Aktien von ViaSat, Iridium und EchoStar im Blick: Sind das die unterschätzten Profiteure des SpaceX-IPO?

Der Börsengang von SpaceX hat die Erwartungen selbst optimistischer Marktbeobachter übertroffen. Doch Investoren suchen längst nach den Profiteuren der zweiten Reihe.
Werte in diesem Artikel
• Rekord-IPO von SpaceX lenkt Blick auf gesamten Satellitensektor
• ViaSat, EchoStar und Iridium besitzen begehrte Frequenzrechte mit Milliardenpotenzial
• Hohe Hoffnungen treffen auf regulatorische und operative Risiken
Die Aktie von Elon Musks Weltraumkonzern SpaceX bleibt nach ihrem Rekord-Börsengang weiter gefragt: Nachdem das Papier bereits an seinem ersten Handelstag um rund 19 Prozent gestiegen war, legte es am Montag an der NASDAQ um weitere 19,6 Prozent zu. Auch am Dienstag setzen sich die Gewinne mit einem weiteren Plus von 4,83 Prozent auf 201,80 US-Dollar fort.
Rekord-Börsengang von SpaceX dank Greenshoe noch größer
Rückenwind erhielt die SpaceX-Aktie zum Wochenstart dabei auch durch die Mitteilung des Unternehmens, dass die Konsortialbanken ihre sogenannte Greenshoe-Option vollständig ausgeübt und weitere 83,3 Millionen Aktien zum Emissionspreis erworben haben. Das Volumen des Rekord-Börsengangs stieg somit noch einmal deutlich von bisher 75 Milliarden US-Dollar auf nun 85,7 Milliarden US-Dollar - und vergrößerte somit den Abstand zum bisherigen Rekordhalter Saudi Aramco weiter: Der saudische Ölkonzern hatte bei seinem Börsengang 2019 nach Ausübung seiner Greenshoe-Option mit 29,4 Milliarden US-Dollar nur ein gutes Drittel der von SpaceX erzielten Summe erlöst.
Doch während sich die Aufmerksamkeit auf Elon Musk und SpaceX richtet, suchen Investoren längst nach den Profiteuren der zweiten Reihe. Dabei rücken Unternehmen wie ViaSat, EchoStar und Iridium Communications in den Fokus. Ihre Investmentstory basiert nicht darauf, dass sie SpaceX schlagen könnten. Im Gegenteil: Der eigentliche Hebel könnte darin liegen, dass SpaceX und andere Marktteilnehmer ihre Infrastruktur und vor allem ihre Frequenzrechte benötigen.
Warum Frequenzen plötzlich Milliarden wert sind
Wie "Barron's" schreibt, habe die Euphorie rund um SpaceX den Blick der Investoren auf einen bislang wenig beachteten Vermögenswert gelenkt: Satellitenfrequenzen. So ist etwa Starlink inzwischen zum dominierenden Wachstums- und Gewinnmotor von SpaceX geworden. Die IPO-Unterlagen und Analysen zum Börsengang zeigen, dass das Satellitengeschäft mittlerweile deutlich wichtiger für die Bewertung des Weltraumunternehmens ist als das aufsehenerregendere Geschäft mit Raketenstarts.
Doch je erfolgreicher Starlink wird, desto größer wird auch der Bedarf an zusätzlichen Frequenzen und Netzwerkkapazitäten. Damit steigt indirekt auch der strategische Wert von Unternehmen wie ViaSat, EchoStar und Iridium, die über genau diese Ressourcen verfügen. Denn die sogenannten Mobile-Satellite-Service-Spektren (MSS) gelten als zentrale Ressource für die nächste Entwicklungsstufe satellitengestützter Kommunikation. Insbesondere beim boomenden Markt für Direct-to-Device-Diensten, bei denen Smartphones direkt mit Satelliten kommunizieren, werden entsprechende Frequenzen dringend benötigt.
Mit SpaceX, Amazons Kuiper-Projekt oder AST SpaceMobile kämpfen gleich mehrere finanzstarke Akteure um dieselben Ressourcen. In einem Markt, in dem der Aufbau neuer Satellitennetze Milliarden verschlingt und regulatorische Genehmigungen Jahre dauern können, werden bestehende Frequenzrechte daher zu einem strategischen Gut.
"Barron's" verweist darauf, dass bereits konkrete Transaktionen den Wert dieser Frequenzen sichtbar gemacht haben: So sicherte sich SpaceX in der Vergangenheit bereits bei EchoStar Lizenzen für ein Frequenzspektrum von 65 Megahertz (MHz) im Wert von rund 17 Milliarden US-Dollar. Diese Transaktion hat die Aufmerksamkeit des Marktes auf andere Spektrumseigentümer gelenkt.
