Telekom-Aktie unter der Lupe: Bringt die hohe Verschuldung Anleger in Bedrängnis?
Die Telekom setzt auf Dividenden und Aktienrückkäufe, während die Nettofinanzschulden im ersten Halbjahr 2026 gestiegen sind. Ein Kommentar sieht darin ein Problem.
- Kapitalrückführung an Aktionäre treibt die Verschuldung des Konzerns mit
- Am Anleihemarkt zeigt sich ein Vergleich mit Fresenius und E.ON
- Der nächste Quartalsbericht liefert neue Hinweise zur Schuldenentwicklung
Die Deutsche Telekom, Telekommunikationskonzern mit Schwerpunkt Deutschland, USA und Europa, ist mit Nettofinanzschulden von rund 138 Milliarden Euro der höchstverschuldete börsennotierte Konzern Deutschlands. Ein Handelsblatt-Kommentar wirft ihr vor, nicht das Nötige zu tun: Statt Schulden abzubauen, fließe das Geld in steigende Dividenden und Rückkäufe.
Schuldenstand und Treiber
Die Netto-Finanzverbindlichkeiten einschließlich Leasing lagen laut Medieninformation der Telekom zum 30. Juni bei 138,39 Milliarden Euro, nach 132,52 Milliarden Euro zum Jahresende 2025.
Nach Angaben der Telekom stammt der Anstieg im ersten Halbjahr zu einem großen Teil aus Kapitalrückführung: Rückkäufe bei T-Mobile US kosteten 6,1 Milliarden Euro, eigene Rückkäufe 1,0 Milliarden Euro, Dividenden 5,8 Milliarden Euro. Dazu kamen negative Währungseffekte von 2,9 Milliarden Euro. Ein starker Cashflow von 13,4 Milliarden Euro milderte den Effekt teilweise ab.
Rückkäufe und Leitplanken der Telekom
Der Vorstand stockte das Rückkaufprogramm 2026 am 6. August auf bis zu 5 Milliarden Euro auf, zuvor waren bis zu 2 Milliarden Euro vorgesehen. Im dritten Quartal 2026 habe die Telekom nach eigenen Angaben Aktien für rund 0,75 Milliarden Euro zurückgekauft. Höttges habe erklärt, die Zahlen seien stark, die Aktie spiegele diese Stärke aus seiner Sicht aber nicht wider.
Die selbstgesetzte Leitplanke für das Verhältnis von Nettoverschuldung zu bereinigtem EBITDA liegt bei höchstens 2,75, zum 30. Juni 2026 lag der Wert bei 2,68. Die Ratings lauten laut Telekom A3 bei Moody's sowie A- bei S&P und Fitch, jeweils mit stabilem Ausblick. Die Liquiditätsreserve beträgt 14,7 Milliarden Euro.
Anleihemarkt im Vergleich
Das Handelsblatt stellt Fresenius gegenüber: Fresenius drückte die Schulden von 24,7 Milliarden Euro auf zehn Milliarden Euro. Die Anleihe von 2023 mit 5,125 Prozent Kupon rentiert laut Handelsblatt (Stand 12. Oktober 2026) nur noch mit vier Prozent, und die Aktie legte seit Anfang 2023 um gut 60 Prozent zu.
Die Telekom-Anleihe mit Laufzeit bis 2045 trägt dagegen einen Kupon von 3,625 Prozent und wird mit 4,8 Prozent gehandelt. Eine E.ON-Anleihe bis 2044 rentiert ebenfalls mit 4,8 Prozent. Das Handelsblatt argumentiere, Unternehmen mit Schuldenabbau kämen günstiger an Geld.
Was das für Anleger bedeutet
Für Aktionäre der Telekom ergibt sich ein Zielkonflikt. Dividenden und Rückkäufe bringen ihnen unmittelbar Geld oder erhöhen ihren Anteil am Gewinn je Aktie, zugleich bleibt weniger für die Tilgung. Solange die Ratings im A-Bereich liegen und die eigene Leitplanke hält, steht die Finanzierung nicht in Frage. Der Abstand zur selbstgesetzten Obergrenze ist allerdings schmal, der Puffer für ein schwächeres Ergebnis oder ungünstige Wechselkurse entsprechend klein.
Der Anleihemarkt liefert den zweiten Blickwinkel. Liegen die Renditen über den Kupons der laufenden Papiere, wird jede Anschlussfinanzierung teurer. Höhere Zinskosten schmälern den freien Cashflow und damit auf Dauer auch den Spielraum für Ausschüttungen. Wie stark dieser Effekt ausfällt, hängt davon ab, welche Volumina in den kommenden Jahren fällig werden und zu welchen Konditionen die Telekom sie ersetzen kann.
Neue Anhaltspunkte liefert der Bericht zum dritten Quartal, den die Telekom in wenigen Wochen vorlegen will. Im Blick stehen dann drei Fragen: ob die Nettoverschuldung weiter zulegt, wie nah die Kennziffer zur Leitplanke rückt und welcher Teil des aufgestockten Rückkaufrahmens bis Ende September ausgeschöpft war.
Evelyn Schmal, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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