Der größte Klimaschutz-ETF folgt strikt dem 1,5-Grad-Ziel und erzielte trotzdem in zwei von drei Jahren über 20 Prozent Rendite

Der ETF verpflichtet sich, seinen CO2-Fußabdruck jedes Jahr um mindestens 7 Prozent zu senken, unabhängig davon, was am Aktienmarkt gerade passiert. 2026 lag die Rendite bei 21,6 Prozent.
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Das Wichtigste in Kürze:
- Ein strenges, EU-reguliertes Regelwerk zwingt diesen Index dazu, seinen CO2-Fußabdruck Jahr für Jahr automatisch zu senken, koste es, was es wolle.
- 2022 verlor der Fonds über 17 Prozent, seither lief er in jedem Jahr zweistellig und zweimal sogar über 20 Prozent. Was sich hinter diesem Umschwung verbirgt.
- Nur ein einziger Anbieter bildet diesen Index überhaupt nach, und trotzdem ist daraus der größte Klimaschutz-ETF der gesamten Eurozone geworden.
Ein Index, der per Gesetz jedes Jahr klimafreundlicher werden muss
Der Amundi S&P Eurozone Climate Paris Aligned UCITS ETF Acc bildet den S&P Eurozone LargeMidCap Net Zero 2050 Paris-Aligned ESG Index ab. Ausgangspunkt ist der breite S&P Eurozone LargeMidCap Index, aus dem eine Auswahl und Gewichtung von Unternehmen so konstruiert wird, dass der gesamte Korb mit dem Pariser Klimaziel einer Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius vereinbar ist. Damit gehört der Fonds zur Kategorie der sogenannten EU Paris-Aligned Benchmarks, kurz PAB, einer von der Europäischen Union offiziell regulierten Indexklasse mit klar definierten Mindestanforderungen.
Diese Anforderungen sind streng und lassen wenig Interpretationsspielraum. Der Index muss zum Startzeitpunkt eine um mindestens 50 Prozent niedrigere Treibhausgasintensität aufweisen als sein Ausgangsindex. Anschließend ist er verpflichtet, diese Intensität Jahr für Jahr um durchschnittlich mindestens 7 Prozent weiter zu senken, unabhängig davon, ob sich die zugrunde liegenden Unternehmen tatsächlich schneller oder langsamer dekarbonisieren als geplant. Hinzu kommen feste Ausschlusskriterien: Unternehmen, die einen relevanten Umsatzanteil aus der Förderung von Kohle, Öl oder Erdgas erzielen, ebenso wie Hersteller kontroverser Waffen oder Unternehmen, die gegen die Prinzipien des UN Global Compact verstoßen, fliegen automatisch heraus. Gleichzeitig soll der Index bewusst stärker in Unternehmen investieren, die zur Energiewende beitragen, etwa im Bereich erneuerbarer Energien oder Energieeffizienz.
Das Anlageziel für Anleger lässt sich daraus klar ableiten. Wer diesen Fonds kauft, erwirbt keinen thematischen Wetteinsatz auf eine einzelne grüne Branche wie Solar oder Windkraft, sondern ein breit gestreutes Aktienportfolio aus der Eurozone, das regelbasiert und regulatorisch abgesichert Jahr für Jahr klimafreundlicher wird. Der Fonds verspricht keine Outperformance durch Klimathemen, sondern die verlässliche, messbare Einhaltung eines wissenschaftlich hergeleiteten Dekarbonisierungspfads innerhalb eines ansonsten breiten Aktienportfolios.
Der größte seiner Art und auf gewisse Weise auch der einzige seiner Art
Mit einem Fondsvolumen von rund 2,7 Milliarden Euro ist dieser ETF der mit Abstand größte unter allen europäischen Klimaschutz-ETFs. Amundi ist zudem der einzige Emittent, der den S&P Eurozone LargeMidCap Net Zero 2050 Paris-Aligned ESG Index abbildet, sowohl in der hier betrachteten thesaurierenden Variante als auch in einer kleineren, seit November 2024 gehandelten ausschüttenden Version mit 328 Millionen Euro Volumen. Kein anderer großer Indexanbieter oder ETF-Emittent hat bislang ein vergleichbares Produkt auf denselben Index aufgelegt, wodurch dieser Fonds gewissermaßen konkurrenzlos in seiner engen Nische bleibt. Wettbewerb gibt es lediglich von ETFs auf verwandte, aber methodisch andere Klimaindizes, etwa vom iShares MSCI EMU Paris-Aligned Climate mit 1,57 Milliarden Euro Volumen, der einem MSCI- statt einem S&P-Regelwerk folgt.
