Erfolgsrezept

Mit sieben Tipps zum Erfolg: So konnte Tech-Gigant NVIDIA so erfolgreich werden

08.06.26 21:39 Uhr

NASDAQ-Titel NVIDIA-Aktie: Diese sieben Erfolgsmethoden von KI-Nutznießer NVIDIA haben für einen kometenhaften Anstieg gesorgt | finanzen.net

NVIDIA gehört heute zu den wertvollsten Unternehmen der Welt. Doch wie ist NVIDIA der erfolgreiche Aufstieg gelungen?

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• NVIDIA profitiert von KI-Hype
• CEO Jensen Huang als Schlüsselrolle
• 7 Methoden, die NVIDIA so erfolgreich machen

NASDAQ-Titel NVIDIA-Aktie: Chipentwickler auf Erfolgskurs

Der Chiphersteller NVIDIA gehört zu den größten Nutznießern des KI-Hypes. Regelmäßig liefert sich der Konzern deshalb an der Börse ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Titel des wertvollsten Unternehmens der Welt. Dabei entwickelte sich das Unternehmen von einem Chiplieferanten für Videospiele, der nur unter Eingeweihten bekannt war, zu einem der erfolgreichsten Unternehmen weltweit.
Während vor einigen Jahren nur Videospieler, Bitcoin -Miner oder Technikbegeisterte den Namen NVIDIA kannten, ist das vor 33 Jahren gegründete Unternehmen heute das bedeutendste KI-Unternehmen der Welt und legte seit dem KI-Hype einen kometenhaften Aufstieg hin.

Bereits seit Jahren daran geglaubt hat der NVIDIA-Gründer und -CEO Jensen Huang selbst. Wie ein Mantra habe er der Tech-Welt erklärt, dass seine Grafikprozessoren aufgrund ihrer Fähigkeit zur parallelen Verarbeitung besser für Hochleistungsrechner geeignet seien. "20 Jahre lang haben ihm die Leute erklärt, warum er falsch liegt", so Christophe Fourquet, Chef des Chipausrüsters ASML, des wertvollsten Tech-Konzerns Europas. "Er hatte immer diese Vision. Er hatte die Technologie, und irgendwann kam die Anwendung dazu. Nun kann er feiern. Alle Zweifler laufen jetzt hinterher."

Doch wie ist NVIDIA der erfolgreiche Aufstieg zu einem der wertvollsten Unternehmen gelungen? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, hat das Handelsblatt NVIDIAs Zentrale besucht, mit neun Topmanagern des Konzerns gesprochen und zahlreiche Experten, Konkurrenten, Partner, Neider und Bewunderer befragt. Daraus wurde ein Überblick über die sieben Erfolgsmethoden des Ausnahmeunternehmens erstellt.

1. Fokus aufs Produkt

Begründet ist NVIDIAs Erfolg auf den Chips und Grafikkarten des Unternehmens, darunter auch die GeForce-Reihe, die zahlreiche Videospiele antreibt. Im weiteren Verlauf folgten auch Autochips, Serverkarten für Supercomputer und schließlich die bahnbrechenden KI-Plattformen: Nach dem Erfolg der Hopper-Architektur (H100) dominieren heute die hocheffiziente Blackwell-Architektur sowie die zukunftsweisende Rubin-Plattform das Portfolio. Diese modernen Superchips treiben mit enormen Sprüngen bei der Rechenleistung und Energieeffizienz die globale KI-Revolution maßgeblich voran.

"Bei NVIDIA wird von den Führungskräften erwartet, dass sie technisch versiert sind", erklärt KI-Forschungschef Bryan Catanzaro. "Wir können keine effektiven Entscheidungen treffen, wenn wir nicht technisch führend sind." Dementsprechend werde NVIDIA von Ingenieuren geführt, nicht von Absolventen von Business-Studiengängen. CEO Huang ist selbst ausgebildeter Elektroingenieur und widmet sich mit großer Leidenschaft der Technik seiner Produkte, wie Mitarbeiter einhellig berichten. Beobachter loben Huang dafür, dass er dafür gesorgt hat, dass der Konzern fokussiert bleibt und sich nicht verzettelt. Der NVIDIA-Chef sei ein "Visionär", wie Alan Priestley, Chipexperte beim Marktforscher Gartner erklärt.

Bereits von Anfang an habe der Manager daran geglaubt, dass seine Grafikchips (GPUs) die überlegenen Prozessoren seien. Ein Fokus auf ein Kernprodukt, der sich inzwischen bezahlt macht. Denn als der KI-Hype losging, war Huang mit seinen GPUs bereits zur Stelle. "Seine Produkte waren bereit, die großen Sprachmodelle der ersten Stunde zu trainieren", so Priestley. War es Planung, war es Glück? "Wahrscheinlich beides." Aber nicht umsonst gelte: "Das Glück ist mit den Tüchtigen."

