Drohnenabwehr im Fokus

Drohnenalarm an deutschen Flughäfen: Startet die DroneShield-Aktie jetzt durch?


Drohnenalarm an deutschen Flughäfen: Startet die DroneShield-Aktie jetzt durch?

Der Fund einer mit Sprengstoff bestückten Drohne erhöht den Druck, Flughäfen besser gegen Drohnenangriffe zu schützen. Für DroneShield eröffnet das Chancen.

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  • Sprengstoff-Drohne am Flughafen Leipzig/Halle nahe Antonow entdeckt
  • US-Medien berichten über mögliche Verbindung zu russischem Geheimdienst
  • Studie sieht Europa bei der Abwehr von Drohnenangriffen unzureichend vorbereitet
  • Flughäfen rüsten Drohnenabwehr auf, DroneShield-Aktie im Fokus
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Am Flughafen Leipzig/Halle entdeckten Sicherheitskräfte am Dienstagabend eine mit Sprengstoff und Zünder bestückte Drohne in der Nähe einer ukrainischen Antonow-Frachtmaschine vom Typ AN-124 Condor. Ein Mitarbeiter des Flughafens brachte das Fluggerät zum Absturz. Spezialisten der Bundespolizei entschärften anschließend die Sprengvorrichtung. Die Bundesanwaltschaft übernahm die Ermittlungen wegen des Verdachts eines versuchten Sprengstoffanschlags auf die Luftverkehrsinfrastruktur.

Nach dem Fund berichten US-Medien über eine mögliche Verbindung zu Russland. Das "Wall Street Journal" schreibt unter Berufung auf mit Geheimdienstberichten vertraute US-Beamte, dass die Drohne mit Sprengstoff wahrscheinlich der russischen Regierung gehöre. Der US-Sender CNN zitierte einen US-Verteidigungsbeamten in Europa mit der Aussage, die USA seien zu dem Schluss gekommen, dass die Drohne von einem russischen Geheimdienst stamme. Eine offizielle Bestätigung dieser Einschätzung liegt damit nicht vor.

Für die deutschen Ermittler ist die Urheberschaft damit weiterhin nicht abschließend geklärt. Die Karlsruher Bundesanwaltschaft sprach von einem schwerwiegenden Angriff auf die Transport- und Logistikinfrastruktur in Deutschland, der geeignet sei, die äußere und innere Sicherheit der Bundesrepublik zu beeinträchtigen. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt bezeichnete den Vorfall als hybriden Anschlag "fremder Mächte" und schloss damit einen staatlichen Hintergrund nicht aus.

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Zusätzliche Unruhe entstand durch einen weiteren Vorfall am Flughafen: Ein infolge einer Sperrung kurz danach durchstartendes Flugzeug kollidierte mit einem unbekannten kleineren Flugobjekt. Dabei könnte es sich um eine zweite Drohne gehandelt haben.

Studie sieht Europa bei Drohnenabwehr schlecht vorbereitet

Der Vorfall in Leipzig/Halle fällt in eine Zeit, in der Europas Sicherheitsbehörden ihre Fähigkeiten zur Abwehr von Drohnenangriffen ausbauen. Eine Studie des Londoner International Institute for Strategic Studies (IISS), an der auch die Hanns-Seidel-Stiftung beteiligt war, stellt Europa bei der Bekämpfung möglicher russischer Drohnenangriffe jedoch ein schlechtes Zeugnis aus. Die europäischen Staaten seien derzeit nicht einmal in der Lage, Angriffe mit Drohnen - etwa auf Flughäfen oder sensible Militäreinrichtungen - eindeutig Russland zuzuordnen. Es sei jedoch "sehr wahrscheinlich", dass Russland eine Kampagne gegen Europa gestartet habe.

Insgesamt untersuchte die Studie 144 Fälle zwischen August 2024 und Februar 2026 in zwölf Nato-Staaten sowie in Irland. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass die europäische Anti-Drohnen-Architektur noch nicht auf der Höhe der Bedrohung sei, obwohl Nato, EU und nationale Regierungen dem Thema inzwischen mehr Aufmerksamkeit widmeten. Zudem seien die Behörden gespalten und die verfügbaren Reaktionsmöglichkeiten nicht ausreichend. In den einzelnen Ländern werde zu stark national gedacht, anstatt Informationen und Maßnahmen europaweit zusammenzuführen.

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"Es ist alarmierend: Europa ist auf diese Form hybrider Bedrohung bislang nicht ausreichend vorbereitet", sagte der Vorsitzende der Hanns-Seidel-Stiftung, Bayerns CSU-Fraktionschef im Landtag, Klaus Holetschek.

Milliardenmarkt Drohnenabwehr: Flughäfen werden zum Wachstumsfeld

Wie weit die Nachrüstung tatsächlich fortgeschritten ist, wird unterschiedlich beurteilt: Der Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbands ADV, Ralph Beisel, erklärte, an sieben der acht als kritische Infrastruktur eingestuften Flughäfen, darunter Berlin, München und Leipzig/Halle, stehe die vom Innenministerium zugesagte Ausstattung mit Detektions- und Abwehrsystemen noch aus. BDL-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang widersprach dem nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur: Mehrere der acht Flughäfen profitierten bereits von neuer Technik, allen voran der größte Flughafen Frankfurt, wo mehrere Anbieter zum Zug gekommen seien. Details nannte Lang aus Sicherheitsgründen nicht.

