Anthropic-Aktie voraus: Warum sich das IPO offenbar auf November verschiebt - und was das für Anleger bedeutet
Statt im Oktober soll der Börsengang von Anthropic nun offenbar im November stattfinden, während eine Bewertung von rund 2 Billionen US-Dollar im Raum steht.
- Anthropic-IPO verzögert sich offenbar
- Sicherheitsdebatte um Amodeis Warnungen begleitet den Zeitplan
- Anleger richten den Blick auf eine mögliche Rekordbewertung
Anthropic verschiebt den geplanten Börsengang laut einem Bericht des Wall Street Journal von Oktober auf November. Der Entwickler des KI-Assistenten Claude nutze die zusätzliche Zeit nach Einschätzung von Beratern, um Zahlen für das dritte Quartal vorzulegen, während parallel eine öffentliche Sicherheitsdebatte um die Branche läuft.
Anthropic verschiebt Börsengang offenbar auf November
Mit der Angelegenheit vertraute Quellen erklärten laut investing.com, die Entscheidung sei bereits vor der öffentlichen Sicherheitsdebatte gefallen. Anthropic hatte bereits am 1. Juni vertraulich einen Börsenprospekt bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht, der Zeitpunkt des Listings sollte laut eigenen Angaben von den Marktbedingungen abhängen. Berater des Unternehmens sähen in der zusätzlichen Zeit die Chance, Zahlen für das dritte Quartal vorzulegen, die die Wettbewerbsposition unterstreichen sollen, die Terminierung bleibe aber vorläufig. Laut einem Bericht der New York Times kletterte die annualisierte Umsatzrate von Anthropic von 9 Milliarden US-Dollar Ende 2025 auf 65 Milliarden US-Dollar Ende Juli.
Dem Bericht zufolge soll Anthropic in den kommenden Tagen mit potenziellen Investoren zusammentreffen, um die Nachfrage für das Angebot auszuloten. Im Mittelpunkt der Gespräche stehen finanzieller Ausblick, Bewertung und der Effekt eines langsameren Tempos bei neuen KI-Modellen. OpenAI veröffentlichte im September sein neuestes Modell namens Astra, was den Wettbewerbsdruck in der Branche unterstreicht.
Anthropic-Aktie lässt auf sich warten: Sicherheitsdebatte begleitet den Zeitplan
Anthropic-CEO Dario Amodei warnte öffentlich vor Sicherheitsrisiken moderner KI-Werkzeuge, während OpenAI-Chef Sam Altman und xAI-Gründer Elon Musk Zustimmung zu neuen Sicherheitsstandards für die Branche signalisierten. Am Freitag wurde bekannt, dass die Verschiebung des Börsengangs auf November bereits vor dieser öffentlichen Debatte beschlossen worden sei, wie mit der Angelegenheit vertraute Personen gemäß investing.com erklärten.
Der bei Anthropic für Alignment zuständige Forscher Evan Hubinger bezifferte das Risiko einer KI-bedingten Katastrophe binnen eines Jahrzehnts auf über 10 Prozent und räumte ein, es gebe noch keinen tragfähigen Plan für das sogenannte Kontrollproblem bei Superintelligenz. OpenAI-Chefwissenschaftler Jakub Pachocki warnte laut CNBC, kein Unternehmen habe Ausrichtung und Kontrolle von KI so weit gelöst, dass ein Tempo an der Belastungsgrenze verantwortbar sei. Politisch forderte die US-Demokratin Lori Trahan über den parteiübergreifenden FRONTIER Act rasches Eingreifen des Kongresses, während Bernie Sanders und Greg Casar mit dem Ban Artificial Superintelligence Act eine zeitweise Zwangspause ins Gespräch brachten.
Was die Verzögerung für Anleger bedeutet
Trotz der Verschiebung rechnen Marktteilnehmer laut investing.com weiterhin mit einer wegweisenden Transaktion, die Anthropic mit rund 2 Billionen US-Dollar bewerten und bis zu 100 Milliarden US-Dollar einbringen könnte, womit der bisherige Börsengangsrekord von SpaceX deutlich übertroffen würde. Frühe Investoren gehen davon aus, dass Anthropic bis zum Jahresende einen annualisierten Umsatz von 110 Milliarden US-Dollar erreichen werde, während Berater und bestehende Aktionäre einschätzen, eine vorübergehende Pause bei neuen Modellveröffentlichungen werde die Umsatzdynamik nicht wesentlich beeinträchtigen. Anthropic hatte am 28. Mai eine Serie-H-Finanzierungsrunde über 65 Milliarden US-Dollar abgeschlossen, angeführt von Altimeter Capital, Dragoneer, Greenoaks und Sequoia Capital, die das Unternehmen mit 965 Milliarden US-Dollar post-money bewertete. Im September 2025 hatte eine Serie-F-Runde über 13 Milliarden US-Dollar die Bewertung noch bei 183 Milliarden US-Dollar verortet.
Institutionelle Anleger sehen im strategischen Fokus auf Risikominimierung einen Versuch, Anthropic nach der Notierung vor verschärfter Governance und regulatorischer Prüfung zu schützen. Zugleich könnte laut Investoren des Unternehmens eine weitere Mega-Finanzierungsrunde von OpenAI, das eine Bewertung von 1,2 Billionen US-Dollar anstrebt und seinen eigenen Börsengang auf 2027 verschiebt, erhebliche Marktliquidität absorbieren, was die Durchführung von Anthropics Börsengang im Spätherbst entscheidend machen könnte. Bei einem privaten Treffen stellte Anthropic zudem laut investing.com eine neue operative Initiative namens Model Hardware Standard vor, die Software-Agenten die Interaktion mit physischen Geräten wie Roboterarmen ermöglichen soll.
In den kommenden Tagen trifft Anthropic laut dem Bericht potenzielle Investoren, um Nachfrage und Bewertung für das Angebot auszuloten. Ob der November-Termin hält, bleibt bis zu einer offiziellen Bestätigung durch das Unternehmen offen.
Bettina Schneider, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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