Hormus-Krise

Ölpreise ziehen deutlich an: Weitere US-Angriffswelle am Golf - Trump dementiert Schließung der Straße von Hormus

13.07.26 07:47 Uhr

Ölpreise im Fokus: Iran-Konflikt eskaliert, Unsicherheit um Schließung von Straße von Hormus | finanzen.net

Nach neuen US-Angriffen auf Iran erklären die Revolutionsgarden die wichtigste Öl-Wasserstraße der Welt für gesperrt - Donald Trump widerspricht.

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  • Irans Revolutionsgarden erklären die Straße von Hormus für gesperrt und attackieren US-Ziele in Nachbarstaaten
  • USA fliegen dritte Angriffswelle diese Woche mit über 140 Zielen im Iran
  • Diplomatische Krisengespräche im Oman enden ohne Durchbruch

Der Konflikt zwischen Iran und den USA spitzt sich weiter drastisch zu, und damit rückt auch der Ölpreis wieder in den Blick der Märkte. In der Nacht auf Sonntag erklärten die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) die Straße von Hormus bis auf Weiteres für gesperrt, nachdem ihre Marine zuvor Warnschüsse auf ein Containerschiff abgegeben hatte. Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) meldet, musste die Besatzung des brennenden Schiffes laut der britischen Behörde UKMTO gerettet werden. Die USA reagierten prompt mit einer massiven neuen Angriffswelle auf iranisches Gebiet, woraufhin Teheran mit Gegenschlägen in mehreren Golfstaaten antwortete.

Iran droht mit Blockade nach US-Ultimatum

Die IRGC-Marine erklärte, ein kommerzielles Schiff habe eine nicht genehmigte Route in der Meerenge angesteuert, seine Ortungssysteme abgeschaltet und sei nach einem Warnschuss zum Stillstand gebracht worden. Die Straße von Hormus bleibe nun geschlossen, bis die USA ihre "Einmischung" in der Region beendeten. Wie dpa unter Berufung auf US-Regierungskreise berichtet, hatte Washington der Führung in Teheran zuvor eine Frist bis Samstag gesetzt, um eine freie und sichere Schifffahrt öffentlich zu garantieren. Die Straße von Hormus ist das Nadelöhr des globalen Energiehandels - eine anhaltende Blockade droht die ohnehin fragilen weltweiten Lieferketten komplett lahmzulegen.

Trump widerspricht Iran: Straße von Hormus ist offen

US-Präsident Donald Trump hat die Straße von Hormus entgegen iranischer Aussagen als offen für den Schiffsverkehr erklärt. "Sie ist offen", sagte Trump am Sonntag in der NBC-Sendung "Meet the Press". Auch das für die Region zuständige US-Regionalkommando Centcom schrieb in einem Post auf der Plattform X, die für den Handel wichtige Meerenge bleibe eine internationale Wasserstraße, die der Iran nicht kontrolliere.

US-Militär erklärt Angriffe auf Iran vorerst für beendet

Das US-Militär hat seine nächtlichen Attacken auf Ziele im Iran nach mehreren Stunden für beendet erklärt. Die Angriffswelle sei vorbei und habe Dutzende Zielobjekte mit Präzisionsmunition getroffen, teilte das zuständige US-Regionalkommando Centcom am frühen Morgen deutscher Zeit auf der Online-Plattform X mit. Flugabwehrsysteme, Radaranlagen, Raketenstellungen und Drohnenstandorte sowie kleinere Boote seien zerstört worden, um dem Iran weitere Attacken auf den internationalen Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus zu erschweren.

