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Erneut Unruhe in der Kryptocommunity: Gemini-Gründer Winklevoss und Digital Currency streiten nach FTX-Pleite um Kryptowährungen im Milliardenwert

05.01.23 23:38 Uhr

Erneut Unruhe in der Kryptocommunity: Gemini-Gründer Winklevoss und Digital Currency streiten nach FTX-Pleite um Kryptowährungen im Milliardenwert | finanzen.net

Nach einem turbulenten Jahr für die Kryptowelt scheint auch 2023 in der Kryptocommunity keine Ruhe einzukehren. Ein Streit zwischen der Kryptobörse Gemini und einer Tochter der Digital Currency Group sorgt für erneute Unruhe.

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• FTX-Pleite zieht weitere Kreise
• Gemini und Genesis im Clinch
• Vorwürfe von Genesis-Chef an CEO der Digital Currency Group

Die Pleite der Kryptobörse FTX war der Höhepunkt eines von Skandalen und Schocks geprägten Jahres 2022 für die Kryptomärkte. Noch sind die Folgen für Unternehmen der Branche nicht endgültig abzusehen, zu verstrickt sind die Geschäftsbeziehungen zwischen vielen Kryptofirmen. Während der FTX-Gründer Sam Bankman-Fried wegen Betrugs, Geldwäsche und anderer Straftaten angeklagt wird, aber auf "unschuldig" plädiert, sind die Folgen der FTX-Insolvenz weiter nicht ausgestanden. Zwei von der Pleite betroffene Firmen, die Kryptobörse Gemini und Genesis, ein Tochterunternehmen der Digital Group, streiten sich nun öffentlichkeitswirksam um viel Geld.

FTX-Pleite bringt Gemini und Genesis in Bedrängnis

Die von den beiden Winklevoss-Brüdern gegründete Kryptobörse Gemini hatte Kunden das "Gemini Earn Programm" angeboten, im Rahmen dessen Investoren ihre Kryptowährungen an Gemini verleihen konnten, dafür wurden sie mit Zinsen von bis zu acht Prozent im Jahr belohnt. Partner des Programms war das Krypto-Unternehmen Genesis, eine Tochterfirma der Digital Currency Group. Genesis wiederum lieh Kryptofirmen wie Alameda Research, dem Handelsarm der inzwischen insolventen FTX-Börse, Krypto-Liquidität. Mit der Pleite von FTX geriet Genesis in Zahlungsschwierigkeiten und stoppte zunächst alle Kundenabhebungen. Betroffen davon war auch Gemini, die insgesamt 340.000 Teilnehmer des Earn-Programmes sollen Kryptowährungen im Wert von 900 Millionen US-Dollar an Genesis verliehen haben.

Da auch Gemini nun keinen Zugriff mehr auf die Assets der Nutzer hatte und damit den Kunden weder ihr Geld noch die versprochenen Zinsen auszahlen konnte, wurde die Kryptobörse von Kundenseite verklagt. Hauptkritikpunkt der Investoren: Gemini habe Anleger nicht genügend über die Risiken ihres Investments aufgeklärt, zudem sei das Earn-Programm nicht registriert gewesen, was die Geldanlagen der Kunden als Vermögenswerte gesichert hätte.

Cameron Winklevoss schießt gegen DCG-Chef Barry Silbert

Der Gemini-CEO Cameron Winklevoss gibt den Investorendruck nun weiter und nimmt den Chef der Genesis-Mutter Digital Currency Group, öffentlich ins Visier. Auf Twitter veröffentlichte er einen offenen Brief an Barry Silbert, in dem er ihm unter anderem vorwarf, dass er seit Wochen versuche, sich einem Treffen zur Lösungsfindung zu entziehen.

Dies seien "bösartige Hinhaltetaktiken", kritisiert Winklevoss. Darüber hinaus formuliert der Gemini-Chef Betrugsvorwürfe gegen Silbert: Dieser habe die von Gemini an Genesis verliehenen Kundengelder über einen Kredit an den Mutterkonzern DCG weitergeleitet, um mit dem Geld eigene Interessen zu verfolgen. Insgesamt schulde Genesis seinem Unternehmen 1,675 Milliarden US-Dollar, schreibt Winklevoss. "Sie haben dieses Geld - das Geld von Lehrern - genommen, um gierige Aktienrückkäufe, illiquide Risikoinvestitionen und kamikazeartige Grayscale-NAV-Geschäfte zu finanzieren, die den gebührengenerierenden AuM Ihres Trusts in die Höhe trieben. Alles auf Kosten der Gläubiger und zu Ihrem eigenen persönlichen Vorteil."

Silbert reagierte seinerseits auf Twitter und erklärte, man habe einen Vorschlag zur Lösung des Problems vorgelegt, Gemini habe darauf aber nicht reagiert. Zudem dementierte er, dass die DCG 1,675 Milliarden US-Dollar von Genesis geliehen habe, außerdem habe sein Unternehmen nie eine Zinszahlung an Genesis versäumt, die nächste Kreditfälligkeit sei im Mai 2023.

Winklevoss wiederum warf Silbert vor, sich als unschuldiger Zuschauer inszenieren zu wollen, der so tut, "als hätte er nichts mit diesem Chaos zu tun". Dies sei "völlig unseriös". Für die von ihm benannten 1,675 Milliarden US-Dollar existiere ein Schuldschein.

Kryptoexperten sehen DCG als systemrelevant

Das Krypto-Marktforschungsunternehmen Messari hat für den Ausgang des Streits zwischen der Kryptobörse Gemini und der Digital Currency Group unterdessen wenig optimistische Prognosen. In seinem Kryptoausblick für das Jahr 2023 nennt das Team DCG eines der systemrelevanten Unternehmen im Kryptoökosystem. Durch die Schieflage von Genesis "sehen die Optionen ziemlich düster aus", schreibt Messari. Dabei halten es die Experten für möglich, dass mit den Gläubigern eine außergerichtliche Einigung erzielt wird und diese einem Schuldenschnitt auf Einlagen als Gegenleistung für Schulden oder Eigenkapital zustimmen. Alternativ wäre eine Insolvenz von Genesis denkbar, was sowohl für die Muttergesellschaft als auch die externen Gläubiger einen langfristigen Prozess mit sich bringen dürfte. Als dritte Möglichkeit könnte sich die Digital Capital Group rekapitalisieren.

Offene Fragen seien in diesem Zusammenhang unter anderem, ob die DCG oder Genesis Besitzer des Grayscale Trust GBTC im Wert von 700 Millionen US-Dollar und des Grayscale Ethereum Trust ETHE seien. In letzterem Fall könnte es eine "weitere Welle der Ansteckung" im Kryptomarkt geben. Darüber hinaus sei zu klären, ob die Schuldverschreibung an Genesis kündbar sei. Eine kündbare Schuldverschreibung würde bedeuten, dass ein Liquidationsprozess von Genesis DCG dazu zwingen würde, das Geld sofort zurückzuzahlen, heißt es in dem Messari-Bericht.

Noch ist der Ausgang des Streits zwischen Gemini und Genesis, respektive der Muttergesellschaft DCG, aber offen.

Redaktion finanzen.net

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