ViaSat: Die Wette auf versteckte Vermögenswerte
Besonders stark profitieren könnte ViaSat. Das Unternehmen verfügt laut "Barron's" über ein weltweites Spektrum im Umfang von 68 MHz, darunter auch L-Band-Spektrum, das Signale über große Entfernungen übertragen und Hindernisse durchdringen kann. Analysten von Raymond James bewerten dieses Portfolio laut der Nachrichtenseite mit 15 Milliarden US-Dollar. "Angesichts der hohen Bewertungen, die bei jüngsten Transaktionen für knappes, hochwertiges Direct-to-Device-Spektrum erzielt wurden, sehen wir in ViaSats Portfolio - das wohl das weltweit größte und am wenigsten mit Altlasten behaftete ist - erhebliches Aufwärtspotenzial", schrieb Analyst Brent Penter im Mai.
Für Anleger eröffnet sich damit eine ungewöhnliche Situation. Sollte die Nachfrage nach Frequenzen weiter steigen, könnte ViaSat von Verkäufen, Partnerschaften oder langfristigen Nutzungsvereinbarungen profitieren. Es gibt dabei allerdings ein Problem: Laut "Barron's" hat das Unternehmen zugesagt, sein Frequenzspektrum in ein Joint Venture mit dem in den Vereinigten Arabischen Emiraten ansässigen Unternehmen Space42 einzubringen und so einen neuen Wettbewerber im Markt für Direct-To-Device-Dienste zu schaffen. ViaSat-CEO Mark Dankberg betonte jedoch im Rahmen der jüngsten Zahlenvorlage, es werde nicht zwingend das gesamte Spektrum für das Joint Venture mit Space42 benötigt. Ein Teil könnte demnach auch zu Geld gemacht werden.
Iridium mit strategischer Stellung
Ein weiterer versteckter Profiteur könnte Iridium sein. Anders als ViaSat ist das Unternehmen weniger vom klassischen Breitbandgeschäft abhängig, sondern konzentriert sich auf spezialisierte Kommunikationsdienste für Regierungen, Militär, Schifffahrt, Luftfahrt und industrielle Anwendungen. Die Bedeutung dieses Geschäfts zeigt sich in den Verträgen mit der US-Regierung. Das Unternehmen verfügt über einen langfristigen Vertrag mit der US Space Force im Umfang von mehr als 700 Millionen US-Dollar und erzielt stabile Einnahmen aus Regierungsdiensten.
Gleichzeitig arbeitet Iridium daran, vom Trend zu Direct-to-Device-Anwendungen zu profitieren. Mit dem Projekt "Iridium NTN Direct" entwickelt das Unternehmen eine standardisierte Satellitenanbindung für Mobilgeräte und IoT-Anwendungen. Kooperationen mit Partnern wie der Deutschen Telekom zeigen, dass sich Iridium frühzeitig im entstehenden Markt für satellitengestützte Mobilfunkdienste positioniert.
Für Investoren ergibt sich daraus eine doppelte Chance: Einerseits verfügt Iridium über ein profitables Kerngeschäft mit hohen Eintrittsbarrieren, andererseits besitzt das Unternehmen ebenfalls wertvolle Frequenzrechte, die in Zukunft erheblich an Bedeutung gewinnen könnten. Aktuell werde Iridiums L-Band-Spektrum von rund neun MH von Analysten mit 3,5 Milliarden US-Dollar bewertet, schreibt "Barron's".
Warum die Euphorie gefährlich werden könnte
So überzeugend die Investmentstory klingt, sie ist keineswegs risikolos. So legten die Aktien von ViaSat und EchoStar auf Sicht der letzten zwölf Monate zwar um rund 400,5 Prozent bzw. 383,5 Prozent zu, mussten innerhalb des letzten Monats jedoch Rückschläge um 7,16 Prozent bzw. 13,66 Prozent hinnehmen - trotz des großen Hypes um das SpaceX-IPO. Bei der Iridium-Aktie ging es innerhalb eines Jahres nur um rund 58,7 Prozent nach oben, dafür ist die Performance auf Sicht der letzten vier Wochen mit einem Plus von 4,18 Prozent hier noch positiv.
"Barron's" warnt zudem ausdrücklich davor, dass ein erheblicher Teil der 12-Monats-Kursgewinne auf Spekulationen über mögliche Frequenzdeals zurückzuführen ist. Kommen diese Geschäfte nicht zustande, könnten die Erwartungen des Marktes schnell enttäuscht werden. Hinzu kommt auch noch ein regulatorisches Risiko: Die US-Regulierungsbehörden planen, bis 2027 zusätzliche Frequenzbereiche für Satelliten- und Mobilfunkanwendungen verfügbar zu machen. Sollte das Angebot an nutzbarem Spektrum deutlich steigen, würde die Knappheit bestehender Frequenzrechte abnehmen und damit auch der Wert der Portfolios der genannten Unternehmen.
Carolin Ludwig, Evelyn Schmal, Martina Köhler, Redaktion finanzen.at mit Material von dpa-AFX
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Bildquellen: SpaceX
