KI-Investitionen als Falle

Defensive Aktien gegen den KI-Crash? Darauf sollten Anleger bei einem Absturz des S&P 500 laut Experten setzen


Defensive Aktien gegen den KI-Crash? Darauf sollten Anleger bei einem Absturz des S&P 500 laut Experten setzen

Die Wall Street rechnet mit fast 30 Prozent Gewinnwachstum, doch ausgerechnet die Billionen für künstliche Intelligenz könnten laut einem britischen Analysten zur Falle werden.

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Indizes

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  • Panmure Liberum sieht S&P 500 bis Ende 2027 bei nur noch 5.000 Punkten
  • Als Auslöser gilt eine Enttäuschung bei den Investitionen in KI
  • Nahrungsmittel, Pharma, Tabak und Versorger gelten als Rückzugsorte
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Ein Rückschlag um rund 35 Prozent bis Ende 2027: Mit dieser Prognose für den S&P 500 stellt sich Joachim Klement, Analyst der britischen Investmentbank Panmure Liberum, offen gegen die fast schon überschwängliche KI-Euphorie an der Wall Street. In einer zu Wochenbeginn veröffentlichten Studie, die er gemeinsam mit seiner Kollegin Francisca Reis verfasst hat, sieht er den marktbreiten US-Index dann nur noch bei 5.000 Punkten, wie MarketWatch berichtet. Zum Vergleich: Der S&P 500 bewegt sich aktuell bei 7.765,36 Zählern und hatte erst vor Kurzem bisher ungekannte Höhen erreicht (Stand: Schlusskurs vom 8. Oktober 2026).
Sollte sich die düstere These Klements bewahrheiten, stellt sich für Anleger bereits jetzt die Frage, welche Teile des Marktes einen solchen Einbruch am ehesten überstehen würden.

Warum die Berichtssaison zum Realitätscheck für den S&P 500 wird

Dabei erkennt Klement die Widerstandskraft des Marktes ausdrücklich an. "Die Aktienmärkte haben sich bemerkenswert robust gezeigt, obwohl ihnen immer mehr Hindernisse in den Weg gelegt wurden", schrieb er laut MarketWatch. Hartnäckig hohe Inflation, Renditen langlaufender Anleihen auf immer neuen Höchstständen und schließlich Zinserhöhungen der Fed und anderer Notenbanken hätten die Kurse bislang nicht aus der Bahn geworfen. Getragen werde der Markt von kräftigem Gewinnwachstum und robusten Konjunkturdaten, allen voran den Einkaufsmanagerindizes. Genau hier setzt seine Skepsis an: Die anstehende Berichtssaison zum dritten Quartal und die Jahreszahlen samt Ausblick auf 2027 im Januar würden einen "entscheidenden Realitätscheck" liefern.

Die Messlatte dafür liegt hoch. Analysten rechnen für das dritte Quartal mit einem Gewinnplus der im Index gelisteten Unternehmen von fast 30 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, Ende Juni 2026 lag die Erwartung noch bei knapp 27 Prozent. Laut CNBC könnte eine starke Saison dem Markt bis zum Jahresende weiteren Schub verleihen, auch wenn steigende Anleiherenditen und hohe Ölpreise als Hürden gelten. Den Startschuss geben traditionell die Großbanken, darunter JPMorgan und Goldman Sachs, die ihre Zahlen bereits in der kommenden Woche vorlegen.

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Hyperscaler stecken in einer Investitionsfalle

Den Kern seiner Skepsis erklärte Klement gegenüber MarketWatch mit einer Zwickmühle bei den Investitionsausgaben. Beschleunigen die großen Cloudkonzerne, die sogenannten Hyperscaler, ihr Ausgabentempo weiter, könnte das die Aktien der Indexschwergewichte hart treffen, weil Anleger genau das nicht sehen wollen. Fahren sie die Investitionen dagegen zurück, entsteht ein anderes Problem. Klement verweist auf Goldman Sachs: Deren Analysten erwarten für 2027 Investitionen von 1,2 Billionen US-Dollar, nach rund 800 Milliarden im laufenden Jahr. Sind solche Zahlen erst einmal im Umlauf, würde jede deutliche Unterschreitung die Stimmung gegenüber den Profiteuren schwer beschädigen, vor allem gegenüber Chip- und Rechenzentrumsausrüstern. Zu dieser Gruppe zählt auch der KI-Vorreiter NVIDIA.

