Stabilisierungsversuch

Rheinmetall-Aktie zieht an: Sektor erholt sich von Analystendruck - auch RENK, HENSOLDT und TKMS fester


Rheinmetall-Aktie zieht an: Sektor erholt sich von Analystendruck - auch RENK, HENSOLDT und TKMS fester

Nach Tagen unter Druck drehen Rheinmetall, RENK, HENSOLDT und TKMS am Dienstag ins Plus. Was die Erholung trägt und welche Nachrichten davor standen.

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  • Rüstungsaktien am Dienstag von jüngster Schwäche erholt
  • Auslöser der Erholung ist unter anderem ein Bundeswehr-Auftrag vom Montag
  • Davor hatten eine BofA-Kurszielsenkung und der F126-Verlust den Sektor belastet
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Nach mehreren schwächeren Handelstagen drehen die Aktien der vier großen deutschen Rüstungswerte am Dienstag ins Plus: Rheinmetall notiert zeitweise 1,61 Prozent fester bei 1.006,20 Euro und durchbricht damit wieder die Marke von 1.000 Euro. RENK und HENSOLDT legen derweil 1,64 Prozent auf 44,74 Euro bzw. 2,34 Prozent auf 76,96 Euro zu. TKMS gewinnt unterdessen 1,89 Prozent auf 81,00 Euro.

Die Erholung folgt auf eine Phase, in der ein gesenktes Kursziel der Bank of America und der überraschende Verlust eines Großauftrags die Stimmung im Sektor gedrückt hatten.

Am Montag hatte Rheinmetall zusätzlich einen neuen Millionenauftrag der Bundeswehr vermeldet, der nun mit etwas Verzögerung offenbar auch beim Kurs ankommt. Wie nachhaltig die Gegenbewegung ist, dürfte sich erst an den kommenden Quartalszahlen der vier Werte zeigen.

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Neuer Bundeswehr-Auftrag für Rheinmetall

Rheinmetall vermeldete am Montag einen weiteren Abruf aus dem milliardenschweren D-LBO-Rahmenprogramm der Bundeswehr zur Digitalisierung Landbasierter Operationen. Auftragnehmerin ist die ARGE IT-Systemintegration aus Rheinmetall Electronics und dem Partner blackned, das Volumen des Abrufs liegt bei 100 Millionen Euro. Laut Unternehmensangaben umfasst er unter anderem 5.000 Adapterplattensätze und 11.000 robuste Pin Pads, mit denen IT- und Funkgeräte in Fahrzeuge der Bundeswehr integriert werden. Zusätzlich stellt die ARGE zehn weitere Serienintegrationsteams für den Zeitraum vom vierten Quartal 2027 bis zum vierten Quartal 2028 bereit. Rheinmetall selbst ordnet den Abruf als Fortführung des Großprogramms ein, nicht als eigenständigen neuen Meilenstein. Am Montag selbst reichte die Meldung nicht, um den Kurs gegen den Sektortrend zu drehen. Scheinbar wussten Anleger die Nachricht noch nicht recht einzuordnen.

Analystenkommentar drückt aufs Sentiment

Die Zurückhaltung der vergangenen Handelstage hatte vor allem mit einer Kurszielsenkung der Bank of America vom Freitag zu tun. Analyst Benjamin Heelan strich das Kursziel für Rheinmetall von 1.770 auf 1.300 Euro zusammen, beließ die Einstufung aber bei Kaufen. Begründet wurde der Schritt mit einem strukturellen Wandel der Kriegsführung hin zu Drohnen und Präzisionswaffen, der die langfristigen Erwartungen an das klassische Munitionsgeschäft dämpft und laut Heelan auch die Investitionsplanung der NATO-Mitgliedstaaten umlenken dürfte.

Bereits Anfang Juli hatte JPMorgan-Analyst David Perry auf das zunehmende Tempo dieses technologischen Wandels hingewiesen und Unsicherheit wegen des Gewichts der Sparten Munition und Militärfahrzeuge am Rheinmetall-Umsatz betont. Seit Jahresbeginn steht bei der Rheinmetall-Aktie weiterhin ein Verlust von über 30 Prozent zu Buche, den auch die jüngste Gegenbewegung bislang nur teilweise ausgeglichen hat.