2. Vom Chip-Designer zum All-in-One-Giganten

Lange Zeit galt bei NVIDIA das Credo: Weniger ist mehr. Der Konzern konzentrierte sich rein auf das Design von Grafikprozessoren (GPUs) und überließ den Bau von Hauptprozessoren (CPUs), Servergehäusen und Rechenzentren Partnern wie Intel, AMD, HP oder Super Micro. Doch diese bewusste Beschränkung gehört im Jahr 2026 der Vergangenheit an. NVIDIA hat sich radikal zum Full-Stack-Rechenzentrumskonzern gewandelt. Mit der aktuellen Blackwell-Architektur verkauft das Unternehmen keine einzelnen Chips mehr, sondern schlüsselfertige, tonnenschwere Server-Racks, die flüssigkeitsgekühlt als ein einziger Supercomputer agieren. NVIDIA liefert mittlerweile alles selbst: von der eigenen Netzwerktechnologie (Spectrum-X) über hauseigene Hauptprozessoren (Grace-CPU) bis hin zur passenden Software-Infrastruktur. Auch das alte Dogma, keine eigenen Rechenzentrumskapazitäten anzubieten, hat CEO Jensen Huang mit der "DGX Cloud" längst gebrochen. Aus der einstigen partnerschaftlichen Schaltstelle ist ein allgegenwärtiger Gigant geworden, der zunehmend in die Reviere seiner eigenen Kunden und Partner vordringt.

3. CEO als Markenbotschafter

Huang, der von sich selbst behauptet, nicht gerne vor vielen Menschen zu sprechen, glänzt dennoch im Rampenlicht. Für die Chipindustrie ist der Elektroingenieur eine Ausnahmeerscheinung. Der Unternehmer werde stellenweise wie ein Popstar gefeiert. Medien sprechen sogar von der "Jensenity" (Jensen-Wahnsinn).
Und auch in der Geschäftswelt scheint Huang nur Freunde zu haben. Alle Tech-CEOs liefern Zitate, wenn NVIDIA eine wichtige Ankündigung macht. Deutsche Topmanager wie Mercedes-Benz-Chef Ola Källenius sind besonders begeistert, wenn Huang sie besucht. Huang nennt Källenius seinen "guten Freund", so wie nahezu jeden Vorstandschef, den er trifft.
Doch was ist das Geheimnis des NVIDIA-CEOs? "Jensen hat eine elektrisierende Persönlichkeit", sagt KI-Forschungschef Catanzaro. Als er anfing, hatte NVIDIA 7.000 Mitarbeiter, heute sind es weit über 30.000. Von einem Tag auf den anderen entschied Huang, dass neuronalen Netzen die Zukunft gehöre. "Er sagte mir: Alle Kollegen warten auf dem Parkplatz auf das, was du vorgibst. Das habe ich nie vergessen."

4. Investitionen in Null-Milliarden-Dollar-Märkte

"Jensen spricht immer davon, dass wir Märkte erschaffen müssen. ‚Wo ist das nächste Null-Milliarden-Dollar-Business?', das ist die entscheidende Frage", erklärt Omniverse-Chef Rev Lebaredian. Ganz praktisch heißt das, dass sich NVIDIA nie mit dem Status quo zufrieden geben könne - sondern sich immer frage, wo der nächste Zukunftsmarkt liegt. "Wir haben das Omniverse schon 2016 erfunden, lange bevor Meta vom Metaverse sprach", erklärt Lebaredian. Am Anfang habe niemand gewusst, was damit gemeint war. Deshalb habe man bei NVIDIA den Kontakt zu seinen Partnern gesucht, um vieles erklärt. Bei Omniverse handelt es sich um NVIDIAs virtuelle Realität. "Nehmen Sie eine neue Autofabrik. Diese verschlingt Milliarden. Wenn Sie die in der realen Welt bauen und dann nachträglich Dinge verändern, kostet das viel Geld. Wenn Sie das Problem simulieren können, wird es viel preiswerter."
Wichtig sei, bei der Erschließung neuer Märkte jedoch das Kerngeschäft nicht zu vernachlässigen, betont Lebaredian. Auch für das Omniverse sind die Grafikkarten von NVIDIA entscheidend, da die Simulationen von Fabriken, Schiffen oder Kraftwerken enorme Rechenleistung erfordern. Lebaredian sieht im Omniverse "einen zukünftigen Markt von hundert Billionen Dollar." Außerdem hat er bereits den nächsten Markt im Blick, der heute noch klein, aber zukünftig riesig sein wird: die Robotik.

