Exportstreit eskaliert: NVIDIA halbiert seinen Kundenkreis - Aktie reagiert verhalten
NVIDIA verschärft laut einem Medienbericht seine Compliance-Prüfungen in Asien und reduziert den Kreis autorisierter KI-Chip-Käufer deutlich. Hintergrund sind verschärfte US-Bemühungen, Umgehungen der Exportkontrollen nach China zu verhindern.
Werte in diesem Artikel
- NVIDIA schränkt Kundenkreis für KI-Chip-Verkäufe in Asien deutlich ein
- Neue Prüfliste schließt laut FT mehr als die Hälfte bisheriger Käufer aus
- Hintergrund ist verstärkter US-Druck gegen Chip-Schmuggel nach China
NVIDIA hat die Zahl der in Asien zum Kauf seiner KI-Chips berechtigten Kunden mehr als halbiert, wie die Financial Times unter Berufung auf drei mit der Sache vertraute Personen berichtet. Grund sind verschärfte Compliance-Prüfungen, mit denen die US-Exportbeschränkungen gegenüber China durchgesetzt werden sollen.
Kundenkreis weiter beschränkt
NVIDIA hat laut dem Bericht eine neue "White List" zugelassener asiatischer Käufer erstellt und die Sorgfaltsprüfung in Singapur, Malaysia und Japan verschärft. Die neue Prüfung schloss dem Bericht zufolge mehr als die Hälfte der bisherigen Kunden aus, wobei betroffene Unternehmen sich nach entsprechenden Änderungen erneut bewerben können.
Druck aus Washington wird stärker
Der Schritt fällt laut dem Blatt in eine breitere US-Initiative, mit der Schlupflöcher geschlossen werden sollen, über die chinesische Firmen trotz strikter Exportkontrollen an NVIDIAs fortschrittliche Chips kommen. NVIDIA habe die Compliance-Prozesse demnach auf Druck aus Washington verschärft. Im März hatten US-Staatsanwälte einen Mitgründer von Super Micro Computer und zwei Mitarbeiter angeklagt, den Schmuggel von NVIDIA-Chips im Wert von 2,5 Milliarden US-Dollar nach China über eine südostasiatische Tarnfirma organisiert zu haben, die die Chips von Taiwan aus verschiffte. Washington beschränkt den Verkauf von KI-Chips nach China seit 2022 umfassender, erlaubte NVIDIA im vergangenen Jahr aber den Verkauf des älteren H200-Chips, dessen Import Peking wiederum blockierte, um die heimische Chipentwicklung zu stärken.
Hat NVIDIA den chinesischen KI-Chip-Markt bereits verloren?
Der Brookings-Experte Mark MacCarthy vertritt in einem am 17. Juni veröffentlichten Kommentar eine pessimistischere These: Die USA hätten den chinesischen Markt für KI-Chips bereits verloren, unabhängig von Kontrolllisten wie der aktuellen. Sein Argument stützt sich nicht auf Schmuggel, sondern auf das Gegenteil: Selbst nachdem Washington im Mai den Verkauf des H200-Chips an zehn chinesische Firmen genehmigt hatte, untersagten Chinas Behörden ihren eigenen Unternehmen den Kauf, weil sie den USA nach mehrfachen Kurswechseln bei den Exportregeln nicht mehr vertrauten. MacCarthy bringt es auf den Punkt: "Das Spiel ist vorbei, und die USA haben verloren." Mehrere Berichte verweisen zudem auf Umgehungsgeschäfte und den Zugang chinesischer Unternehmen zu NVIDIA-Chips über Drittstaaten oder externe Rechenzentren.
NVIDIA-Aktie reagiert verhalten
Die NVIDIA-Aktie schloss am Montag an der NASDAQ im regulären Handel bei 203,53 US-Dollar und damit mit einem Verlust von 3,52 Prozent. Nachbörslich gab das Papier weitere überschaubare 0,14 Prozent auf 203,25 US-Dollar nach, nachdem der KI-Riese im bisherigen Jahresverlauf mit einem Kursplus von rund neun Prozent die Erwartungen der Anleger nicht erfüllen konnte.
Claudia Stephan, Redaktion finanzen.net
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