Teure Tanker

Ölmarkt nach dem Krieg: Warum die Normalisierung laut Experten Jahre dauern könnte

27.06.26 23:47 Uhr

Ölmarkt im Umbruch nach Iran-Krieg: Experten warnen vor langer Normalisierung | finanzen.net

Eine Wiederöffnung der Straße von Hormus nährt die Hoffnung auf rasch sinkende Ölpreise. Bis der Markt zum Vorkriegsniveau zurückkehrt, könnte es allerdings Jahre dauern.

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• Branchenexperten erwarten eine langwierige Rückkehr des Ölmarkts zum Vorkriegsniveau
• Rob Thummel von Tortoise Capital hält dafür Jahre für möglich
• Weltweit gingen seit Kriegsbeginn rund 1 bis 1,5 Milliarden Barrel Öl verloren

Warum die Rückkehr zum Vorkriegsniveau Jahre brauchen könnte

Für Rob Thummel, Senior Portfolio Manager bei Tortoise Capital, ist die Öffnung der Straße von Hormus nur der erste Schritt. Wie er gegenüber MarketWatch erklärte, könnte es anschließend Jahre eines überversorgten Marktes brauchen, um die rund 1 Milliarde Barrel an weltweiten Öllagerbeständen wieder aufzufüllen. Da der Ölmarkt vorausschauend handelt, könnte eine länger anhaltende Überversorgung den Preis zwar in Richtung 60 US-Dollar drücken. Bis die Lagerbestände aber überhaupt ein Niveau erreichten, auf dem ein Ölpreis in den 60ern denkbar sei, verginge nach seiner Einschätzung mindestens ein Jahr.

Hintergrund ist ein gewaltiger Angebotsverlust. Seit Kriegsbeginn Ende Februar 2026 gingen nach Marktschätzungen 1 bis 1,5 Milliarden Barrel Öl verloren, bedingt durch Förderkürzungen und unterbrochene Transportwege. Vor dem Krieg notierte die US-Sorte WTI bei rund 67 US-Dollar je Barrel, die Nordseesorte Brent bei etwa 72 US-Dollar (laut Dow Jones Market Data). Mitte Juni 2026 lag Brent noch rund 15 Prozent über diesem Vorkriegsniveau.

Das Angebot muss den Verlust erst ausgleichen

Eine Schlüsselrolle beim Auffüllen der Lager spielt der Verbund OPEC+. Sieben Mitgliedsstaaten, namentlich Saudi-Arabien, Russland, Irak, Kuwait, Kasachstan, Algerien und Oman, vereinbarten am 7. Juni 2026, ihre Förderung im Juli 2026 um 188.000 Barrel pro Tag anzuheben und damit die seit 2023 bestehenden freiwilligen Kürzungen weiter zurückzunehmen. Jay Hatfield, Chief Investment Officer bei Infrastructure Capital Advisors, erwartet, dass eine Förderung über dem Vorkriegsniveau die Lücken rasch schließt. Sobald die Straße von Hormus wieder offen sei, dürften die Lagerengpässe am Persischen Golf nachlassen, woraufhin OPEC-Staaten wie Saudi-Arabien voraussichtlich bis an die Fördergrenze gingen, auch wegen des politischen Drucks der US-Regierung.

Einen Teil des Verlusts haben staatliche Reserven bereits abgefedert. Am 11. März 2026 einigten sich die 32 Mitgliedsländer der Internationalen Energieagentur darauf, 400 Millionen Barrel aus ihren Notreserven freizugeben. Es war die größte derartige Freigabe in der Geschichte der 1974 gegründeten Behörde und zugleich erst die sechste überhaupt. IEA-Exekutivdirektor Fatih Birol sprach von einer Notfallmaßnahme beispielloser Größe. Entscheidend für stabile Ölflüsse sei laut IEA jedoch die Rückkehr eines regulären Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus, durch die 2025 im Schnitt 20 Millionen Barrel täglich transportiert wurden, rund 25 Prozent des weltweiten seewärtigen Ölhandels.

Schifffahrt und Sicherheit als Flaschenhals

Selbst ein offener Seeweg löst das Problem nicht sofort. Die Versicherungskosten für Öltanker waren im Zuge des Krieges auf rund das Zehnfache des Vorkriegsniveaus gestiegen, wie Paul Baris, Principal bei der Lieferkettenberatung Efficio, erläuterte. Selbst nach einer Beilegung des Konflikts dürfte es nach seiner Einschätzung mindestens drei bis sechs Monate dauern, bis die Sätze wieder das Vorkriegsniveau erreichen. Nötig sei zudem ein störungsfreier Verkehr in großem Maßstab, also nicht 20 bis 30, sondern mehr als 100 Schiffe pro Tag.

Hinzu kommt die Frage der Sicherheit. Rebecca Babin, Senior Energy Trader bei CIBC Private Wealth, unterscheidet zwischen einer vorübergehenden und einer dauerhaften Öffnung. Entscheidend sei, ob Tanker wieder in die Region zurückkehrten, um Ladung aufzunehmen, und nicht nur, ob sie sie sicher verließen. Auch widersprüchliche Signale der Konfliktparteien könnten die Normalisierung verzögern. Diese Einschätzung deckt sich mit der Sicht der IEA, wonach funktionierende Versicherungsmechanismen und der physische Schutz der Schifffahrt entscheidende Voraussetzungen für die Rückkehr stabiler Lieferungen sind.

Dominik Maier, Redaktion finanzen.net

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