5. Informationsfamilie statt Herrschaftswissen

Ebenfalls auffällig sei, dass jeder, der in der Weltzentrale in Santa Clara mit dem Handelsblatt spricht, seinen Job zu lieben scheine. "Wir haben hier eine große psychologische Sicherheit", erklärt Kari Briski, die Leiterin der Software-Entwicklung für generative KI. Während andere Tech-Riesen während der Krise im Jahr 2023 große Entlassungswellen erlebten, blieb NVIDIA davon verschont. Viele Mitarbeiter seien bereits seit Jahrzehnten im Unternehmen.
Und auch finanziell sorge NVIDIA ebenfalls gut für seine Angestellten. Eine viel beachtete auf der Plattform "Blind" durchgeführte Umfrage ergab, dass über 36 Prozent der NVIDIA-Mitarbeiter ein Vermögen von über 20 Millionen US-Dollar besitzen. Weitere 39 Prozent haben ein Vermögen zwischen einer und 20 Millionen US-Dollar. Dies bedeutet, dass mehr als drei Viertel der Mitarbeiter Millionäre sind, dank großzügiger Aktienoptionen und dem starken Kursanstieg. Sogar Praktikanten erhalten bei NVIDIA Aktien.
Diese finanzielle Sicherheit und die offene Unternehmenskultur tragen zur hohen Motivation bei. "Jeder, mit dem ich zusammenarbeite, brennt für seine Arbeit", erklärt Briski. "Jensen behandelt uns alle wie eine große Familie." Huang setzt auf Transparenz und vermeidet abgeschottete Teams, anders als etwa bei Apple. Er trifft sich mit seinen 60 direkt berichtenden Managern in größeren Runden, statt sich nur mit wenigen ausgewählten Führungskräften zu beraten.
Dennoch sei der Anspruch des Unternehmers hoch. "2021 sagte er zu allen Mitarbeitern in einem großen Meeting: ‚Wenn ihr euch nicht auf KI konzentriert, schlaft ihr am Steuer'", so Deierling. Das habe ihn aufgeweckt - binnen weniger Tage habe er einen KI-Crashkurs besucht.

6. Nachwuchs geht vor

Huang ist "der am längsten amtierende Tech-CEO der Welt". "In 31 Jahren habe ich es geschafft, nicht pleitezugehen, mich nicht zu langweilen und nicht gefeuert zu werden", erklärt er selbst bei einer Rede an der US-amerikanischen Universität Caltech. Mit einem Augenzwinkern fügte er hinzu: "Ich möchte euch sagen, dass NVIDIA ein wirklich großartiges Unternehmen ist, dass ich ein sehr netter Chef bin, der von allen geliebt wird, und dass ihr bei NVIDIA arbeiten solltet," was bei den Absolventen für Lachen sorgte.
Die Förderung von Nachwuchstalenten ist bei NVIDIA Chefsache. Im Mittelpunkt steht das 2016 gestartete "Inception"-Programm für Startups. "Wir investieren nicht in Start-ups, aber wir helfen ihnen, unsere Technologien und GPUs zu verstehen und bringen sie mit Wagniskapitalgebern zusammen", erklärt Programmleiter Serge Lemonde.

7. Segeln unter dem Radar?

Es brauchte jedoch nur ein Wort, um die Stimmung zu kippen. Die Erwähnung dieses Tabuworts "Monopol" führte in der Zentrale von NVIDIA zu Räuspern, düsteren Mienen und dem Wunsch, "off the record" zu gehen, so das Handelsblatt. Die Frage ist jedoch, ob NVIDIA ein solches besitzt.
NVIDIA war lange gut darin, unter dem Radar zu bleiben. Frühere Jahreskonferenzen waren höchst technische Treffen mit Vorträgen auf Doktorandenniveau. Inzwischen habe sich das jedoch geändert. Und immer häufiger wird die Frage gestellt, wie groß NVIDIAs Einfluss auf den Markt für KI-Chips und entsprechende Software tatsächlich ist.
Aus anfänglichen Besorgnissen der EU-Kommission sind handfeste Monopol-Vorwürfe und offizielle Ermittlungen erwachsen. So leitete das US-Justizministerium laut Bloomberg eine umfassende Kartelluntersuchung gegen den Tech-Giganten ein und verschickte rechtlich bindende Vorladungen. Der Vorwurf wiegt schwer: NVIDIA soll seine marktbeherrschende Stellung missbrauchen, indem es Kunden abstraft, die auf Chips von Konkurrenten umsteigen wollen, oder beim Kauf von Netzwerkequipment Druck ausübt.

Sicher ist jedoch: NVIDIAs Erfolg bleibt untrennbar mit dem Fortschritt und der Monetarisierung der künstlichen Intelligenz verknüpft. Sollte die Zukunftstechnologie trotz der beeindruckenden Hardware-Fortschritte der letzten Jahre die extrem hohen Erwartungen der Wall Street nicht erfüllen, wird das drastische Konsequenzen haben: Es werden weniger Rechenzentren errichtet und die Nachfrage nach NVIDIAs Blackwell- und Rubin-Plattformen wird sinken.
Auch die Debatte um eine potenzielle KI-Blase hat sich spürbar zugespitzt. Während Ökonomen und Analysten in Berichten davor warnen, dass die gigantischen Infrastruktur-Ausgaben der Tech-Riesen in keinem Verhältnis zu den tatsächlichen Software-Umsätzen stehen, halten andere Branchengrößen dagegen. Einige Analysten betonen weiterhin, dass der KI-Trend keine klassische Blase sei, sondern eine fundamentale Umschichtung der globalen IT-Infrastruktur darstellt, bei der sich das Abwärtsrisiko für den Marktführer von selbst begrenzt.

Evelyn Schmal, Redaktion finanzen.net

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