Firmus-Aktie: Milliarden-Börsengang von NVIDIA-Partner gerät ins Wanken - was Anleger abschreckt
Am Donnerstag endete das Bookbuilding für den australischen Rechenzentrumsbetreiber, doch Zweifel an Preis und Struktur wachsen kurz vor dem geplanten Handelsstart.
Werte in diesem Artikel
- Investoren sorgen sich um Verkäufe von Altaktionären nach dem Debüt
- Die Schuldenlast für den Ausbau der Rechenzentren schreckt Skeptiker ab
- Aktie des Firmus-Geldgebers Maas fällt um bis zu 30 Prozent
Der Börsengang von Firmus, einem australischen Betreiber von KI-Rechenzentren, steht kurz vor dem Ziel auf der Kippe. Das Bookbuilding ist abgeschlossen, doch unter Anlegern wuchs zuvor die Sorge, das Angebot könnte zurückgezogen werden. Die Gründe reichen von Überhangängsten über hohe Schulden bis zu Zweifeln am Baufortschritt.
Bookbuilding endet mit Fragezeichen
Firmus wollte einschließlich Greenshoe-Option 5,5 Milliarden US-Dollar einsammeln. Bei einem ursprünglich angepeilten Angebotspreis von 11 australischen Dollar je Aktie wäre das Unternehmen mit 43,7 Milliarden australischen Dollar bewertet worden, umgerechnet 30,4 Milliarden US-Dollar, wie investing.com berichtet. Der Börsengang wäre einer der größten in der Geschichte Australiens gewesen, vergleichbar mit dem Medibank-Börsengang von 2014, der knapp 5 Milliarden Dollar einbrachte.
Die Zeichnungsfrist endete laut Bloomberg am Donnerstagmorgen, nachdem Firmus sie zuvor vom Freitag vorgezogen hatte, als die Nachfrage das Volumen noch übertraf. Laut ABC News stellten die Banken die Gebotsannahme ein und legten den Preis fest. Der Ersthandel an der ASX ist für den 23. Oktober 2026 angesetzt. Laut ABC-Berichten liegt der mögliche Preis bei rund 8 Dollar je Aktie.
Warum Investoren zögern
Einige potenzielle Investoren wurden vorsichtiger, weil sie Aktienverkäufe bestehender Aktionäre kurz nach dem Debüt befürchteten. Der Fondsmanager Roger Montgomery wies darauf hin, Anleger seien zuvor über Orders oberhalb des Angebotsvolumens informiert worden, und fragte, warum der Preis dann sinken solle. Er sprach von Inkonsistenzen in den Botschaften.
Jun Bei Liu von Ten Cap meide das Papier und kritisiere einen beispiellosen Mangel an Details. Ihr zufolge seien 97 Prozent der versprochenen Kapazität noch nicht gebaut. Lochlan Halloway von Morningstar erkenne Merkmale einer Boomphase und verweise auf die Verschuldung der sogenannten Neoclouds. Nach Firmus' eigener Prognose fallen nach dem Bau rund 30 Milliarden US-Dollar Schulden an, etwa das Sechsfache des für 2028 erwarteten operativen Ergebnisses von 5 Milliarden US-Dollar.
Rückhalt und Nebenwirkungen
Firmus startete 2019 als Bitcoin-Miner und baute Rechenzentrumsprojekte in Australien und Singapur auf. Zusagen über 2 Milliarden US-Dollar kamen von Investoren wie NVIDIA und Blackstone, auch Jane Street ist beteiligt. Im April 2026 flossen 505 Millionen US-Dollar in einer von Coatue Management geführten Runde. Die Erlöse sollten in GPUs für das erste Rechenzentrum in Batam, Indonesien, fließen, das mit DayOne Data Centers im Rahmen einer achtjährigen Partnerschaft mit NVIDIA entsteht.
Belastet ist auch das Umfeld: Die Aktien des Firmus-Geldgebers Maas Group Holdings fielen in Sydney um bis zu 30 Prozent, der größte Kursverlust der Firmengeschichte. Maas erklärte laut investing.com, keine nicht offengelegten Informationen zu kennen, die dies erklärten. Naomi Wagura von Accela Research verwies zudem auf den Strombedarf der drei geplanten Rechenzentren in Tasmanien von rund 444 Megawatt.
Entscheidend wird, zu welchem Preis die Banken den Börsengang festzurren und ob der Handelsstart am 23. Oktober 2026 gelingt.
Evelyn Schmal, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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