Bewertung im Fokus

Infineon-Aktie fällt trotz starker TSMC-Zahlen weiter: Analysten uneins über die richtige Bewertung


Infineon-Aktie fällt trotz starker TSMC-Zahlen weiter: Analysten uneins über die richtige Bewertung

Trotz starker TSMC-Zahlen gibt die Infineon-Aktie weiter nach, während Analysten über die richtige Bewertung streiten.

Werte in diesem Artikel

  • Infineon-Aktie gibt am DAX-Ende trotz starker Zahlen von TSMC weiter nach
  • Analysten uneinig, Kursziele reichen von 61 bis 100 Euro
  • Seit Jahresbeginn steht bei Infineon trotz Korrektur ein deutliches Plus
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Infineon-Aktie unter Druck

Die Infineon-Aktie ist am Donnerstag erneut unter Druck geraten und büßt am DAX-Ende via XETRA zeitweise 3,11 Prozent auf 65,22 Euro ein. Dass ausgerechnet die Rekordzahlen von Taiwan Semiconductor Manufacturing (TSMC) daran nichts änderten, wirft ein Schlaglicht auf die eigentliche Frage hinter der jüngsten Kursschwäche: Wie teuer ist Infineon nach der Rally der vergangenen Monate tatsächlich noch, und wie viel vom erwarteten Nachfrageschub aus dem KI-Geschäft steckt schon im Kurs?

Gute Nachrichten, schwacher Kurs

TSMC steigerte den Umsatz im zweiten Quartal um 36 Prozent auf 1,27 Billionen Taiwan-Dollar, angetrieben von der hohen Nachfrage nach Chips für KI-Anwendungen. Weil zugleich die Margen zulegten, wuchs der Nettogewinn um 77 Prozent auf knapp 707 Milliarden Taiwan-Dollar, umgerechnet rund 19 Milliarden Euro, und übertraf damit die Erwartungen der Analysten deutlich. Der Auftragsfertiger hob zudem seine Umsatzprognose für das laufende Jahr auf ein Plus von etwas mehr als 40 Prozent an, nachdem zuvor ein Anstieg von mehr als 30 Prozent in Aussicht gestellt worden war, und erhöhte sein Investitionsziel für 2026 auf 60 bis 64 Milliarden US-Dollar. Mittelfristig will der Konzern die Zusagen für den Ausbau seiner US-Fabriken sogar auf 265 Milliarden US-Dollar aufstocken.

Laut dpa-AFX ordnete Analyst Andreas Lipkow von CMC Markets die ausbleibende Reaktion bei Halbleiterwerten wie Infineon so ein: Die offiziellen Zahlen hätten lediglich bereits bekannte Eckdaten bestätigt, während die Skepsis der Investoren über die weitere Entwicklung im KI- und Rechenzentrumsgeschäft in einer spätzyklischen Phase bestehen bleibe. Bereits zuvor hatte Morgan Stanley dazu geraten, Halbleiterwerte zu verkaufen und stattdessen in Cloud-Anbieter umzuschichten, aus Sorge vor einer Überhitzung im Speicher- und Logiksegment.
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Die Bewertungsdebatte: 61 bis 100 Euro

An der Börse ist die Bewertung von Infineon seit Wochen umstritten. Die UBS beließ die Aktie Anfang Juli auf "Neutral" mit einem Kursziel von 61 Euro und verwies auf begrenztes Potenzial bei KI-bezogenen Umsätzen sowie anhaltende Herausforderungen in China. Die Privatbank Berenberg sieht das anders, hob ihr Kursziel im selben Monat auf 100 Euro an und bestätigte die Kaufempfehlung. Als Argument diente die neue Fabrik in Dresden, mit der Infineon nach eigenen Angaben ein Geschäft im Wert von 30 Milliarden Euro Jahresumsatz stemmen könnte, ohne einen weiteren Reinraum zu bauen. Die Spanne zwischen den beiden Kurszielen zeigt, wie unterschiedlich der Markt einschätzt, wie viel von der erwarteten KI-Nachfrage bereits im Kurs steckt. Schon bei ASML war der eigentlich gute Quartalsbericht zur Wochenmitte weitgehend verpufft, ein Hinweis darauf, dass die Skepsis den gesamten Sektor erfasst hat.

Was für und was gegen die Aktie spricht

Für Infineon spricht weiterhin die strukturelle Nachfrage nach Leistungshalbleitern für Elektrofahrzeuge und KI-Rechenzentren, ein Geschäft, in dem der Konzern zu den wenigen europäischen Herstellern zählt, die in dieser Größenordnung selbst produzieren. Trotz der jüngsten Kursverluste steht die Aktie seit Jahresbeginn weiterhin deutlich im Plus.

Zwei Risiken bleiben jedoch bestehen. Erstens haben die Bewertungskennziffern nach der starken Rally historisch hohe Niveaus erreicht, worauf Analyst Malte Schaumann von Warburg Research zuletzt hinwies. Zweitens hängt ein wesentlicher Teil der optimistischen Szenarien an der Annahme, dass der KI- und Rechenzentrumsboom im aktuellen Tempo anhält, eine Annahme, die laut UBS gerade beim China-Geschäft nicht unumstritten ist.

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Der nächste konkrete Prüfstein für beide Lager ist der 5. August, wenn Infineon seine Zahlen zum dritten Quartal des Geschäftsjahres vorlegt. Erst dann zeigt sich, ob die von Analysten erwartete Erholung im Automotive-Geschäft tatsächlich in den Auftragseingängen sichtbar wird.

Martina Köhler, Redaktion finanezen.net

Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.

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Bildquellen: CHRISTOF STACHE/AFP/Getty Images, 360b / Shutterstock.com

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DatumRatingAnalyst
03.07.26 Infineon Buy Joh. Berenberg, Gossler & Co. KG (Berenberg Bank)
02.07.26 Infineon Buy Jefferies & Company Inc.
02.07.26 Infineon Neutral UBS AG
02.07.26 Infineon Buy Deutsche Bank AG
29.06.26 Infineon Outperform Bernstein Research