Die laufenden Kosten liegen bei 0,20 Prozent pro Jahr, ein für spezialisierte ESG-Indizes üblicher Wert, wenn auch etwas höher als bei einigen breiter angelegten ESG-Transitions-Fonds im selben Emittentenhaus, die teils bei 0,09 bis 0,13 Prozent liegen. Umgesetzt wird der Fonds über vollständige physische Replikation, die Erträge werden thesauriert. Aufgelegt wurde er im Juli 2020.
2022 der Absturz, seither die Erholung: was hinter dem Umschwung steckt
Ein Blick auf die Kalenderjahresrenditen zeigt einen auffälligen Bruch. 2022 verlor der Fonds 17,25 Prozent, danach folgten drei Jahre mit durchweg zweistelligen und zweimal sogar über 20-prozentigen Gewinnen: 22,49 Prozent in 2023, 14,20 Prozent in 2024 und 21,55 Prozent in 2025. Dieser Verlauf lässt sich nicht isoliert aus der Klimastrategie erklären, sondern spiegelt vor allem die allgemeine Entwicklung der europäischen Aktienmärkte in diesem Zeitraum, verstärkt durch zwei Besonderheiten der Paris-Aligned-Methodik.
2022 trafen gleich mehrere Belastungsfaktoren gleichzeitig zusammen. Die Europäische Zentralbank hob die Leitzinsen so aggressiv an wie seit Jahrzehnten nicht mehr, um die durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine ausgelöste Energiekrise und die daraus resultierende hohe Inflation zu bekämpfen. Steigende Zinsen belasten besonders wachstumsorientierte Technologiewerte wie ASML, SAP oder Infineon, die im Fonds stark vertreten sind, weil ihre erwarteten künftigen Gewinne bei höheren Zinsen stärker abgezinst werden. Gleichzeitig verzeichneten klassische Öl- und Gaskonzerne 2022 eine der besten Kursentwicklungen ihrer Geschichte, weil die Energiepreise explodierten. Genau von dieser Rally konnte dieser Fonds aber nicht profitieren, weil die Ausschlusskriterien der Paris-Aligned-Regeln fossile Energiekonzerne konsequent aussortieren. Der Fonds erlitt damit einen doppelten Nachteil: einen überdurchschnittlichen Schaden durch die Zinswende auf der Technologieseite und den vollständigen Verzicht auf die einzige Branche, die 2022 als Gewinner hervorging.
Ab 2023 drehte sich dieses Bild. Die Zinserhöhungen liefen aus, die Inflation begann zu sinken, und Technologiewerte erholten sich kräftig, verstärkt durch die aufkommende Euphorie rund um künstliche Intelligenz, von der auch europäische Zulieferer wie ASML und Infineon über die globale Chip-Lieferkette profitierten. Gleichzeitig erlebte der europäische Bankensektor, in diesem Fonds mit knapp 32 Prozent Gewicht die größte Einzelbranche, 2025 nach übereinstimmender Einschätzung mehrerer Marktbeobachter eines seiner besten Jahre seit den frühen 1990er-Jahren, getragen von robusten Eigenkapitalrenditen und einer Rückkehr internationaler Anleger in den lange gemiedenen Sektor. Weil dieser Fonds Banken nicht ausschließt und sie sogar stark gewichtet, profitierte er von dieser Entwicklung in vollem Umfang, während die zuvor belastende Energieausklammerung in einem Umfeld fallender Ölpreise plötzlich zum Vorteil wurde.
