Geldpolitik

Nach Zinspause: Fed-Mitglieder rechnen wieder mit Zinserhöhungen - Das sind die Folgen für Anleger und Sparer

18.06.26 10:16 Uhr

Zins-Hammer aus Washington: Fed hält beim Leitzins still, doch höhere Zinsen rücken näher | finanzen.net

Bei seiner ersten FOMC-Sitzung als Fed-Chef setzt Kevin Warsh auf Kontinuität. So lief der erste US-Leitzinsentscheid unter neuer Leitung.

• Erste FOMC-Entscheidung unter neuem Fed-Chef Kevin Warsh
• Fed lässt Leitzins unverändert: Notenbank hält Kurs
• Märkte warten auf Signale für den weiteren Zinspfad

Kevin Warsh hat bei seiner ersten FOMC-Sitzung als Fed-Vorsitzender keine Überraschung geliefert. Der Offenmarktausschuss der Federal Reserve ließ den US-Leitzins unverändert bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Die Märkte hatten mehrheitlich mit einer Pause gerechnet, doch angesichts des schwierigen Umfelds war eine Entscheidung in beide Richtungen denkbar.

Riskantes Umfeld, abwartende Haltung

Das Umfeld, in dem Warsh seine erste Entscheidung trifft, ist alles andere als komfortabel. Der Iran-Krieg und die anhaltende Sperrung der Straße von Hormus belasten die globalen Lieferketten und halten Energiepreise und Inflation hartnäckig erhöht. Gleichzeitig zeigt sich der US-Arbeitsmarkt bislang widerstandsfähig: Im Mai wurden deutlich mehr neue Stellen geschaffen als erwartet, die Arbeitslosenquote verharrte stabil bei 4,3 Prozent. Die Fed stand damit vor einem ungewöhnlichen Spannungsfeld: Die Konjunktur läuft, doch der Preisdruck bleibt hoch. Reagiert sie mit einer Anhebung, riskiert sie, eine robuste Wirtschaft unnötig abzuwürgen. Wartet sie ab, könnte die Inflation weiter an Fahrt gewinnen.

Die heutige Entscheidung zeigt, dass Warsh dieses Dilemma vorerst nicht auflösen will. Mit der Zinspause signalisiert die Fed, dass weder die Inflationsgefahren noch die Konjunkturrisiken derzeit eindeutig überwiegen.

Das bedeutet die Entscheidung für Anleger und Sparer

Für Aktienanleger bringt der unveränderte Leitzins zunächst Planungssicherheit. Stabile Finanzierungskosten stützen die Unternehmensbewertungen, auch wenn der ausbleibende Impuls einer Zinssenkung Wachstumswerte nicht beflügelt. Am Anleihemarkt dürften die Kurse weitgehend seitwärts tendieren, da sich an den Zinserwartungen kurzfristig wenig ändert.

Für Sparer bleibt das Bild ebenfalls stabil. Tagesgeld- und Festgeldzinsen dürften vorerst auf ihrem aktuellen Niveau verharren. Wer noch von attraktiven Konditionen der vergangenen Monate profitiert, hat vorerst keinen Handlungsdruck.

Höhere Inflation erwartet

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) rechnet für das laufende Jahr mit einer deutlich höheren Inflation als bislang. Für 2026 erwartet die Zentralbank mittlerweile eine Teuerungsrate von 3,6 Prozent - noch im März, kurz nach dem Beginn des Iran-Kriegs, waren die Experten von 2,7 Prozent ausgegangen. Die Inflation dürfte im kommenden Jahr auf 2,3 Prozent abflauen, was 0,1 Prozentpunkte mehr wäre als zuvor erwartet.

Unterdessen dürfte die US-Wirtschaft mit 2,2 Prozent in diesem Jahr schwächer wachsen als erwartet. Bislang erwartete die Fed ein Plus von 2,4 Prozent. Die Konjunkturerwartungen für das kommende Jahr bleiben bei 2,3 Prozent.

Preisstabilität bleibt Priorität

Mit dem neuen Notenbank-Präsidenten habe sich auch der Wortlaut des Statements verändert, schrieb Thomas Altmann, Leiter des Portfoliomanagements von QC Partners. Die Fed des Kevin Warsh stelle die Preisstabilität ganz klar an die erste Stelle. Auf sinkende Zinsen, die Aktien gegenüber Anleihen stützen würden, müssten Anleger wohl bis zum Jahr 2028 warten.

Zinserhöhungen wieder ein Thema

Die aktuellen Projektionen und die Aussagen von Warsh haben die Wahrscheinlichkeit weiterer Zinsschritte nach oben erhöht. "Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinsanhebung ist in Anbetracht der Projektionen und des Wortlauts während der Pressekonferenz wahrscheinlicher geworden", sagte Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank. Zwar bleibt der weitere Kurs der Notenbank datenabhängig, doch die Kombination aus hoher Inflation, steigenden Energiepreisen und einem robusten Arbeitsmarkt macht Zinssenkungen kurzfristig zunehmend unwahrscheinlich.

Trump verärgert

Mit seiner ersten Zinsentscheidung als Chef der US-Notenbank Federal Reserve hat Kevin Warsh viele Beobachter überrascht - darunter auch US-Präsident Donald Trump. Zwar versuchte Trump, sich mit Blick auf den stabilen Zins nichts anmerken zu lassen. Darauf angesprochen, dass die Geldpolitik womöglich im weiteren Jahresverlauf eher gestrafft statt wie von ihm erhofft gelockert werden dürfte, überkam es ihn dann doch: "Es ist kaum zu glauben. Das zieht das Land einfach nur runter, und es ist so, es ist so ungewöhnlich", sagte er vor Journalisten.

Experte erinnert an Interessenkonflikt

Mit Blick auf den weiteren geldpolitischen Kurs betonte Weidensteiner, dass für Warsh die Preisstabilität - also die Bekämpfung erhöhter Inflation - an erster Stelle stehe. "Mittelfristig läuft er damit das Risiko, dass sich sein Verhältnis mit Präsident Trump deutlich abkühlt, wenn er die von diesem geforderten Zinssenkungen nicht umsetzen kann", kommentierte der Experte.

So forderte Trump in der Vergangenheit immer wieder die Senkung des Leitzinses. Ein niedrigerer Zins würde die Wirtschaft ankurbeln, Amerikanern den Immobilienkauf erleichtern und auch die Zinslast der gravierenden Staatsschulden verringern. Allerdings geht mit einer Zinssenkung auch die Gefahr einher, die Inflation weiter anzuheizen - das will die Fed verhindern.

Zuletzt war die Teuerungsrate ohnehin gestiegen, infolge des Iran-Kriegs und der langen Blockade in der Straße von Hormus, die das weltweite Energieangebot deutlich eingeschränkt hat. Entsprechend müssen Firmen derzeit viel mehr Geld für Öl, Gas und Dünger ausgeben. Das belegen auch die Mai-Zahlen in der größten Volkswirtschaft: Für Energie mussten 23,5 Prozent mehr gezahlt werden als vor einem Jahr. Besonders stark war der Anstieg der Benzinpreise. Der Kraftstoff hat sich um etwa 40 Prozent verteuert.

Die nächste FOMC-Sitzung ist für den 29. Juli 2026 angesetzt.

Claudia Stephan, Julia Walter, Redaktion finanzen.net mit Material von dpa-AFX

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