Rentenersatz

ETF-Auszahlplan mit System: So funktioniert Bond Laddering für Privatanleger

29.06.26 22:46 Uhr

Nie wieder planlose Entnahmen: Mit Bond Laddering zur strukturierten ETF-Auszahlung | finanzen.net

Das Leiter-Prinzip aus dem Anleihenmarkt lässt sich mit Laufzeit-ETFs nachbauen und liefert gestaffelte Auszahlungen nach eigenem Zeitplan - perfekt für den Ruhestand.

• Bond Laddering überträgt das Prinzip gestaffelter Anleihen-Fälligkeiten auf ETFs
• Die Stufenplanung definiert die angestrebte Zielallokation und deren zeitlichen Rahmen
• Wiederanlagerisiko und Marktpreisschwankungen bleiben zentrale Risikofaktoren

Das Leiter-Prinzip

Bond Laddering bezeichnet eine Strategie, bei der innerhalb eines Portfolios Anleihen mit unterschiedlichen Laufzeiten gekauft werden. Das Ziel dabei ist es, Risiken entlang der Zinskurve zu minimieren, so dass man etwaigen Zinsänderungen nicht mit dem gesamten Portfolio auf einmal ausgesetzt ist. Denn durch die Staffelung der Fälligkeitstermine ist nicht das gesamte Anlagekapital über längere Zeit an eine einzelne Position gebunden. Wenn eine Stufe der Leiter fällig wird, stehen dementsprechend Mittel zur Verfügung. Ob diese reinvestiert oder entnommen werden, liegt beim Anleger. Bei einer Reinvestition besteht zwar das Risiko, dass die fällig werdende Beträge nur zu geringeren Zinsen wieder angelegt werden können, die Staffelung der Fälligkeiten mildert dieses aber ab, da nie das gesamte Kapital gleichzeitig reinvestiert werden muss. Zugleich entsteht ein regelmäßiger, kalkulierbarer Mittelzufluss.

Historisch setzte die Strategie den Kauf einzelner Anleihen voraus. Das macht sie aufwendig: Mindestinvestitionsvolumina, mangelhafte Diversifikation bei kleineren Beträgen und Verwaltungsaufwand schränkten private Anleger ein. Genau hier setzen börsengehandelte Laufzeit-ETFs an.

Wie die Treppe gebaut wird

Laufzeit-ETFs bündeln diversifizierte Anleiheportfolios, die alle in einem bestimmten Kalenderjahr fällig werden. Beim Fälligkeitstermin schüttet der Fonds den Nettoinventarwert aus und wird aufgelöst. Für eine ETF-Treppe werden daher mehrere solcher Fonds mit unterschiedlichen Endjahren kombiniert.

Für den europäischen Markt gibt es Laufzeit-ETF-Serien mehrerer großer Vermögensverwalter, die jeweils Unternehmens- oder Staatsanleihen mit definierten Fälligkeitsjahren bündeln. Die Fälligkeit liegt in der Regel im Dezember des im Fondsnamen genannten Jahres: Zu diesem Termin wird das Portfolio abgewickelt und der Nettoinventarwert an die Anteilseigner ausgezahlt. Genau diese Konstruktion ermöglicht den Aufbau eines kosteneffizienten, diversifizierten Portfolios nach dem Leiterprinzip. Die verfügbaren Laufzeiten reichen je nach Anbieter und Marktlage über mehrere Jahre. Anleger können zwischen Varianten mit unterschiedlicher Bonität, Währung und Anleihenart wählen, etwa Unternehmens- oder Staatsanleihen in Euro oder US-Dollar.

Kapital, Zeitabstände und Treppenhöhe

Für eine funktionsfähige ETF-Treppe müssen drei Entscheidungen getroffen werden: Wie viele Stufen soll sie haben, wie groß soll das Volumen jeder Stufe sein und in welchen Zeitabständen sollen sie liegen. Um eine Leiter zu bauen, können Anleger den Gesamtanlagebetrag gleichmäßig durch die gewünschte Anzahl von Jahren teilen, um die Anzahl der Stufen zu bestimmen. Mehr Stufen erhöhen die Diversifikation, schützen vor Ausfällen einzelner Emittenten und glätten das Wiederanlagerisiko. Ein einfaches Beispiel: Wer ab einem bestimmten Jahr jährlich über eine fällig werdende ETF-Position verfügen möchte und dafür einen Gesamtbetrag bereitstellt, verteilt diesen gleichmäßig auf mehrere Jahrestranchen in ETFs mit aufeinanderfolgenden Fälligkeitsjahren. Die tatsächlich verfügbare Summe je Stufe hängt vom Zinsniveau zum Kaufzeitpunkt, der Laufzeit und dem gewählten Anleihetyp ab. Eine konkrete Zielsumme für die Rente lässt sich daher nur grob vorab kalkulieren; sie ergibt sich erst aus den Marktbedingungen beim Aufbau.

Die Gesamtlaufzeit der Leiter beeinflusst die Renditeerwartung. Wie das Finanzlexikon finanzkun.de auf Basis gängiger Zinsstrategien beschreibt, sorgen Anleihen mit gestaffelten Laufzeiten für planbare Rückflüsse und reduzieren das Timing-Risiko. Eine längere Leiter erzielt in der Regel höhere Renditen, geht aber mit stärkerem Wiederanlagerisiko und eingeschränkterer Mittelverfügbarkeit einher. Kürzere Abstände zwischen den Stufen reduzieren die Durchschnittsrendite, bieten aber bessere Liquidität.

Risiken der ETF-Treppe

Die Planbarkeit der ETF-Treppe hat dabei Grenzen, die vor einem Aufbau klar sein müssen. Das zentrale Wiederanlagerisiko entsteht, wenn eine Stufe fällig wird und der Erlös in den nächsten Fonds reinvestiert wird: Das Zinsniveau zum Reinvestitionszeitpunkt ist unbekannt. Wie Invesco auf seiner Website erklärt, können Anleger von fällig werdenden Positionen bei steigenden Zinsniveau in höher verzinste Produkte reinvestieren; bei sinkenden Zinsen können die Erträge aus neuen Positionen jedoch geringer ausfallen als beim ursprünglichen Aufbau erwartet. Vor dem Fälligkeitsdatum unterliegen Laufzeit-ETFs zudem Marktpreisschwankungen. Wer eine Position vorzeitig verkauft, bekommt nicht zwingend den Nominalwert zurück. Erst zum Fälligkeitstermin wird der Nettoinventarwert ausgezahlt. Diese Eigenschaft unterscheidet Laufzeit-ETFs strukturell von klassischen ETFs ohne Enddatum und bedeutet: Wer außerplanmäßig auf das Kapital zugreifen muss, riskiert Verluste gegenüber dem erwarteten Rückzahlungsbetrag. Hinzu kommt das Inflationsrisiko. Ein nominaler Auszahlungsstrom verliert über viele Jahre an Kaufkraft, wenn die Inflationsrate das Zinsniveau übersteigt. Reale Renditeabsicherung bieten inflationsindexierte Varianten, die aber in der Laufzeit-ETF-Landschaft bisher ein deutlich schmaleres Angebot darstellen als konventionelle Produkte.

Paul Schütte, Redaktion finanzen.net

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