USA-ETF

Amundi MSCI USA ETF: 531 US-Konzerne und die Frage, wie viel USA im Depot unter Trump eigentlich sinnvoll ist

02.07.26 14:00 Uhr

Amundi Core MSCI USA UCITS ETF (IE000FSN19U2): Marktlage unter Trump im Jahr 2026, Kosten und Top-Positionen | finanzen.net

531 Unternehmen, angeführt von genau denselben Namen, die auch einen MSCI-World-ETF dominieren. Wer hier investiert, verdoppelt keine Diversifikation, sondern eine Überzeugung.

Werte in diesem Artikel

Das Wichtigste in Kürze:

  • 531 Unternehmen aus den USA, angeführt von NVIDIA und Apple, mit einer Konzentration auf zehn Namen, die höher ausfällt als bei fast jedem breiten Weltindex.
  • Rekordgewinne und ein historischer KI-Bauboom treffen auf Rekordbewertungen und hohe Zölle, was das für Anleger 2026 bedeutet.
  • Mehrere Unternehmen im Fonds haben ihren Firmensitz offiziell in Irland, werden aber trotzdem als US-Werte geführt. Wir erklären, wie das sein kann und was es über die Struktur des Index verrät.

531 US-Konzerne, aber kaum ein anderer Markt als der MSCI World

Der Amundi Core MSCI USA UCITS ETF Acc bildet den MSCI USA Index ab, der die großen und mittelgroßen börsennotierten Unternehmen der Vereinigten Staaten umfasst und aktuell 531 Positionen zählt. Anders als ein MSCI-World-ETF, der 23 Industrieländer abdeckt, konzentriert sich dieser Fonds ausschließlich auf einen einzigen Markt. Mit einem Fondsvolumen von 3,7 Milliarden Euro gehört er zu den bedeutenden Adressen unter den zahlreichen MSCI-USA-ETFs. Die laufenden Kosten liegen bei 0,03 Prozent pro Jahr, gemeinsam mit dem Xtrackers MSCI USA (0,03 Prozent, aber mit 11,2 Milliarden Euro deutlich größer) und dem iShares MSCI USA (ebenfalls 0,03 Prozent) einer der günstigsten Wege überhaupt, um in die US-Wirtschaft zu investieren. Umgesetzt wird der Fonds über vollständige physische Replikation, die Erträge werden thesauriert.

Ein Unternehmen mit Sitz in Dublin, das trotzdem als US-Wert gilt

Ein Blick in die Länderaufteilung zeigt neben den erwarteten 94,56 Prozent USA auch 1,42 Prozent Irland, was auf den ersten Blick verwirrt. Schließlich soll dieser Fonds ja ausschließlich amerikanische Unternehmen abbilden. Die Erklärung liegt in einer als Corporate Inversion bekannten Praxis. Mehrere ursprünglich amerikanische Konzerne haben in den vergangenen Jahren, häufig im Zuge einer Übernahme eines irischen Unternehmens, ihren rechtlichen Firmensitz nach Irland verlegt, vor allem aus steuerlichen Gründen. Ein bekanntes Beispiel dafür ist der Medizintechnikkonzern Medtronic, der 2014 den irischen Wettbewerber Covidien übernahm und in diesem Zuge seinen offiziellen Firmensitz von Minnesota nach Dublin verlagerte. Operativ, mit Blick auf Hauptbörsennotierung, Führungsstruktur und Geschäftstätigkeit, bleibt ein solches Unternehmen aber ein amerikanischer Konzern, weshalb Indexanbieter wie MSCI es weiterhin dem US-Markt zuordnen. Für Anleger ist das keine Fehlklassifizierung, sondern zeigt, dass der rechtliche Firmensitz eines Konzerns und sein wirtschaftlicher Schwerpunkt zwei verschiedene Dinge sein können.

USA unter Trump 2026: Rekordgewinne treffen auf Rekordbewertungen

Wer 2026 in einen reinen US-Aktienmarkt-ETF investiert, kauft ein Umfeld voller Gegensätze. Auf der positiven Seite steht ein außergewöhnlich starkes Gewinnwachstum. Die Unternehmen im S&P 500, dem wichtigsten Referenzindex für den US-Markt, steigerten ihre Umsätze im ersten Quartal 2026 um rund 12 Prozent und ihre Gewinne um etwa 28 Prozent, deutlich mehr als von Analysten erwartet. Ein erheblicher Teil dieses Wachstums stammt aus dem historischen Investitionsboom in KI-Infrastruktur. Allein die vier größten Cloud-Konzerne planen für 2026 kombinierte Investitionsausgaben von rund 725 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 77 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Hinzu kommen steuerliche Entlastungen aus dem sogenannten One Big Beautiful Bill Act der Trump-Regierung, die Konsum und Unternehmensinvestitionen zusätzlich stützen sollen.

