Johnson & Johnson-Aktie gibt trotzdem nach: MedTech-Schwäche überschattet starke Zahlen
Johnson & Johnson übertrifft die Gewinnerwartungen und hebt die Prognose an, doch die Aktie gerät unter Druck. Die Gründe liegen im Medizintechnikgeschäft.
Werte in diesem Artikel
- Pharmariese schlägt Erwartungen beim Gewinn und hebt Prognose an
- Medizintechnik wächst nur um 2,5 Prozent und stagniert im Ausland
- Nahost, Sparkurs in Europa und Preisdruck in China bremsen MedTech-Sparte
Johnson & Johnson hat im dritten Quartal 2026 mehr verdient als erwartet und die Jahresprognose angehoben.
Es ist bereits die zweite Anhebung in Folge, nachdem Johnson & Johnson die Prognose schon im Juli erhöht hatte. Der Mittelpunkt der neuen Gewinnspanne liegt über den Erwartungen der Analysten. Auch beim Umsatz zeigt sich der Konzern zuversichtlicher und hob das untere Ende der Wachstumsspanne an, sodass er nun mit einem Plus von 7,2 bis 7,6 Prozent rechnet. Rückenwind kommt vor allem von der Nachfrage nach neuen Medikamenten gegen Krebs und Autoimmunerkrankungen.
An der Börse überwiegt dennoch die Skepsis: Die Aktie legte vorbörslich zunächst zu, drehte dann aber ins Minus. Inzwischen verliert sie an der NYSE 5,49 Prozent auf 249,26 US-Dollar.Der bereinigte Gewinn je Aktie erreichte 2,59 US-Dollar und lag damit über dem Analystenkonsens von 2,52 US-Dollar, aber unter den 2,80 US-Dollar des Vorjahresquartals, gedrückt auch von Zukäufen wie Firefly Bio. Der Umsatz kletterte um 5,9 Prozent auf 25,4 Milliarden US-Dollar und traf die Erwartungen. Für das Gesamtjahr peilt der Konzern einen bereinigten Gewinn je Aktie von 11,05 bis 11,15 US-Dollar an, nach zuvor 10,96 bis 11,11 US-Dollar.
Talkumvergleich lässt den Nettogewinn schrumpfen
Unter dem Strich blieben im dritten Quartal nur 210 Millionen US-Dollar Gewinn übrig, nach knapp 5,2 Milliarden US-Dollar im Vorjahreszeitraum. Je Aktie entspricht das 0,09 US-Dollar nach 2,12 US-Dollar. Hauptgrund ist der jahrelange Rechtsstreit um angeblich krebserregende Talkumprodukte. Wie dpa-AFX berichtet, belasten Rückstellungen für einen milliardenschweren Vergleich, mit dem der Konzern die Klagen wegen Eierstockkrebs beilegen will. In der Überleitung zum bereinigten Ergebnis weist das Unternehmen für Rechtsstreitigkeiten eine Belastung von rund 5,5 Milliarden US-Dollar vor Steuern aus. Weil der bereinigte Gewinn diese Sonderlast ausklammert, rückt für Anleger das operative Geschäft in den Vordergrund, und dort fällt eine der beiden Sparten deutlich ab.
Medizintechnik bleibt hinter den Erwartungen zurück
Während die Pharmasparte Innovative Medicine ihren Umsatz um 7,7 Prozent auf knapp 16,8 Milliarden US-Dollar steigerte, kam die Sparte MedTech nur auf ein Plus von 2,5 Prozent auf 8,6 Milliarden US-Dollar. Wie Barron's berichtet, verfehlte sie damit die Schätzungen der Wall Street, weil alle vier Geschäftsbereiche hinter den Erwartungen zurückblieben. Am deutlichsten zeigt sich das in der Chirurgie, deren Umsatz um 0,6 Prozent auf gut 2,5 Milliarden US-Dollar nachgab, außerhalb der USA sogar um 3,4 Prozent. Kardiologie, Vision und Orthopädie wuchsen zwischen gut 3 und knapp 4,5 Prozent. Noch auffälliger ist das Gefälle zwischen den Regionen: In den USA legte die Medizintechnik um 4,8 Prozent zu, international trat sie mit einem marginalen Plus von 0,1 Prozent praktisch auf der Stelle.
