Crash der IBM-Aktie nach Gewinnwarnung: Kaufchance oder Warnsignal?
Nach dem historischen Kursrutsch steht die IBM-Aktie vor der entscheidenden Frage: War der 25-Prozent-Absturz eine Überreaktion - oder der Beginn einer Neubewertung?
Werte in diesem Artikel
- Die IBM-Aktie verliert binnen fünf Handelstagen rund 25 Prozent an Wert
- Auslöser war eine Gewinnwarnung samt ungewöhnlichem Eingeständnis des CEO
- Analysten mit hoher Kurszieldiskrepanz
Die IBM-Aktie hat binnen fünf Handelstagen rund 25 Prozent verloren. Nach einer leichten Erholung am Donnerstag fällt der Kurs vorbörslich am Freitag an der NYSE erneut um 2,40 Prozent auf 213,80 US-Dollar. Auslöser war der schlimmste Handelstag in der 115-jährigen Geschichte des Konzerns. Seither streiten Analysten darüber, ob der Ausverkauf eine Übertreibung war oder ob die Aktie zu Recht neu bewertet wird.
Absturz der IBM-Aktie hat eine Ursache
Am 14. Juli 2026 veröffentlichte IBM vorläufige Zahlen zum zweiten Quartal, die deutlich unter den Erwartungen lagen: Der Umsatz erreichte rund 17,2 Milliarden US-Dollar statt der erwarteten etwa 17,86 Milliarden US-Dollar, das bereinigte Ergebnis je Aktie lag bei 2,93 US-Dollar gegenüber einer Konsensschätzung von rund 3,01 US-Dollar. Konzernchef Arvind Krishna räumte in einem Brief an die Investoren ein, das Management habe auf eine Verschiebung der Kundenausgaben nicht schnell genug reagiert: Kunden hätten ihre Budgets gegen Ende Juni 2026 verstärkt in Server, Speicher und Arbeitsspeicher umgeleitet, um sich Kapazitäten vor erwarteten Preiserhöhungen zu sichern, wodurch mehrere große Abschlüsse nicht wie geplant zustande kamen. Die Aktie brach daraufhin um rund 25 Prozent ein und übertraf damit den Rückgang vom Schwarzen Montag 1987.
IBM-Aktie: Analysten tief gespalten
Entsprechend uneinheitlich fiel die Reaktion der Analysten aus, und sie änderte sich in den Tagen nach dem Crash mehrfach. HSBC-Analyst Abhishek Shukla stufte IBM bereits am 14. Juli 2026 von Hold auf Reduce herab und senkte das Kursziel von 231 auf 191 US-Dollar, mit Verweis auf eine gemessen am Sektor hohe Bewertung von rund dem 22-Fachen des für 2027 erwarteten bereinigten Gewinns.
Auch Oppenheimer korrigierte seine Haltung: Analyst Param Singh stufte die Aktie am selben Tag von Outperform auf Perform zurück und strich das bisherige Kursziel von 350 US-Dollar vollständig, weil er bezweifelt, dass IBM die eigene Jahresprognose oder ein zweistelliges währungsbereinigtes Softwarewachstum für 2026 und 2027 noch erreichen kann.
Andere Häuser blieben optimistischer: Morgan Stanley hob sein Kursziel trotz der Zahlen von 267 auf 293 US-Dollar an und beließ die Einstufung bei Equal-Weight, Goldman Sachs bestätigte Buy mit einem Kursziel von 335 US-Dollar, Citigroup bekräftigte seine Kaufempfehlung mit einem Ziel von 375 US-Dollar.
Was für und was gegen einen Einstieg spricht
Für die optimistischeren Häuser überwiegt, dass IBM die verschobenen Aufträge nicht als verloren einstuft, sondern als zeitlich versetzt, und dass das Kerngeschäft mit Software und der neuen z17-Mainframe-Generation langfristig intakt bleibt. Hinzu kommen die Investitionspläne im Quantencomputing sowie eine langjährige Dividendenhistorie mit einer Rendite von rund 3,1 Prozent. HSBC und Oppenheimer halten dagegen entweder die Bewertung oder die kurzfristigen Wachstumsaussichten im Softwaregeschäft für zu unsicher, um jetzt schon wieder zuzukaufen.
Claudia Stephan, Redaktion finanzen.net
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Alle: Alle Empfehlungen
| Datum | Rating | Analyst | |
|---|---|---|---|
| 08.12.25 | IBM Hold | Jefferies & Company Inc. | |
| 07.04.25 | IBM Hold | Jefferies & Company Inc. | |
| 31.03.25 | IBM Hold | Jefferies & Company Inc. | |
| 23.03.25 | IBM Neutral | JP Morgan Chase & Co. | |
| 30.01.25 | IBM Buy | Goldman Sachs Group Inc. |