Wie teuer Drohnenvorfälle für den Luftverkehr bereits sind, zeigt eine im Juni 2026 veröffentlichte Analyse des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) zu den 226 im Jahr 2025 gemeldeten Vorfällen, von denen 116 an 25 Flughäfen zu Voll- oder Teilsperrungen führten. Das DLR beziffert den daraus entstandenen betriebswirtschaftlichen Mindestschaden auf rund 60 Millionen Euro. Unter Einbeziehung von Netzwerkeffekten durch Verspätungen sowie Annullierungen steigt die Schätzung auf bis zu 160 Millionen Euro. Wer den Zuschlag für die geplante Nachrüstung erhält, ist offen: Um die Aufträge konkurrieren neben DroneShield auch andere Anbieter wie die auf Funkmesstechnik spezialisierte, nicht börsennotierte deutsche Aaronia AG sowie Systeme wie der Flugabwehrpanzer Skyranger 30 von Rheinmetall, in den der von MBDA entwickelte Drohnenabwehrsensor Defendair integriert wird.

Europa erhöht den Bedarf an Drohnenabwehr

Für DroneShield ist Europa längst mehr als ein einzelner Absatzmarkt: Die Region war 2025 mit rund 98 Millionen australischen Dollar und einem Anteil von 45 Prozent am Konzernumsatz der stärkste Absatzmarkt des Unternehmens. Im Frühjahr eröffnete DroneShield offiziell seinen europäischen Hauptsitz in Amsterdam. Im Juni lief bei einem europäischen Vertragsfertiger die erste in Europa produzierte Drohnenabwehreinheit vom Band - beides eingebettet in die Rüstungsinitiativen der Europäischen Union. Bereits im Dezember 2025 hatte das Unternehmen einen Auftrag über 49,6 Millionen australische Dollar von einem europäischen Wiederverkäufer für einen militärischen Endkunden gemeldet.

DroneShield: Vom Nischenanbieter zum Wachstumswert

Der 2014 gegründete australische Konzern DroneShield mit Sitz in Sydney entwickelt Systeme zur Erkennung, Verfolgung und Abwehr von Drohnen für Militär, Polizei und Betreiber kritischer Infrastruktur. Zu den Kernprodukten zählen das stationäre DroneSentry-System und die tragbare DroneGun. Im Geschäftsjahr 2025 steigerte das Unternehmen den Umsatz auf rund 216,5 Millionen australische Dollar - ein Plus von 276 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Auch im ersten Halbjahr 2026 erzielten die Australier kräftiges Wachstum: Die Erlöse stiegen um 74 Prozent auf rund 125,8 Millionen australische Dollar. Zudem meldete DroneShield zwei Aufträge über zusammen rund 23,2 Millionen australische Dollar vom Benelux-Wiederverkäufer COBBS BELUX für einen europäischen Militärkunden. Davon sollen rund 21 Millionen australische Dollar noch im Geschäftsjahr 2026 als Umsatz erfasst werden, der Rest entfällt auf künftige Abo-Umsätze. Für das Gesamtjahr 2026 rechnet der Konzern mit einem Umsatz zwischen 250 und 270 Millionen australischen Dollar, was einem Zuwachs von 15 bis 25 Prozent entspricht.

Hohe Erwartungen treffen auf niedrigere Umsatzprognose

Diese Guidance liegt allerdings deutlich unter dem zuvor am Markt erwarteten Konsens von rund 323 Millionen australischen Dollar und markiert nach dem Sprung im Vorjahr eine Wachstumsverlangsamung. Dies hängt auch damit zusammen, dass Großaufträge der öffentlichen Hand unregelmäßig anfallen und Verzögerungen einzelne Quartale verschieben können. Zusätzlich steht die Profitabilität unter Druck: Für das erste Halbjahr rechnet DroneShield mit einer Bruttomarge von rund 60 Prozent (nach 65 Prozent im Vorjahreszeitraum). Das Unternehmen begründet den Rückgang mit dem gestiegenen Anteil zugekaufter Fremdhardware, Währungseffekten sowie einer Abschreibung auf Rohmaterial im Zuge des Umzugs einer Produktionsstätte und der Einführung eines neuen ERP-Systems.

DroneShield-Aktie performt schwach

Am Markt zeigt sich für 2026 aktuell ein durchwachsenes Bild: Die DroneShield-Aktie hat im bisherigen Jahresverlauf unter starken Schwankungen rund 30 Prozent an Wert verloren. Ob der beschleunigte Ausbau der Drohnenabwehr an deutschen Flughäfen tatsächlich in neue Aufträge für DroneShield mündet oder an Wettbewerber geht, dürfte sich frühestens mit konkreten Ausschreibungen zeigen.

Claudia Stephan, Redaktion finanzen.net

Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.

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Bildquellen: Droneshield, Dmitry Kalinovsky / Shutterstock.com

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