Es war bereits die vierte Angriffswelle der USA, seit die Feindseligkeiten in der Nacht zu Mittwoch wieder aufflammten. Neben Kampfflugzeugen und Flugdrohnen wurden diesmal laut Centcom auch erstmals schwimmende Drohnen eingesetzt. Dazu veröffentlichte das Militär ein Video, auf dem von einem Flugzeugträger abhebende Kampfjets sowie Marschflugkörper zu sehen sind, die von einem oder mehreren Kriegsschiffen abgefeuert werden. Außerdem sollen die Aufnahmen offensichtlich den Einschlag mehrerer Geschosse am Zielort zeigen. Die Angaben der US-Armee ließen sich nicht unabhängig überprüfen.

Die Straße von Hormus habe essenzielle Bedeutung für den weltweiten Handel und werde nicht vom Iran kontrolliert, betonte Centcom. Die US-Streitkräfte stünden bereit, um die Freiheit des zivilen Schiffsverkehrs zu verteidigen - auch gegen "die ungerechtfertigte Aggression des Irans, seine Schikane, Drohungen und willkürlichen Verlautbarungen".

UN-Generalsekretär António Guterres hatte sich nach Beginn der jüngsten Angriffswelle besorgt über die "erhebliche Eskalation" gezeigt. Eine Rückkehr zu umfassenden Kampfhandlungen hätte katastrophale Folgen für die Sicherheit der Region und die Weltwirtschaft, warnte er auf X. "Ich rufe den Iran und die USA nachdrücklich auf, die Verhandlungen unverzüglich wieder aufzunehmen und offene Fragen auf diplomatischem Wege zu lösen."

Gespräche in Maskat enden ohne Durchbruch

Parallel zur militärischen Konfrontation liefen in der omanischen Hauptstadt Maskat bis Samstagabend hochgradige diplomatische Krisengespräche. Der vermittelnde Golfstaat Oman legte dabei einen konkreten Vorschlag vor: Der Schiffsverkehr auf einer südlichen Route in omanischen Gewässern sollte wie vor dem Krieg gebührenfrei und frei möglich sein. Auf der nördlichen Route entlang der iranischen Küste wäre hingegen eine Genehmigung Teherans nötig, ebenfalls ohne Gebühren.

Wie das iranische Außenministerium laut dpa mitteilte, endeten die Gespräche am Samstag jedoch zunächst ohne Durchbruch. Das Verhandlungsformat auf politischer und technischer Ebene soll zwar fortgesetzt werden, um eine Verständigung zur Sicherheit der Schifffahrt zu erzielen, eine schnelle Deeskalation ist damit aber vorerst vom Tisch. Verschärft wird die politische Stimmung im Iran zudem durch das jüngste Staatsbegräbnis des Ende Februar getöteten obersten Führers Ajatollah Ali Chamenei, bei dem dessen Sohn und Nachfolger Modschtaba Chamenei im Staatsfernsehen harte Rache schwor.

Wie reagieren die Ölpreise?

Die Ölpreise haben am Montag nach einer weiteren Angriffswelle des US-Militärs deutlich zugelegt. Ein Barrel (159 Liter) der Referenzsorte Brent zur Lieferung im September legte im frühen Handel zeitweise um 4,46 Prozent auf 79,40 Dollar zu. Es war bereits die vierte Angriffswelle der USA, seit die Feindseligkeiten in der Nacht zu Mittwoch wieder aufflammten.

Die jüngsten Entwicklungen seien zwar eskalierend, blieben aber "deutlich unterhalb eines offenen Kriegszustands", sagte Saul Kavonic, Senior-Energieanalyst bei MST Marquee, der Nachrichtenagentur Bloomberg. Die Ölpreise dürften so lange weiter leicht steigen, wie die Angriffe andauern und die Passage durch die Straße von Hormus dadurch beeinträchtigt wird.

In den ersten Wochen und Monaten des Konflikts war der Ölpreis deutlich gestiegen. Ein Barrel der Referenzsorte Brent hatte zeitweise etwas mehr als 126 Dollar gekostet.

Alexandra Hesse, Evelyn Schmal, Julia Walter, Redaktion finanzen.net mit Material von dpa-AFX und Dow Jones Newswires

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