erinnert Analysten an eine Finanzierungspraxis, die einst einen ganzen Telekomkonzern in die Knie zwang.

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  • NVIDIA soll laut Bericht mit 250 Milliarden US-Dollar für OpenAI bürgen
  • NVIDIA-Aktie geriet daraufhin zeitweise unter Druck
  • Analysten sehen Parallelen zur riskanten Lieferantenfinanzierung der 1990er
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NVIDIA soll laut einem Bericht des Wall Street Journal mit einer Bürgschaft über 250 Milliarden US-Dollar dafür sorgen, dass OpenAI ein gigantisches Rechenzentrum in Ohio anmieten kann. Am Markt sorgt das für Nervosität, denn die Konstruktion erinnert an eine Finanzierungspraxis, die Anleger eigentlich aus der Zeit der Dotcom-Blase kennen. Nach Bekanntwerden der Gespräche gab die NVIDIA-Aktie am Montag deutlich nach. Mittlerweile scheint sich der Kurs etwas zu erholen: Im NASDAQ-Handel zeigt sich die NVIDIA-Aktie zeitweise 1,79 Prozent stärker bei 193,42 US-Dollar.

Rechenzentrum auf stillgelegtem Uran-Areal

Das Rechenzentrum in Ohio soll laut MarketWatch unter Berufung auf das Wall Street Journal mehr als 500 Milliarden US-Dollar kosten und wäre damit das bislang größte angekündigte Rechenzentrumsprojekt überhaupt. Besonders macht den Standort auch die Lage: Er liegt auf einem stillgelegten Uran-Anreicherungsgelände auf Bundesland in Süd-Ohio und benötigt laut Bericht rund 10 Gigawatt Strom, mehr als so mancher Ballungsraum verbraucht. NVIDIA und OpenAI äußerten sich auf MarketWatch-Anfrage nicht zu dem Bericht.

NVIDIA-Aktie: Warnung vor einem bekannten Muster

Wie MarketWatch berichtet, kennt Jay Goldberg von Seaport Research nicht alle Details, hält ein solches Arrangement für NVIDIA aber kaum für zu rechtfertigen. Schon in der Vergangenheit hätten sich Unternehmen mit der Finanzierung von Kundenkäufen selbst geschadet, erinnert der Analyst. Als Beispiel nennt er den früheren Telekomausrüster Lucent, der in den 1990er Jahren mit genau dieser Praxis geworben hatte und dessen Geschäft daran faktisch zerbrach. Solche Finanzierungskonstruktionen endeten seiner Erfahrung nach in der Regel nicht gut.

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Strom aus Japan und ein Bürgschaftsnetz für SoftBank

Der Ohio-Standort hängt laut MarketWatch an einem eigenen Energiedeal: Japan investiert im Gegenzug für niedrigere US-Zölle 33 Milliarden US-Dollar in ein Erdgaskraftwerk, das die SoftBank-Tochter SB Energy betreiben soll. OpenAI selbst ist an SB Energy beteiligt. Die Bürgschaft von NVIDIA soll es SoftBank erleichtern, für dieses Vorhaben günstigere Kredite aufzunehmen, was sonst schwierig wäre: S&P Global hatte OpenAI zuvor als zentrales Kreditrisiko eingestuft. Die US-Regierung zahlt SB Energy eine Betriebsgebühr, deren Erlöse zunächst zwischen Japan und den USA geteilt werden, bis Japans Investition zurückgezahlt ist. Danach soll der US-Anteil auf 90 Prozent steigen, finanziert über künftige Energiekäufe von OpenAI.

Nicht der erste Fall von Zirkelgeschäften im KI-Sektor

Bei Investoren kam die Meldung schlecht an: Sie sei die bislang deutlichste und größte Schlagzeile zum Thema Zirkelfinanzierung im Sektor, notierte Jefferies-Analyst Jeffrey Favuzza gemäß MarketWatch, wobei das Phänomen für den Markt inzwischen nichts grundsätzlich Neues mehr sei. Tatsächlich hatte NVIDIA bereits im Februar 2026 eine frühere Zusage über 100 Milliarden US-Dollar aus dem September 2025 zurückgezogen und durch eine Kapitalbeteiligung von 30 Milliarden US-Dollar ersetzt, wie die Financial Times berichtete. Auch Broadcom und AMD beliefern OpenAI im Rahmen eigener Partnerschaften mit Chips, während OpenAI 2025 zugleich 300 Milliarden US-Dollar an Oracle zusagte, um sich Rechenkapazität zu sichern, wovon Oracle wiederum einen Großteil in NVIDIA-Grafikkarten investiert. NVIDIA selbst hält zudem Anteile an CoreWeave im Wert von 2 Milliarden US-Dollar.

Wie belastbar die Konstruktion tatsächlich ist, dürfte sich erst zeigen, wenn NVIDIA oder OpenAI die Gespräche offiziell bestätigen oder die Finanzierung für das Ohio-Projekt endgültig steht.

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Bettina Schneider, Martina Köhler, Julia Walter, Redaktion finanzen.net

Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.

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