Auf der Risikoseite stehen ebenso gewichtige Faktoren. Die US-Zollpolitik unter Präsident Trump hat die effektiven Zollsätze deutlich angehoben, was Handelspartner belastet und die Inflation zusätzlich befeuert, die im Mai 2026 mit 4,2 Prozent den höchsten Stand seit drei Jahren erreichte. Ein Konflikt im Nahen Osten hat die Ölpreise zeitweise um bis zu 66 Prozent steigen lassen, was die Inflationssorgen verstärkt und die Frage aufwirft, ob die US-Notenbank die Zinsen doch wieder anheben statt senken könnte. Die Bewertungen an der Börse sind historisch hoch. Das zyklisch bereinigte Kurs-Gewinn-Verhältnis überschritt Anfang 2026 erstmals seit über 140 Jahren die Marke von 40 und markiert damit eines der höchsten Niveaus der Börsengeschichte. Zugleich ist die Marktbreite gering, nur rund 17 Prozent der S&P-500-Mitglieder konnten den Gesamtindex zuletzt schlagen, einer der niedrigsten Werte des vergangenen Jahrzehnts. Das bedeutet also, dass nur ein kleiner Kreis von Technologie- und KI-Werten einen überproportionalen Teil der Rally trägt, was das Risiko erhöht, sollte sich die Stimmung gegenüber diesen wenigen Namen eintrüben.

Die fundamentale Stärke der Unternehmensgewinne und der KI-Investitionszyklus sprechen für eine Fortsetzung des Aufwärtstrends, während die historisch hohen Bewertungen, die geringe Marktbreite und die politischen Unsicherheiten rund um Zölle, Zinsen und geopolitische Spannungen für erhöhte Vorsicht sprechen. Mehrere große Häuser wie Fidelity, Morningstar und Charles Schwab beschreiben das Umfeld unabhängig voneinander mit ähnlichen Worten: konstruktiv, aber mit begrenztem Sicherheitspuffer nach unten.

NVIDIA, Apple und Microsoft: der Puls der amerikanischen Reindustrialisierung

Die zehn größten Positionen stellen zusammen 38,29 Prozent, deutlich mehr als bei einem breiten Weltindex und ein direkter Beleg dafür, wie konzentriert der US-Markt inzwischen ist.

Größte Position ist NVIDIA mit 7,92 Prozent. Am 1. Juli 2026 veröffentlichte der Konzern eine Übersicht über seine Investitionen in die amerikanische Fertigung. NVIDIA und seine Partner planen, bis zu 500 Milliarden US-Dollar an KI-Infrastruktur in den USA zu produzieren, mit Fabriken unter anderem von TSMC in Arizona, Foxconn in Houston und Wistron in Dallas. Nach einer Schätzung des Forschungsinstituts Public First trägt die von NVIDIA getriebene KI-Nachfrage allein im Jahr 2026 rund 485 Milliarden US-Dollar zum US-Bruttoinlandsprodukt bei und sichert mehr als 100.000 Arbeitsplätze, von Elektrikern über Bautechniker bis zu Ingenieuren. Konzernchef Jensen Huang sprach von einer Renaissance der amerikanischen Fertigungsindustrie. Diese Meldung passt exakt in die politische Agenda der Trump-Regierung, die Produktion und Lieferketten stärker in die USA zurückholen will, und zeigt, wie eng die Geschäftsentwicklung des größten Postens in diesem ETF mit der aktuellen Wirtschaftspolitik verwoben ist.

Auf Rang zwei folgt Apple mit 7,00 Prozent. Im Juni 2026 kündigte der Konzern ein umfangreiches Update seiner KI-gestützten Dienste an, das mit den Software-Updates im Herbst kommt und Funktionen wie eine verbesserte Kartendarstellung, smartere Fotoverwaltung und neue Zahlungsfunktionen über Apple Intelligence tiefer in den Alltag von hunderten Millionen amerikanischen und internationalen Nutzern einwebt. Für Apple ist das ein Baustein der Strategie, sein besonders margenstarkes Dienstleistungsgeschäft weiter auszubauen, unabhängig von den zyklischen Schwankungen des Hardwaregeschäfts.

Den dritten Platz belegt Microsoft mit 4,47 Prozent. Ende April 2026 meldete der Konzern für sein drittes Geschäftsquartal Ergebnisse, die von der Stärke seines Cloud- und KI-Geschäfts getragen wurden. Die Azure-Cloud-Sparte verzeichnete ein kräftiges Umsatzwachstum, während der KI-Assistent Copilot zunehmend zum festen Bestandteil der Unternehmenssoftware wird. Microsoft zählt damit zu den Konzernen, die von den eingangs beschriebenen 725 Milliarden US-Dollar an geplanten KI-Investitionsausgaben der großen Cloud-Anbieter direkt profitieren, sowohl als Investor in eigene Rechenzentren als auch als Anbieter der Software, die auf dieser Infrastruktur läuft.

