Analysten stürzen sich in Scharen auf die ASML-Aktie: So viel Potenzial sehen die Experten nach den Zahlen
Nach den Quartalszahlen melden sich zahlreiche Analysten zu Wort - und die Reaktionen fallen überraschend eindeutig aus.
Werte in diesem Artikel
- Analysten heben nach ASML-Zahlen reihenweise ihre Kursziele deutlich an
- Im Mittelpunkt stehen die überraschend starke Marge und der Kapazitätsausbau
- Nur Jefferies bleibt zurückhaltend und stuft die Aktie auf "Hold" ein
ASML hat am Mittwoch Zahlen zum zweiten Quartal sowie einen angehobenen Ausblick vorgelegt. Seither überschlagen sich die Reaktionen der Analysten. Mehrere Häuser haben ihre Kursziele für die ASML-Aktie am Mittwoch und am heutigen Donnerstag zum Teil kräftig nach oben geschraubt, die Einstufungen blieben dabei fast durchweg positiv. Nur ein Institut weicht mit einer zurückhaltenderen Note vom Bild ab.
Insgesamt liest sich die Studienlage wie ein breites Bekenntnis zum Ausrüster der Chipindustrie, getragen von besseren Margen, einem klar über den Erwartungen liegenden Ausblick und einem Investitionszyklus, der nach Einschätzung vieler Experten noch Jahre tragen dürfte.
Kursziele deutlich angehoben
Auffällig ist zunächst das Ausmaß der Anhebungen. Mehrere Analysehäuser wie die Deutsche Bank, JPMorgan und Barclays haben ihre Kursziele nach den Zahlen erhöht, die neuen Marken bewegen sich überwiegend zwischen 2.000 und 2.150 Euro. Analyst Robert Sanders von der Deutschen Bank schrieb, die Zahlen hätten gezeigt, dass die Bruttomarge "durchaus Luft nach oben" habe. Am weitesten nach oben ging Bernstein Research, das sein Kursziel auf 2.500 Euro anhob und an der Einstufung "Outperform" festhielt. Am deutlichsten fiel die prozentuale Korrektur bei der Privatbank Berenberg aus, die ihr Ziel von 1.570 auf 2.100 Euro heraufsetzte.
Marge und Wachstum überzeugen
Inhaltlich stützen sich die meisten Studien auf zwei Punkte: eine besser als erwartete Marge und ein Umsatzausblick, der klar über den Markterwartungen liegt. Bei Berenberg war die angehobene Margenprognose laut Analystin Tammy Qiu "die größte positive Überraschung" im gesamten Zahlenwerk.
JPMorgan geht davon aus, dass der Umsatzkonsens für 2026 nach diesen Zahlen deutlich angehoben werden dürfte, und auch Bernstein Research verweist darauf, dass der Mittelpunkt der neuen Umsatzspanne für 2026 rund zwölf Prozent über dem bisherigen Konsens liegt.
Ergänzend verweist Goldman Sachs auf eine solide Auftragslage, die den Kapazitätsausblick für EUV- und DUV-Lithografiesysteme stütze, während Barclays von einem Rekordniveau bei EUV-Bestellungen im ersten Halbjahr spricht.
Kapazitätsausbau 2027 und 2028 im Fokus
Ein wiederkehrendes Thema in den Studien ist der geplante Kapazitätsausbau für 2027 und 2028, den mehrere Analysten als eigentlichen Werttreiber jenseits des laufenden Quartals einordnen. JPMorgan hält die für diesen Zeitraum in Aussicht gestellten Kapazitäten für höher als die eigene, ohnehin schon über dem Marktkonsens liegende Schätzung, und hält deshalb die Gewinnerwartungen des Marktes für 2028 für zu niedrig angesetzt. Auch die Akzeptanz der neuen High-NA-Generation in der EUV-Lithografie nehme laut Bernstein Research zu. Der Tenor der Studien: Die eigentliche Wachstumsstory liegt weniger im aktuellen Quartal als im mehrjährigen Investitionszyklus der Chipbranche, den ASML mit seinen Anlagen zum jetzigen Zeitpunkt weiter tragen kann.
Jefferies bleibt bei ASML-Aktie skeptischer
Jefferies bestätigte zwar, dass Umsatz, Marge und Gewinn im zweiten Quartal klar über den eigenen Erwartungen gelegen hätten, beließ das Kursziel aber unverändert bei 1.560 Euro und die Einstufung bei "Hold". Als Grund nennt Analyst Janardan Menon den für 2027 in Aussicht gestellten Kapazitätsausbau bei Standard-EUV-Systemen, der geringer ausfalle als am Markt zuletzt erwartet worden war. Gerade weil die Erwartungen an diesen Punkt zuletzt stark gestiegen waren, wiegt diese Einschränkung aus Sicht des Analysten schwerer als die insgesamt starken Quartalszahlen.
Genau an diesem Punkt zeigt sich das Risiko der aktuellen Runde positiver Studien: Die Erwartungen an den künftigen Kapazitätsausbau sind inzwischen so hoch, dass selbst ein solides Quartal wie das jüngste bei einzelnen Details enttäuschen kann, wie das Beispiel Jefferies zeigt. Der Investitionszyklus der Halbleiterbranche bleibt zudem grundsätzlich abhängig von den Kapitalausgabenplänen weniger Großkunden, was die Visibilität der von den Analysten skizzierten Ausbaupläne für 2027 und 2028 begrenzt.
So reagiert die ASML-Aktie auf die Analystenwelle
Einen Tag nach der starken Zahlenvorlage scheinen Anleger diese zunächst verdaut zu haben, daran ändert auch die überwiegend positive Analystenwelle nichts. So zeigt sich das Papier in Amsterdam am Donnerstag zeitweise mit einem moderaten Plus von 0,22 Prozent bei 1.552,80 Euro. Damit ist zu den neu ausgelobten Kurszielen der Experten noch viel Luft nach oben.
Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net
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| Datum | Rating | Analyst | |
|---|---|---|---|
| 13:46 | ASML NV Buy | UBS AG | |
| 13:21 | ASML NV Overweight | JP Morgan Chase & Co. | |
| 11:51 | ASML NV Buy | Joh. Berenberg, Gossler & Co. KG (Berenberg Bank) | |
| 11:06 | ASML NV Outperform | Bernstein Research | |
| 10:51 | ASML NV Buy | Deutsche Bank AG |
