Analyst erklärt: Diese KI-Chip-Aktien sind „spottbillig“ - Chance für Anleger?
Mizuho-Spezialist Jordan Klein sieht nach den starken Quartalszahlen von Micron weiterhin erhebliches Potenzial bei Speicher- und Halbleiteraktien.
Werte in diesem Artikel
- Micron übertraf mit Umsatz und Gewinn die Erwartungen
- Kundenverpflichtungen aus langfristigen Lieferverträgen stiegen auf 32 Milliarden Dollar
- Mizuho-Spezialist Jordan Klein hält Speicher- und Halbleiteraktien weiter für günstig bewertet
Micron übertrifft die Erwartungen
Der Speicherchiphersteller Micron Technology hat für das vierte Geschäftsquartal einen Umsatz von 54,23 Milliarden US-Dollar gemeldet. Damit hat sich der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum mehr als vervierfacht und lag zugleich über der durchschnittlichen Analystenschätzung von 51,07 Milliarden US-Dollar. Der bereinigte Gewinn erreichte 33,42 US-Dollar je Aktie und übertraf damit ebenfalls die erwarteten 31,61 US-Dollar. Für das erste Geschäftsquartal stellt Micron einen Umsatz von 61,5 Milliarden US-Dollar plus oder minus 1,5 Milliarden US-Dollar in Aussicht. Analysten hatten laut Daten von LSEG im Durchschnitt mit 57,02 Milliarden US-Dollar gerechnet. Beim bereinigten Gewinn erwartet das Unternehmen 38,15 US-Dollar je Aktie plus oder minus einen US-Dollar, verglichen mit einer Markterwartung von 35,40 US-Dollar. Das geht aus einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters hervor.
KI-Boom sorgt für knappe Speicherkapazitäten
Hinter der Entwicklung steht vor allem die hohe Nachfrage nach Speicher für KI-Rechenzentren. High-Bandwidth Memory spielt dabei eine zentrale Rolle. Micron gehört unter anderem zu den Lieferanten von NVIDIA, dessen Prozessoren bei KI-Rechenlasten stark vertreten sind. Die finanziellen Verpflichtungen von Microns Kunden aus langfristigen Liefervereinbarungen sind inzwischen auf 32 Milliarden US-Dollar gestiegen, nachdem im Juni noch 22 Milliarden US-Dollar gemeldet worden waren. Der Großteil entfällt auf Bareinlagen. Die noch ausstehenden Leistungsverpflichtungen aus diesen Vereinbarungen erhöhten sich laut Finanzchef Mark Murphy von rund 100 Milliarden auf etwa 150 Milliarden US-Dollar. Micron rechnet für die Geschäftsjahre 2027 und 2028 mit deutlich angespannteren Angebots- und Nachfragebedingungen bei Speicher und Storage als 2026. Für den Großteil seiner High-Bandwidth-Memory-Produktion des Jahres 2027 hat der Konzern bereits Vereinbarungen abgeschlossen.
Analyst sieht Speicheraktien als "spottbillig"
Mizuho-TMT-Spezialist Jordan Klein bewertet die Perspektiven für Speicher- und Halbleiteraktien nach den Micron-Zahlen weiterhin positiv, wie investing.com berichtet. Micron und andere Speicheraktien seien "dirt cheap", also ausgesprochen günstig bewertet, während sich der freie Cashflow stark beschleunigen dürfte. Als entscheidenden Punkt aus Microns Zahlen bezeichnete Klein die bereits angespannte Versorgungslage, die sich im kommenden Jahr weiter verschärfen dürfte. Dadurch sei sein Vertrauen in die Beständigkeit und das weitere Potenzial von Speicheraktien, Halbleiterausrüstern, Foundries und Teilen des Hardwaresektors wie Servern gestiegen. Als gutes Zeichen wertete Klein, dass die südkoreanischen Speicherhersteller SK hynix und Samsung an der Börse in Seoul stark performen. Nahezu alle Chipaktien seien gemessen an ihrem Wachstumspotenzial günstig, mit Ausnahme von Astera Labs. Zugleich bezeichnete er die Micron-Ergebnisse laut investing.com nicht als grundlegenden Wendepunkt. Bereits optimistische Anleger dürften seiner Einschätzung nach bei ihrer Haltung gegenüber Speicherchips, Halbleitern und dem KI-Thema bleiben, während Skeptiker durch die Zahlen kaum umgestimmt würden.
Micron baut Kapazitäten aus
Micron reagiert auf die Nachfrage mit zusätzlichen Investitionen. Weil die Bestellungen die vorhandenen Kapazitäten deutlich übersteigen, hatte der Konzern seine geplanten Investitionen in den USA im Juli auf mehr als 250 Milliarden US-Dollar bis 2035 angehoben. Gleichzeitig erweitert Micron seine Kapazitäten an zahlreichen Standorten und baut neue Produktionsstätten in Japan und den USA. Die ersten Siliziumwafer aus den neuen Kapazitäten werden Mitte 2027 erwartet. Micron-Präsident und COO Manish Bhatia wies allerdings darauf hin, dass die Hochlaufphase mehrere Quartale benötigt, bevor die neuen Fabriken einen wesentlichen Einfluss auf den Markt haben. Auch die Investitionsausgaben für das Geschäftsjahr 2027 sollen über den bisherigen Planungen liegen.
Jonas Vogt, Redaktion finanzen.net
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