Krise bei VW, BMW und Mercedes: Warum der Befreiungsschlag für die Auto-Aktien ausbleibt
Mercedes-Benz verkauft so viele Elektroautos wie nie zuvor, doch der Absatz schrumpft trotzdem, und das Problem dahinter teilt sich der Konzern mit weiteren deutschen Autobauern.
Werte in diesem Artikel
- Mercedes-Benz verkauft in China fast ein Drittel weniger Autos als im Vorjahr
- BMW und Volkswagen haben ihre Margenziele für 2026 drastisch gekappt
- Chinesische Marken gewinnen in Europa in hohem Tempo Marktanteile
Mercedes-Benz hat am Mittwoch für das dritte Quartal einen Absatzeinbruch in China um 31 Prozent gemeldet und damit bestätigt, was der Markt bei allen drei großen deutschen Autobauern seit Monaten einpreist: Eine Trendwende ist nicht in Sicht. Weltweit setzten die Stuttgarter von Juli bis September knapp 492.000 Pkw und Transporter ab, 6 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. BMW und Volkswagen stecken nach drastisch gesenkten Prognosen ebenfalls in der Defensive. Das spiegelt sich auch im Aktienkurs der Unternehmen wider: Die Mercedes-Aktie notiert via XETRA 1,9 Prozent tiefer bei 39,08 Euro, während die BMW-Aktie 2,46 Prozent auf 52,34 verliert und die Vorzugsaktie von Volkswagen um 3,5 Prozent sinkt auf 67,30 Euro.
Mercedes-Benz feiert Elektrorekorde, der Absatz schrumpft trotzdem
Die offizielle Lesart aus Stuttgart klingt freundlicher. Vertriebsvorstand Mathias Geisen verweist auf den höchsten Quartalsabsatz reiner Elektroautos in der Firmengeschichte und darauf, dass der Absatz von Pkw außerhalb Chinas 2026 bereits das dritte Quartal in Folge gestiegen sei. Beides stimmt, ändert an der Größenordnung aber wenig. Den rund 68.400 verkauften Elektroautos stehen insgesamt 407.200 Pkw gegenüber, 8 Prozent weniger als im Vorjahresquartal. Im Spitzensegment der teuersten Modelle brach der Absatz sogar um 21 Prozent ein. Nach neun Monaten liegt die Autosparte rund 8 Prozent unter Vorjahr. Zuwächse in Europa und den USA reichen schlicht nicht aus, um das Loch in China zu stopfen.
China bricht als Gewinnquelle weg
Genau dieses Muster zieht sich durch die gesamte Branche. BMW verlor im zweiten Quartal rund 30 Prozent seiner Auslieferungen in der Volksrepublik und verwies bereits bei der Gewinnwarnung im Juni darauf, dass dort vor allem die Nachfrage nach Verbrennern weiter nachlasse. Volkswagen lieferte im ersten Halbjahr 26 Prozent weniger Fahrzeuge in China aus und konnte sich nach eigenen Angaben einem Gesamtmarkt nicht entziehen, der um rund 20 Prozent schrumpfte. Mercedes-Benz begründet das jüngste Minus mit hartem Wettbewerb und schwierigen Rahmenbedingungen.
Margen fallen auf Krisenniveau
In den Prognosen hat sich das längst niedergeschlagen. BMW kappte am 16. Juni das Ziel für die EBIT-Marge im Autogeschäft 2026 von 4 bis 6 auf 1 bis 3 Prozent. Beim Kapitalmarkttag am 30. September folgte die nächste Ernüchterung: Für 2028 peilt der Konzern lediglich 3 bis 5 Prozent an, die alten 8 bis 10 Prozent sollen erst Anfang der 2030er Jahre wieder erreicht werden. Bis Mitte 2027 will BMW Geschäftsbereiche und Managementstellen um ein Fünftel reduzieren.
Volkswagen ging am 18. September noch weiter und senkte die Prognose für die operative Umsatzrendite von 4,0 bis 5,5 Prozent auf höchstens 1 Prozent. Rund 10 Milliarden Euro an Sonderbelastungen drücken das Ergebnis, davon etwa 6 Milliarden Euro aus einer Abschreibung auf den Firmenwert der Porsche AG. Ohne diese Effekte käme der Konzern auf rund 4 Prozent. Allerdings läge auch dieser bereinigte Wert nur am unteren Rand der ursprünglichen Spanne.
Konkurrenz aus China rückt in Europa nach
Den Ausgleich, den Europa liefern soll, machen zunehmend chinesische Anbieter streitig. Nach Zahlen des europäischen Herstellerverbands ACEA, die dem Industriemagazin vorliegen kam BYD von Januar bis August auf knapp 178.000 Neuzulassungen in der EU und damit auf 163 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der Marktanteil des Konzerns kletterte von 0,9 auf 2,4 Prozent, während der Gesamtmarkt nur um gut 5 Prozent auf rund 7,55 Millionen Fahrzeuge zulegte. Auch Chery verdreifachte seinen Anteil auf 1,5 Prozent. Hinzu kommt die Handelspolitik: Volkswagen stellt seine Prognose ausdrücklich unter den Vorbehalt, dass die derzeit gültige Zollsituation Bestand hat.
Was bedeutet das für Anleger?
Für Anleger zeigt sich vor allem eines: Die Belastungen sind keine Delle eines einzelnen Quartals, sondern struktureller Natur. Der Absatzeinbruch in China, die wachsende Konkurrenz chinesischer Marken in Europa und die Unsicherheit über Zölle treffen alle drei Konzerne zur selben Zeit. Das spiegeln auch die eigenen Zielmarken der Hersteller wider. BMW stellt eine Rückkehr zu den gewohnten Margen erst für Anfang der 2030er Jahre in Aussicht, und Volkswagen läge selbst bereinigt nur am unteren Rand der ursprünglichen Prognose. Eine schnelle Erholung der Gewinne sehen damit nicht einmal die Konzerne selbst in ihrer Planung vor.
Gegensteuern wollen die Hersteller mit Sparprogrammen und neuen Elektromodellen. Ob das trägt, zeigen die nächsten Zahlen: Mercedes-Benz legt am 28. Oktober seinen Zwischenbericht vor, Volkswagen folgt am 29. Oktober mit den Neunmonatszahlen, BMW am 4. November. Entscheidend wird sein, ob das dritte Quartal bei den Margen den Tiefpunkt markiert oder ob weitere Prognosekorrekturen folgen.
Evelyn Schmal, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
Ausgewählte Hebelprodukte auf BMW
Mit Knock-outs können spekulative Anleger überproportional an Kursbewegungen partizipieren. Wählen Sie einfach den gewünschten Hebel und wir zeigen Ihnen passende Open-End Produkte auf BMW
Der Hebel muss zwischen 2 und 20 liegen
Bildquellen: Bocman1973 / Shutterstock.com, Teerapun / Shutterstock.com
