NVIDIA-Aktie und Co. im Fokus: Beteiligung Firmus sagt Milliarden-Börsengang ab - was das für den KI-Sektor bedeutet
Der Rechenzentrumsbetreiber Firmus wollte 11 australische Dollar je Aktie, fand aber zu wenig Nachfrage. Das schickt ein deutliches Signal an den KI-Sektor.
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Firmus, ein australischer Betreiber von KI-Rechenzentren, hat seinen geplanten Börsengang über 5 Milliarden US-Dollar abgesagt. Laut Forbes Australia ist NVIDIA mit 7,2 Prozent an dem Unternehmen beteiligt.
Firmus zieht den Börsengang zurück
Firmus will stattdessen Kapital am privaten Markt aufnehmen und alternative öffentliche wie private Optionen prüfen, teilte das Unternehmen mit. Als Grund nannte es die Marktvolatilität. Die Konditionen hätten die Stärke des Geschäfts und den Wachstumsausblick nicht angemessen abgebildet.
Geplant war ein Preis von 11 australischen Dollar je Aktie. Das hätte eine Eigenkapitalbewertung von 30,6 Milliarden US-Dollar ergeben, knapp das Dreifache der Bewertung von 10,5 Milliarden US-Dollar aus der Finanzierungsrunde Anfang August, so Reuters. Es wäre der zweitgrößte Aktienverkauf der australischen Geschichte gewesen. Die Mitgründer Oliver Curtis und Tim Rosenfield schrieben den Aktionären, Firmus prüfe auch internationale Alternativen am öffentlichen Markt.
NVIDIA als Investor und Lieferant
NVIDIA stieg im September 2025 als Investor bei Firmus ein. Laut Forbes Australia hält der Konzern 7,2 Prozent, hinter Gründer Curtis mit 13 Prozent und Coatue mit 8,4 Prozent. Firmus kauft vor allem NVIDIA-Grafikprozessoren und vermietet die Rechenleistung, zu den Kunden zählen OpenAI und Meta.
Was Marktteilnehmer sagen
Joseph Koh von Blackwattle Investment Partners, der den Börsengang im Vorfeld unter die Lupe genommen hatte, sagte laut Reuters, Firmus habe einen sehr hohen Preis für Erwartungen verlangt, die nahezu fehlerfreie Umsetzung voraussetzten. Jun Bei Liu von Ten Cap sieht einen wichtigen Realitätscheck für den KI-Boom, aber nicht den Anfang vom Ende des KI-Trades, hieß es im Reuters-Bericht. Sie verweise auf firmenspezifische Probleme wie das Tempo des Bewertungsanstiegs und den enormen Kapitalbedarf.
Zusätzlichen Druck brachte gestern ein Bericht der Financial Times über OpenAI. Danach liege dessen annualisierter Umsatz um 20 Milliarden US-Dollar niedriger als signalisiert.
Was das für Anleger in KI-Aktien bedeutet
Der Rückzug des Rechenzentrumsbetreibers Firmus vom Börsengang ist ein deutliches Signal an den KI-Sektor. Die Gründe sind lehrreich. Der geplante Ausgabepreis hätte eine Eigenkapitalbewertung von 30,6 Milliarden US-Dollar bedeutet, fast das Dreifache aus der Finanzierungsrunde von Anfang August. Dabei betreibt Firmus erst zwei gemietete Rechenzentren und hat noch nie selbst ein KI-Rechenzentrum gebaut.
Den Fall Firmus als Ende des KI-Booms zu deuten, wäre allerdings vorschnell. Er zeigt vielmehr, dass der Markt genauer hinschaut. Jun Bei Liu von Ten Cap beispielsweise sieht darin eine Verschiebung hin zur Frage, ob sich Infrastrukturausgaben tatsächlich in Renditen verwandeln.
Für KI-Anleger folgt daraus vor allem eines: Sie sollten stärker differenzieren statt pauschal auf das Thema KI zu setzen. Etablierte Anbieter mit hohen Margen, freiem Cashflow und solider Bilanz sind anders zu bewerten als junge Infrastrukturbetreiber. Deren Geschäftsmodell beruht auf hoher Verschuldung, noch nicht gebauten Kapazitäten und wenigen Großkunden. Wer in die zweite Gruppe investiert, sollte sich einige Fragen stellen. Wie hoch ist die Verschuldung? Wie viel des künftigen Umsatzes ist vertraglich gesichert? Gibt es bereits eine Erfolgsbilanz beim Bau von Rechenzentren? Bei Neuemissionen kommen Lock-up-Fristen und der Bewertungssprung gegenüber der letzten Finanzierungsrunde hinzu. Angesichts der starken Kursgewinne in diesem Jahr sind außerdem Positionsgrößen und Streuung wichtiger geworden, weil schon einzelne enttäuschende Nachrichten zu Rückschlägen führen können. Rücksetzer können bei Qualitätswerten Einstiegschancen bieten.
Thomas Zoller, Redaktion finanzen.net
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