AST SpaceMobile-Aktie bricht wegen Verwässerungssorgen ein: Milliardenanleihe nährt Spekulation um Raketenkauf
Mit einer frischem Kapital nährt AST SpaceMobile Spekulationen über einen ungewöhnlichen nächsten Schritt im Orbit. Die Aktie bricht wegen möglicher Verwässerung ein.
Werte in diesem Artikel
- AST SpaceMobile platziert milliardenschwere Wandelanleihe
- Analyst vermutet möglichen Kauf eines Raketenanbieters
- Vertikale Integration von Rocket Lab als Vorbild
AST SpaceMobile hat am Mittwoch die Bepreisung einer Wandelanleihe über eine Milliarde US-Dollar abgeschlossen und damit frisches Kapital für den Ausbau des eigenen Satellitennetzes gesichert. Die Schuldverschreibungen laufen bis 2034, tragen einen Zinssatz von 1,625 Prozent und lassen sich zu einem anfänglichen Wandlungspreis von rund 79,57 US-Dollar in Aktien der Klasse A umtauschen. Zum Vergleich: Zuletzt beendete die AST SpaceMobile-Aktie den Handel bei 66,31 US-Dollar.
Satellitenkommunikations-Analyst Tim Farrar sieht in der geplanten Mittelverwendung mehr als eine reine Finanzierungsrunde, wie er über X mitteilte: Aus seiner Sicht bereitet das Unternehmen den Einstieg bei einem Raketenanbieter vor.
Wofür AST SpaceMobile das frische Kapital einsetzen will
Nach Abzug der Kosten für die begleitenden Capped-Call-Transaktionen und der Emissionskosten rechnet AST SpaceMobile mit einem Nettoerlös von rund 983,6 Millionen US-Dollar, bei voller Ausübung der Mehrzuteilungsoption von bis zu 1,131 Milliarden US-Dollar. Rund 96,9 Millionen US-Dollar davon fließen in die Capped-Call-Struktur, die eine Verwässerung der Altaktionäre bei einer späteren Wandlung begrenzen soll. Den verbleibenden Nettoerlös will das Unternehmen laut eigener Mitteilung für Wachstumsinitiativen sowie für zusätzlichen Zugang zur Erdumlaufbahn einsetzen, einschließlich möglicher Partnerschaften und/oder Übernahmen, die das eigene Geschäft stärker vertikal integrieren und die Abhängigkeit von externen Raketenanbietern verringern sollen, wie es in der zugehörigen Pressemitteilung heißt. Verbindliche Vereinbarungen zu solchen Transaktionen bestehen laut AST SpaceMobile derzeit nicht.
Analyst Tim Farrar: Deutet die Anleihe auf einen Raketenkauf hin?
Genau diese Passage zur vertikalen Integration wertet Farrar als Hinweis auf einen möglichen Zukauf im Raketenstartmarkt. Er fragt sich, welcher Anbieter angesichts der aktuellen Bewertungen überhaupt bereit wäre, sich für weniger als eine Milliarde US-Dollar zu einem Verkauf anzubieten. Als naheliegendster Kandidat gilt in der Debatte United Launch Alliance, das nicht börsennotierte Gemeinschaftsunternehmen von Boeing und Lockheed Martin. Farrar bezweifelt allerdings, dass ein Zukauf kurzfristig zusätzliche Startkapazität bringen würde: Freie Vulcan-Starts seien bei ULA kaum vorhanden, und ein Zugriff auf bereits vergebene Slots könnte Amazon treffen, das rund vier Milliarden US-Dollar in ULA-Starts für sein Kuiper-Satellitenprojekt investiert hat. Als weitere mögliche Ziele nannte Farrar Firefly Aerospace sowie die nicht gelisteten Anbieter Relativity Space und Stoke Space.
Rocket Lab als Vorbild, SpaceX-Kapazität als Engpass
Aus Farrars Sicht orientiert sich AST SpaceMobile am Modell von Rocket Lab, das Raketenstart- und Satellitengeschäft zunehmend aus einer Hand anbietet. Der Analyst verweist darauf, dass AST SpaceMobile bei der milliardenschweren Übernahme von Iridium überboten wurde und nun offenbar einen eigenen Weg zur vertikalen Integration sucht. Als weiteres Indiz führt er den Verweis auf ein einzelnes Trägerraketenmodell in der Mitteilung an, was nach seiner Lesart auf eine engere Bindung an Blue Origins New-Glenn-Rakete hindeutet, nachdem SpaceX offenbar keine zusätzlichen Startplätze mehr frei habe. AST SpaceMobile plant für Anfang 2027 rund 45 Starts seiner BlueBird-Satelliten.
Ob aus der Spekulation eine konkrete Transaktion wird, dürfte sich in den kommenden Wochen zeigen: Anleger können beobachten, ob AST SpaceMobile nach der für den 20. Juli geplanten Abwicklung der Anleihe erste Details zu Partnerschaften oder Übernahmen im Startsegment nennt.
AST SpaceMobile-Aktie sackt ab
Bis dahin scheinen Anleger insbesondere vor einer möglichen Verwässerung der AST SpaceMobile-Aktie reißaus zu nehmen. So ging es schon gestern 3,65 Prozent auf 66,31 US-Dollar nach unten für die Aktie. Im vorbörslichen NASDAQ-Handel am Donnerstag verliert das Papier stellenweise 10,42 Prozent auf 59,40 US-Dollar.
Martina Köhler, Redaktion finanzen.net
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