Aktien von Intel und AMD im Blick: China-Verträge treiben Serverchip-Preise auf Rekordniveau
Warum US-Chipriesen jetzt auf mehrjährige Lieferverträge mit chinesischen Kunden setzen, zeigt der Blick auf die Preise für Server-Prozessoren.
Werte in diesem Artikel
- Intel und AMD sichern sich chinesische Abnahmeverträge, meist für ein Jahr
- Serverchipmodelle in China wurden seit Jahresbeginn teils über 40 Prozent teurer
- Intel legt heute Quartalszahlen vor, AMD berichtet erst Anfang August
Intel und AMD sichern sich nach einem Reuters-Bericht teils mehrjährige Abnahmeverträge mit chinesischen Serverkunden, während die Preise für Rechenzentrumsprozessoren in China weiter anziehen. Die Nachrichtenagentur beruft sich dabei auf mit den Gesprächen vertraute Personen. Für die beiden US-Chiphersteller verschiebt sich damit die Verhandlungsmacht: Wer Liefermengen zusichern kann, sichert sich auch mehr Preisspielraum in einem Markt, der zunehmend nach CPU-Kapazität hungert.
Was die neuen Verträge regeln
Die Vereinbarungen sichern nach Angaben der Quellen vor allem Abnahmemengen, nicht die Preise selbst. Die meisten Verträge laufen über etwa ein Jahr, mit einzelnen Kunden wurden aber auch schon Laufzeiten von zwei Jahren oder mehr besprochen. Der Mechanismus ähnelt dem, was zuvor bereits am Speicherchipmarkt zu beobachten war: Käufer sichern sich Liefertreue, Anbieter behalten sich Preisanpassungen vor, solange der Markt eng bleibt. Intel und AMD äußerten sich auf Anfrage von Reuters nicht zu den Gesprächen.
Woher der Preisdruck kommt
Auslöser ist eine seit Monaten wachsende Verknappung bei Serverprozessoren in China. Bei einzelnen Produkten steigen die Preise im Monatsvergleich um mehr als zehn Prozent, seit Jahresbeginn liegt das Plus bei einzelnen Modellen bei mehr als 40 Prozent, wie eine der Quellen Reuters mitteilte. Bereits Anfang des Jahres hatte die Nachrichtenagentur berichtet, dass Intel und AMD chinesische Kunden vor langen Lieferzeiten gewarnt hatten, bei Intel teils vor bis zu sechs Monate. Damit kehrt sich eine alte Reihenfolge um: Serverprozessoren galten bislang als leichter verfügbar als KI-Beschleuniger oder Speicherchips.
KI-Boom erfasst die gesamte Lieferkette
Rechenzentren für künstliche Intelligenz benötigen längst nicht mehr nur Grafikprozessoren im Stil von NVIDIA. Server, Speicher, Netzwerktechnik und sogenannte Inferenz-Workloads laufen über klassische Prozessoren, und genau dort verschärft sich nun die Knappheit. China zählt zu den größten Servermärkten der Welt und baut Rechenzentren, KI-Cluster und nationale Rechenkapazitäten in hohem Tempo aus, während chinesische Käufer gleichzeitig mit separaten US-Beschränkungen beim Zugang zu den leistungsstärksten KI-Grafikchips zu kämpfen haben.
Intel-Aktie: Ausblick auf die Quartalszahlen
Am Vortag der Intel-Zahlen zeigte sich das Bild an der Börse gemischt. Die AMD-Aktie schloss am Mittwoch an der NASDAQ mit einem Plus von 1,45 Prozent bei 552,33 US-Dollar und legte nachbörslich um weitere 0,3 Prozent auf 554 US-Dollar zu. Die Intel-Aktie rutschte am selben Tag um 2,68 Prozent auf 102,62 US-Dollar ab, drehte nachbörslich aber ins Plus und stieg um 1,14 Prozent auf 103,79 US-Dollar.
Intel legt seine Quartalszahlen heute nach US-Börsenschluss vor, und die CPU-Knappheit dürfte auf der Analystenagenda stehen. Konzernchef Lip-Bu Tan hatte im April erklärt, die Nachfrage laufe der Lieferfähigkeit hinterher, besonders bei den Xeon-Serverprozessoren, und nannte einen mehrjährigen Vertrag mit Google, der Kernmarke des Alphabet-Konzerns, als eines von mehreren langfristigen Abkommen aus dem ersten Quartal. AMD, das erst Anfang August berichtet, hatte seine Marktprognose für Serverprozessoren zuletzt auf mehr als 120 Milliarden US-Dollar bis 2030 angehoben und verwies dabei auf die Nachfrage durch sogenannte agentische KI-Anwendungen.
Beim heutigen Quartalsbericht von Intel dürften Anleger deshalb besonders auf Kommentare zu Lieferzeiten, Preisdisziplin und der Google-Vereinbarung achten. Sie zeigen, wie belastbar die neuen China-Verträge tatsächlich sind, bevor AMD Anfang August mit eigenen Zahlen nachlegt.
Alexandra Hesse, Redaktion finanzen.net
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