Kippt die Stimmung rund um KI, ist aus Klements Sicht der Weg frei für den eingangs beschriebenen Absturz. "Ich denke, die gesamte Blase wird entweder 2027 oder 2028 platzen", sagte er MarketWatch. Verschärfend kämen weitere Zinserhöhungen der Fed und der Bank of England bis zum Jahresende hinzu. Der Bullenmarkt bei Aktien könne dann früher ein abruptes Ende finden, als viele erwarten.

Goldman Sachs hält mit optimistischer Prognose dagegen

Wie weit die Einschätzungen auseinanderliegen, zeigt der Blick auf Goldman Sachs. Die Strategen der US-Bank trauen dem S&P 500 in ihrer Studie von Ende September binnen zwölf Monaten einen Anstieg auf 8.700 Punkte zu, ausgehend von 7.764 Zählern am 21. September. Ben Snider, Chefstratege für US-Aktien, erwartet, dass sich das Gewinnwachstum in den kommenden Jahren verlangsamt, aber nicht einbricht. Das KGV auf Basis der erwarteten Gewinne sei binnen eines Jahres von 23 auf 19 gesunken und entspreche damit dem Schnitt der vergangenen zehn Jahre.

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Bemerkenswert ist allerdings, dass auch Goldman die Investitionen der Hyperscaler als größten Hebel ausmacht. Eine Abweichung um 250 Milliarden US-Dollar in die eine oder andere Richtung würde das Gewinnwachstum des Index im kommenden Jahr laut der Studie um rund sechs Prozentpunkte verschieben. Zudem liegt das zyklisch bereinigte KGV auf einem der höchsten Stände seit Beginn der Aufzeichnungen, wenn auch unter dem Gipfel der Jahre 1999 und 2000. Beide Häuser blicken also auf denselben Schalter. Sie unterscheiden sich vor allem darin, für wie wahrscheinlich sie eine Enttäuschung halten.

Nahrungsmittel, Pharma, Tabak: Wo Klement Schutz sucht

Für den Fall eines Abschwungs nennt Klement laut MarketWatch klassische defensive Bereiche als die stärksten Teile des Marktes: Nahrungsmittelhersteller und Lebensmittelhändler, Pharmawerte und Tabakkonzerne. Auch Versorger könnten sich bewähren, allerdings nicht jene, die von der erwarteten Stromnachfrage durch KI profitiert haben. Besser geeignet seien daher britische und deutsche Infrastrukturwerte. Anleihen dürften erst im Laufe des Jahres 2027 gefragt sein, wenn der Kursrutsch Anleger in sichere Häfen treibt. Am Ende bevorzugt Klement für den Fall eines KI-Einbruchs aber zwei ganz grundlegende Positionen, die er mit "cash and fetal" umschreibt, übersetzt "Bargeld und Schutzhaltung".

Konkrete Einzelwerte nennt Klement in der Berichterstattung nicht. Überträgt man sein Raster auf die Börse, fallen darunter etwa Schwergewichte wie Nestlé bei Nahrungsmitteln, Johnson & Johnson im Pharmabereich und Philip Morris bei Tabak. Unter den Versorgern entsprechen Netzbetreiber wie E.ON in Deutschland und National Grid in Großbritannien am ehesten seinem Profil. Einen Schutz vor Verlusten bieten aber auch sie nicht, zumal Tabak und Pharma eigene regulatorische Risiken tragen. Zudem konkurrieren dividendenstarke Versorger bei steigenden Anleiherenditen stärker mit festverzinslichen Papieren.

Ob Klements Szenario eintrifft, zeigt sich zuerst in den Quartalsberichten der großen Cloudkonzerne im Laufe der anstehenden Berichtssaison, genauer in deren Aussagen zu den Investitionsplänen für 2027. Spätestens die Prognoserunde im Januar 2027 dürfte dann zeigen, ob sich Klements Szenario bewahrheitet.

Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net

Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.

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