Geht der Ausverkauf bei den Aktien von AMD, Marvell, Sandisk & Co. weiter? Das belastet die Chipbranche
Nach dem Kursrutsch im Halbleitersektor richtet sich der Blick auf die nächsten Impulse, die darüber entscheiden, ob sich der Ausverkauf fortsetzt.
Werte in diesem Artikel
- CXMT mit Mega-IPO
- Bericht über chinesische Lithografiemaschinen belastet zusätzlich den Sektor
- Gewinnmitnahmen und ein Apple-Streit verschärfen den Ausverkauf weiter
Am Montag startete der chinesische Speicherchip-Hersteller CXMT in Shanghai mit einem der größten Börsengänge Asiens in diesem Jahr, und praktisch gleichzeitig erschien ein Bericht des Fachdiensts "The Information" zum Start der Serienproduktion heimischer Lithografiemaschinen in China. Die Doppelnachricht schickte den gesamten Chipsektor auf Talfahrt und dürfte auch am Dienstag Folgen haben: Sandisk fällt vorbörslich an der NASDAQ zeitweise um 5,04 Prozent auf 1.213,82 US-Dollar, Western Digital gibt 5,07 Prozent auf 472,70 US-Dollar nach, der Chipdesigner AMD rutscht 4,03 Prozent auf 475,00 US-Dollar ab, Marvell Technology büßt 3,86 Prozent auf 181,86 US-Dollar ein, Intel verliert 4,01 Prozent auf 87,99 US-Dollar und Super Micro Computer notiert vorbörslich 3,98 Prozent tiefer bei 28,62 US-Dollar. Auch ASML-Aktien zeigen sich am Dienstag an der EURONEXT in Amsterdam um 2,06 Prozent schwächer bei 1.400,40 Euro.
CXMT sorgt für Rekordbewertung in Shanghai
CXMT war zum Ausgabepreis von 8,66 Yuan an die Börse gegangen und schloss den ersten Handelstag an der Technologiebörse Shanghai STAR Market bei 49,00 Yuan, ein Plus von rund 466 Prozent. Damit stieg der Speicherchip-Hersteller aus Hefei auf einen Schlag zum wertvollsten Unternehmen auf dem chinesischen Festland auf, mit einer Marktbewertung von rund 3,3 Billionen Yuan beziehungsweise etwa 480 Milliarden US-Dollar. Es war die zweitgrößte Aktienemission an einer chinesischen Festlandbörse seit dem Börsengang der Agricultural Bank of China im Jahr 2010. CXMT ist nach eigenen Angaben mit einem Anteil von rund 7,7 Prozent der viertgrößte DRAM-Hersteller der Welt.
Chinas eigene Lithografiemaschinen als zweiter Belastungsfaktor
Zusätzlich belastete ein Bericht des Fachdiensts "The Information" die Stimmung: Ein staatlich unterstütztes Unternehmen in China habe mit der Serienproduktion eigener Immersions-DUV-Lithografiemaschinen begonnen, jenem Maschinentyp, mit dem bislang vor allem ASML den Markt dominiert. Die ersten Geräte sollen laut dem Bericht noch in diesem Jahr an SMIC, Hua Hong Semiconductor und CXMT gehen, geplant sind rund fünf Maschinen 2026 und etwa 20 im Jahr 2027.
Weitere Gründe für den Ausverkauf bei der AMD-Aktie, Sandisk & Co.
Der Ausverkauf hat noch weitere Ursachen als CXMT und die Lithografie-Nachricht. Nach Einschätzung von Daniel O'Regan, Marktstratege der Investmentbank Mizuho, steckt hinter der Schwäche im Halbleitersektor kein einzelner Auslöser, sondern ein Bündel von Gründen: Neben der Sorge vor chinesischer Konkurrenz drücken Gewinnmitnahmen nach der zuvor kräftigen Kursrally bei Speicherchip-Werten sowie die Schwäche südkoreanischer Anbieter auf die Stimmung. Zusätzlich sorgt laut einem Exklusivbericht des Wall Street Journal ein Streit zwischen Apple und Micron für Unsicherheit im Sektor: Apple-Chef Tim Cook dringt demnach bei der US-Regierung darauf, den Einsatz von Speicherchips der chinesischen Hersteller CXMT und Yangtze Memory Technologies (YMTC) in außerhalb der USA verkauften Geräten zu erlauben, was den Wettbewerbsdruck auf etablierte Speicherchip-Anbieter erhöhen würde.
Vorübergehende Panik oder anhaltender Ausverkauf?
Ob die Bewegung mehr als eine kurzfristige Verkaufswelle ist, hängt an den nackten Zahlen. Ein Händler verwies laut dpa-AFX darauf, dass es in der Vergangenheit bereits mehrfach Falschmeldungen über chinesische Fortschritte in der Immersionslithografie gegeben habe, weshalb zunächst offen bleibe, ob der aktuelle Bericht überhaupt belastbar ist. Selbst wenn er zutrifft, steht die geplante Produktion von fünf Maschinen im laufenden Jahr und rund 20 im Jahr 2027 in keinem Verhältnis zu den etwa 130 Immersionssystemen, die ASML nach eigenen Angaben allein 2026 ausliefert. Die neuen Anlagen gelten zudem als einer älteren Technologiegeneration zugehörig und bleiben bei Leistung und Zuverlässigkeit hinter ASMLs aktuellen Systemen zurück.
Für die kommenden Tage dürfte deshalb weniger die Lithografie-Meldung selbst als die Speicherchip-Seite den Ton angeben. Der nächste konkrete Fixpunkt ist der 29. Juli: Dann legt SK hynix seine Zahlen zum zweiten Quartal 2026 vor und dürfte zeigen, ob die zugrunde liegende Nachfrage nach KI-Speicherchips die Sorge um chinesische Konkurrenz überhaupt rechtfertigt. Hält die Schwäche bei südkoreanischen Werten an oder kommen weitere Gewinnmitnahmen hinzu, dürfte sich der Abwärtsdruck auf Sandisk, Western Digital & Co. eher fortsetzen als abklingen.
Claudia Stephan, Bettina Schneider, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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Alle: Alle Empfehlungen
| Datum | Rating | Analyst | |
|---|---|---|---|
| 25.06.26 | Micron Technology Buy | Deutsche Bank AG | |
| 25.06.26 | Micron Technology Outperform | RBC Capital Markets | |
| 25.06.26 | Micron Technology Neutral | Goldman Sachs Group Inc. | |
| 25.06.26 | Micron Technology Overweight | JP Morgan Chase & Co. | |
| 15.06.26 | Micron Technology Outperform | RBC Capital Markets |