Welches Zukunftsszenario Anleger erwarten sollten, und wie realistisch es ist
Für die Zukunft ergibt sich daraus eine differenzierte Erwartungshaltung. Wer in diesen Fonds investiert, sollte kein Szenario erwarten, in dem Klimafreundlichkeit an sich für Überrendite sorgt. Die Rendite dieses Fonds hängt vor allem an denselben Kräften wie bei jedem breiten Eurozonen-Aktienindex: der Entwicklung von Zinsen, Konjunktur und den Gewinnen der enthaltenen Branchen, allen voran Finanzwerte, Technologie und Industrie. Die Paris-Aligned-Methodik verändert dabei vor allem, welche Branchen über- und untergewichtet werden, mit dem Effekt, dass der Fonds in fossil-freundlichen Marktphasen tendenziell schwächer und in Phasen fallender Energiepreise oder florierender Finanzwerte tendenziell stärker abschneidet als ein klassischer, unbereinigter Eurozonenindex.
Beim eigentlichen Klimaziel selbst, der Vereinbarkeit mit dem 1,5-Grad-Pfad, sind Fachleute zurückhaltender, als der Name des Fonds suggeriert. Kritiker der EU-Regularien weisen darauf hin, dass die vorgeschriebene, starre 7-Prozent-Dekarbonisierung pro Jahr eine rechnerische Reduktion ist, die auch durch reine Umschichtung der Portfoliogewichte zwischen Branchen erreicht werden kann, ohne dass die realwirtschaftlichen Emissionen der Unternehmen selbst im gleichen Tempo sinken. Ob das aus 103 europäischen Großunternehmen bestehende Portfolio tatsächlich mit dem 1,5-Grad-Pfad vereinbar ist, hängt also weniger vom Index selbst als von der tatsächlichen Dekarbonisierung der Realwirtschaft ab, die bislang hinter den Zielen des Pariser Abkommens zurückbleibt. Für Anleger bedeutet das: Das Etikett Paris-aligned beschreibt ein regelbasiertes, EU-reguliertes Rechenverfahren, keine Garantie, dass das enthaltene Unternehmensportfolio die Erderwärmung tatsächlich auf 1,5 Grad begrenzt.
ASML, Schneider Electric und SAP: europäische Schwergewichte mit Klimabezug
Die zehn größten Positionen stellen zusammen 39,05 Prozent des Fonds bei insgesamt 103 Titeln, eine für einen auf 1,5-Grad-Kompatibilität optimierten Index typische Konzentration auf wenige große, oft technologienahe Konzerne.
Größte Position ist ASML Holding mit 8,53 Prozent. Der niederländische Konzern ist der weltweit einzige Hersteller der extrem ultravioletten Lithografiemaschinen, mit denen moderne Computerchips gefertigt werden, und gilt damit als der Flaschenhals der globalen Halbleiterindustrie. Am 16. Mai 2026 gab ASML eine strategische Partnerschaft mit Tata Electronics bekannt: Das Unternehmen stattet Indiens erste kommerzielle 300-Millimeter-Chipfabrik im Bundesstaat Gujarat mit seinem kompletten Lithografie-Portfolio aus und unterstützt den Aufbau lokaler Fachkräfte vor Ort. Für ein Paris-Aligned-Portfolio ist ASML ein Beispiel für ein Unternehmen, dessen Kerngeschäft zwar energieintensiv ist, das aber zugleich als Schlüssellieferant für energieeffizientere Chips und damit für die technologische Basis der Energiewende selbst gilt.
Auf Rang zwei folgt Schneider Electric mit 4,28 Prozent. Der französische Konzern ist auf Energiemanagement und Automatisierungstechnik spezialisiert und positioniert sich explizit als globaler Anbieter von Energietechnologie für die Dekarbonisierung. Am 30. Juni 2026 wurde Schneider Electric vom Weltwirtschaftsforum mit zwei neuen Auszeichnungen im Rahmen des Global Lighthouse Network geehrt, für seine Werke in El Paso in den USA und in Peking. Das Werk in Peking erreichte dabei eine Reduktion der direkten Emissionen um 65 Prozent und eliminierte seine indirekten Emissionen aus eingekaufter Energie vollständig, unter anderem durch den Einsatz KI-gestützter Energieoptimierung. Als Hersteller von Technologien für Stromnetze, Gebäudeautomation und industrielle Effizienz gehört Schneider Electric zu den Unternehmen, die von der Paris-Aligned-Methodik gezielt übergewichtet werden, weil sie selbst zur angestrebten Energiewende beitragen.