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Fregattenwechsel als Belastungsfaktor

Der eigentliche Belastungsfaktor für den Sektor reicht weiter zurück: Ende Juni vergab die Bundeswehr das Fregattenprogramm F126 überraschend an TKMS statt an Rheinmetall. Nach Einschätzung von mwb-Research-Analyst Jens-Peter Rieck kostete das Rheinmetall ausgerechnet jenes Argument, mit dem die Übernahme des Schiffsbauers Naval Vessels Lürssen begründet worden war. Rieck strich daraufhin seine eigene Kaufempfehlung für Rheinmetall. Nach dem NATO-Gipfel Anfang Juli stufte mwb research zudem gleich mehrere Rüstungswerte herab, darunter neben Rheinmetall auch HENSOLDT. Diese beiden Ereignisse gelten als Hauptgrund für die Talfahrt der vergangenen Wochen, aus der sich der Sektor am Dienstag nun zu lösen versucht.

Healey-Nominierung in Großbritannien treibt Rüstungswerte an

Positive Nachrichten für den Rüstungssektor kommen derweil aus Großbritannien: der neue britische Premier Andy Burnham machte überraschend den früheren Verteidigungsminister John Healey zum Finanzminister. Healey hatte das Kabinett im Juni aus Protest gegen den Kurs von Burnhams Vorgänger Keir Starmer verlassen. Vor allem britische Rüstungswerte waren dadurch gefragt: In London zog der Kurs von BAE Systems um 3,6 Prozent an, während die Titel von Babcock International sogar 7,5 Prozent gewannen. Bei QinetiQ Group betrug das Kursplus etwa 4 Prozent. Weitere internationale Profiteure waren die Aktien des italienischen Konzerns Leonardo mit plus 3,8 Prozent sowie des französischen Thales-Konzerns mit einem Anstieg von 1,2 Prozent.

Laut Citigroup-Analyst Charles Armitage ist die Postenvergabe an Healey eine erst einmal erfreuliche Nachricht für Anleger im Rüstungssektor. Healey habe seinen vorherigen Rückzug als Verteidigungsminister schließlich mit fehlenden Finanzmitteln begründet. Er erwähnte allerdings auch, dass Healey als Finanzminister mit zahlreichen Ausgabenforderungen konfrontiert sein werde. Es bleibe daher abzuwarten, wie viele Mittel er tatsächlich für die Verteidigung bereitstellen könne.

Laut Armitage sind vor allem Babcock und Qinetiq mit einem hohen Umsatzanteil in Großbritannien von dieser Entwicklung begünstigt, aber auch BAE Systems habe einen lokalen Umsatzanteil von bis zu 30 Prozent. Wichtige Profiteure außerhalb des Landes sieht er in Thales und Leonardo mit 10 bis 15 Prozent britischem Umsatzanteil.

Worauf Anleger achten sollten

Der nächste Test für die aktuelle Erholung sind die Quartalszahlen: HENSOLDT berichtet am 31. Juli, Rheinmetall und RENK folgen am 6. August. Erst dann dürfte sich zeigen, ob die Gegenbewegung vom Dienstag der Beginn einer nachhaltigeren Stabilisierung ist oder nur eine kurze Verschnaufpause in einer weiterhin nervösen Branche.

Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net mit Material von dpa-AFX

Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.

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Bildquellen: Tobias Arhelger / Shutterstock.com, Oliver Hoffmann / Shutterstock.com

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10.07.26 Rheinmetall Buy Jefferies & Company Inc.
08.07.26 Rheinmetall Outperform Bernstein Research
08.07.26 Rheinmetall Buy Joh. Berenberg, Gossler & Co. KG (Berenberg Bank)
07.07.26 Rheinmetall Buy UBS AG
03.07.26 Rheinmetall Buy Deutsche Bank AG