US-Fokus, 38 Prozent Technologie und kaum Unterschiede zum Welt-ETF

Die Sektoraufteilung bestätigt den Fokus. Technologie führt im US-ETF mit 38,16 Prozent, gefolgt von Telekommunikation mit 10,70 Prozent, zyklischem Konsum mit 9,91 Prozent und Finanzdienstleistungen mit 9,09 Prozent.

Die Wertentwicklung fiel zuletzt kräftig aus, mit einem Plus von 26,82 Prozent auf Jahressicht, 67,60 Prozent über drei Jahre und 88,42 Prozent über fünf Jahre. Im Vergleich zum Amundi MSCI World Swap zeigt sich, wie eng beide Fonds beieinanderliegen: Die Top-10-Positionen sind praktisch identisch, angeführt von denselben Namen NVIDIA, Apple und Microsoft, nur die Gewichte fallen beim reinen USA-Fonds naturgemäß höher aus (zusammen 27,82 Prozent beim Welt-ETF gegenüber 38,29 Prozent hier). Bei der Rendite liegt der USA-Fonds über alle Zeiträume leicht vor dem Welt-ETF (26,82 gegenüber 25,49 Prozent auf Jahressicht, 67,60 gegenüber 61,60 Prozent über drei Jahre), bei etwas höherer Volatilität (12,52 gegenüber 10,48 Prozent über ein Jahr) und einem größeren maximalen Rückschlag (23,10 gegenüber 20,23 Prozent über drei Jahre).

Warum dieser ETF kein Diversifikationsbaustein ist, sondern eine verstärkte Wette

Genau aus diesem Vergleich ergibt sich die wichtigste Erkenntnis für Anleger. Ein MSCI-World-ETF enthält bereits rund 68 bis 70 Prozent US-Aktien, angeführt von exakt denselben Technologiekonzernen, die auch diesen reinen USA-Fonds dominieren. Wer beide Fonds im selben Depot hält oder gar den USA-ETF als Ergänzung zu einem Welt-ETF versteht, um breiter zu streuen, verfehlt das eigentliche Ziel der Diversifikation. Die Top-10-Positionen beider Fonds überschneiden sich fast vollständig, und ein zusätzlicher USA-ETF neben einem Welt-ETF vergrößert lediglich die ohnehin schon hohe US- und Technologiekonzentration, statt sie zu verringern.

Sinnvoll wird dieser Fonds erst, wenn man ihn als das versteht, was er tatsächlich ist: keine Ergänzung, sondern eine bewusste Verschiebung der Gewichtung. Wer von den langfristigen Perspektiven der US-Wirtschaft, vom anhaltenden KI-Investitionszyklus und von der technologischen Führungsrolle amerikanischer Unternehmen so überzeugt ist, dass er einen größeren Anteil seines Aktienportfolios dort konzentrieren möchte, als es ein MSCI-World-ETF ohnehin schon tut, kann einen Teil seiner Weltmarkt-Allokation gezielt zugunsten dieses USA-Fonds verschieben. Diese Entscheidung sollte aber bewusst als Konzentrationsentscheidung getroffen werden, nicht als Diversifikationsschritt, denn genau das Gegenteil ist der Fall.

Für wen sich dieser USA-ETF eignet

Der Amundi Core MSCI USA eignet sich für Anleger, die eine ausgeprägte, langfristige Überzeugung von der amerikanischen Wirtschaft und ihrer technologischen Führungsrolle haben und bereit sind, dafür eine höhere Konzentration auf ein einzelnes Land und wenige Technologiekonzerne in Kauf zu nehmen. Die extrem niedrigen Kosten von 0,03 Prozent pro Jahr machen den Fonds zu einem der günstigsten Wege, diese Überzeugung umzusetzen. Wer dagegen einen Welt-ETF bereits besitzt und eine echte Diversifikation über die USA hinaus sucht, sollte eher zu Fonds greifen, die Europa, Japan oder Schwellenländer stärker gewichten, statt die US-Konzentration im eigenen Depot unbewusst zu verdoppeln. Angesichts der historisch hohen Bewertungen und der geringen Marktbreite im Jahr 2026 lohnt sich zudem eine ehrliche Prüfung der eigenen Risikobereitschaft, bevor die USA-Gewichtung im Depot weiter erhöht wird.

Daniel Dünn, Redaktion TraderFox (finanzen.net)

Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Aktien-ETFs unterliegen Kursschwankungen, zwischenzeitliche Verluste sind möglich.

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Bildquellen: kropic1 / Shutterstock.com, Luciano Mortula / Shutterstock.com

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