Den dritten Platz belegt SAP mit 4,19 Prozent. Der deutsche Softwarekonzern ist Europas größtes Technologieunternehmen und weltweit führend bei Unternehmenssoftware. Am 9. Juni 2026 erhielt SAP vom deutschen Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) die Einsatzerlaubnis, auf seiner SAP Cloud Infrastructure in Walldorf und St. Leon-Rot Verschlusssachen der Geheimhaltungsstufe VS-NfD zu verarbeiten. Diese Zulassung stärkt SAPs Position als Anbieter souveräner Cloud-Lösungen für Behörden und regulierte Industrien in Europa und ist ein wichtiger Baustein im Wettbewerb mit US-amerikanischen Cloud-Anbietern. Für einen Eurozonen-Klimaindex spielt SAP vor allem als vergleichsweise emissionsarmer Softwarekonzern eine Rolle, dessen Geschäftsmodell im Gegensatz zu produzierendem Gewerbe naturgemäß eine geringere Treibhausgasintensität aufweist und damit zur geforderten Absenkung des Portfolio-Fußabdrucks beiträgt.
Finanzwerte und Technologie dominieren, Frankreich und Deutschland führen
Die Sektoraufteilung zeigt Finanzdienstleistungen als größte Branche mit 31,72 Prozent, vor Technologie mit 19,03 Prozent und Industrie mit 14,31 Prozent. Grundstoffe und klassische Schwerindustrie spielen mit unter einem Prozent praktisch keine Rolle mehr, ein direktes Resultat der Ausschlusskriterien. Regional führen Frankreich mit 24,35 Prozent und Deutschland mit 23,88 Prozent nahezu gleichauf, vor den Niederlanden mit 15,97 Prozent und Spanien mit 11,54 Prozent.
Beim Risiko liegt der Fonds mit einer Volatilität von 15,39 Prozent über ein Jahr und einem maximalen Drawdown von 28,68 Prozent über fünf Jahre in einem für europäische Aktien üblichen Rahmen, wenngleich mit tendenziell etwas höheren Ausschlägen als ein sehr breit gestreuter Gesamtmarktindex, was der Konzentration auf 103 statt mehrere Hundert Titel geschuldet ist.
Für wen sich dieser Klima-ETF eignet
Der Amundi S&P Eurozone Climate Paris Aligned eignet sich für Anleger, die ihr europäisches Aktienengagement mit einer regulatorisch verankerten, überprüfbaren Klimastrategie verbinden wollen, ohne dabei auf eine breite Streuung über Branchen zu verzichten. Wer erwartet, mit diesem Fonds systematisch eine höhere Rendite als mit einem klassischen Eurozonenindex zu erzielen, sollte diese Erwartung relativieren, denn die Renditeunterschiede der vergangenen Jahre erklären sich in erster Linie durch Branchengewichtungen infolge der Ausschlusskriterien, nicht durch einen grundsätzlichen Klimavorteil. Wer dagegen Wert darauf legt, dass sein Kapital regelbasiert in Richtung eines mit dem Pariser Abkommen vereinbaren Portfolios gelenkt wird, und die damit verbundene, EU-regulierte Methodik nachvollziehbar findet, erhält mit diesem Fonds die größte und etablierteste verfügbare Adresse in diesem Marktsegment. Als alleiniger Kernbaustein eignet er sich wegen der Konzentration auf die Eurozone nur bedingt, als bewusste Ergänzung zu einem breiter aufgestellten Weltportfolio kann er dagegen ein nachvollziehbares Klimaengagement mit soliden Diversifikationseigenschaften verbinden.
Daniel Dünn, Redaktion TraderFox (finanzen.net)
Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Aktien-ETFs unterliegen Kursschwankungen, zwischenzeitliche Verluste sind möglich.
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