Nahost, Europa und China drücken auf das Auslandsgeschäft
Die Gründe für die Flaute außerhalb der USA benannte Finanzchef Joe Wolk in einem Interview mit Reuters. Der Konflikt im Nahen Osten, Sparmaßnahmen in Europa und der Preisdruck in China belasteten das internationale Geschäft weiterhin, inzwischen sogar etwas stärker. Länder wie Kuwait, die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien legten zwar Wert auf eine erstklassige Gesundheitsversorgung, lenkten ihre Budgets nun aber in Richtung Verteidigung, sagte Wolk. Hinzu kommt eine hausgemachte Baustelle: Wie Reuters weiter berichtet, läuft das Geschäft mit den Herzpumpen von Abiomed weiter schleppend, seit eine britische Studie Zweifel am Einsatz der Pumpen vom Typ Impella bei bestimmten Hochrisikoeingriffen am Herzen geweckt hat. Der Umsatz von Abiomed sank im dritten Quartal um 2,3 Prozent auf gut 410 Millionen US-Dollar.
Mehr Schwung im Konzern, weniger in der Medizintechnik
Vorstandschef Joaquin Duato sieht im stärkeren Wachstum gegenüber dem Vorquartal einen Beleg für die zunehmende Dynamik des fokussierten Portfolios. Für den Gesamtkonzern trifft das zu, das operative Umsatzplus zog von 5,6 Prozent im zweiten auf 6,0 Prozent im dritten Quartal an. In der Medizintechnik lief es allerdings umgekehrt, hier verlangsamte sich das operative Wachstum von 3,6 auf 2,5 Prozent. Die Beschleunigung liefert damit fast allein das Pharmageschäft. Der Umsatz des Immunologiemittels Tremfya sprang um 68 Prozent auf 2,4 Milliarden US-Dollar und glich den Einbruch des Kassenschlagers Stelara um 54 Prozent mehr als aus. Immerhin stieg der bereinigte Vorsteuergewinn der Medizintechnik auf knapp 2,0 Milliarden US-Dollar, nach knapp 1,8 Milliarden US-Dollar im Vorjahresquartal.
Johnson & Johnson stellt zweistelliges Wachstum in Aussicht
Das Management räumt die Schwäche offen ein. Nach Angaben von Barron's kündigte der Konzern gezielte Maßnahmen an, um die Ergebnisse der Medizintechnik zu verbessern. Ein Baustein ist die geplante Trennung vom Orthopädiegeschäft, die im dritten Quartal vor Steuern bereits rund 370 Millionen US-Dollar an Kosten verursachte. Bloomberg zufolge erwägt der Konzern dafür eine Abspaltung. Neue Impulse soll zudem der Operationsroboter OTTAVA liefern, für den Johnson & Johnson im dritten Quartal die Marktzulassung der US-Gesundheitsbehörde FDA erhalten hat. Duato spricht mit Blick auf solche Neuerungen und Investitionen in wachstumsstarke Bereiche von einer klareren Perspektive auf zweistelliges Wachstum bis zum Ende des Jahrzehnts.
Orthopädie-Abspaltung und OTTAVA: Die Prüfsteine für J&J-Anleger
Für Anleger ist Johnson & Johnson damit vorerst vor allem eine Pharmageschichte: Solange Tremfya den Stelara-Einbruch mehr als ausgleicht, trägt Innovative Medicine das Konzernwachstum und die angehobene Prognose. Der Kursrückgang zeigt jedoch, dass der Markt mehr verlangt als einen Gewinn über den Erwartungen. Die Medizintechnik bleibt die Schwachstelle, und ihre Probleme im Ausland liegen teils außerhalb der Kontrolle des Konzerns. Ob die angekündigten Maßnahmen greifen, entscheidet sich an zwei Punkten: an Zeitplan und Form der Orthopädie-Trennung und daran, wie schnell OTTAVA nach der Zulassung Umsatz liefert. Bis dahin dürfte die Medizintechnik den Bewertungsspielraum der Aktie eher begrenzen, während das Pharmageschäft ihn stützt.
Benedict Kurschat, Thomas Zoller, Julia Walter, Redaktion finanzen.net mit Material von dpa-AFX
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