Kerosin-Entlastung: Aktien von Lufthansa, TUI & Air France-KLM auf Erholungskurs

Nach dem besiegelten Abkommen zwischen Washington und Teheran bricht der Ölpreis ein, was der Reisebranche eine spürbare Margenentlastung beschert.
Werte in diesem Artikel
- Trump und Irans Präsident Peseschkian haben das Rahmenabkommen in der Nacht auf Donnerstag digital unterzeichnet
- Brent-Rohöl notiert bei rund 78 US-Dollar je Barrel
- Lufthansa, TUI und Air France-KLM profitieren
Das Abkommen ist besiegelt, früher als erwartet und ohne Zeremonie. US-Präsident Donald Trump paraphierte das Rahmenabkommen mit dem Iran in der Nacht zum Donnerstag nach einem Abendessen im Schloss Versailles am Rand des G7-Gipfels. Der iranische Außenamtssprecher bestätigte kurz darauf die elektronische Unterschrift von Präsident Massud Peseschkian, womit der Vertrag laut Teheran als in Kraft getreten gilt. Die geplante Unterzeichnungszeremonie auf dem Bürgenstock in der Schweiz wurde abgesagt. Für den Reise- und Luftfahrtsektor ist das die Bestätigung einer Bewegung, die der Markt bereits seit Tagen einpreist: Lufthansa notiert zeitweise via XETRA bei 9,06 Euro und damit 1,94 Prozent höher. Die Anteilsscheine von TUI legten zunächst eben so, drehten am Mittag dann jedoch ab und verloren zuletzt 0,14 Prozent auf 7,26 Euro. Air France-KLM verbucht in Paris mit 2,7 Prozent auf 12,355 Euro die deutlichsten Aufschläge.
Ölpreise geben deutlich nach
Der unmittelbare Treiber für den Sektor ist der Ölmarkt. Brent-Rohöl notiert aktuell bei rund 78 US-Dollar je Barrel, WTI bei etwa 75 US-Dollar. Zum Vergleich: Auf dem Höhepunkt des Iran-Krieges hatte Brent zeitweise über 119 US-Dollar berührt, nun steht der tiefste Stand seit zwei Jahren zu Buche. Goldman Sachs reagierte prompt und senkte seine Brent-Prognose für das vierte Quartal 2026 von 90 auf 80 US-Dollar je Barrel. Die Bank geht zudem davon aus, dass sich die Ölausfuhren aus dem Persischen Golf bis Ende Juli normalisieren, einen Monat früher als bisher erwartet. Für Airlines ist das deshalb so relevant, weil Kerosin nach Branchenangaben 25 bis 40 Prozent der Betriebskosten ausmacht. Der sogenannte Jet Crack, also der Aufschlag auf Rohöl für Kerosin, folgt dem Ölpreis mit kurzer Verzögerung, weshalb die eigentliche Margenentlastung für die europäischen Airlines in den kommenden Wochen erst schrittweise sichtbar wird.
Was das Abkommen für Lufthansa, TUI und Air France-KLM bedeutet
Für Lufthansa kommt die Nachricht zu einem Zeitpunkt, an dem das Unternehmen unter erheblichem Kostendruck stand. Im Ergebnisbericht zum ersten Quartal 2026 hatte der Konzern für das laufende Jahr Mehrkosten von rund 1,7 Milliarden Euro durch gestiegene Kerosinpreise beziffert, kalkuliert auf Basis der damaligen Kriegspreise. Finanzvorstand Till Streichert hatte erklärt, der Jahresgewinn werde voraussichtlich geringer ausfallen als ursprünglich geplant. Rund 80 Prozent des Kerosinbedarfs für 2026 sind laut Konzernangaben zu Vorkrisenpreisen abgesichert, was die tatsächliche Kostenbelastung bislang begrenzte. Der nun fallende Ölpreis entlastet vor allem den ungesicherten Teil des Bedarfs. Der größere Hebel liegt in 2027, wo die Hedgingquote bei rund 40 Prozent liegt, wie aus einem SRF-Bericht von April hervorgeht. Damit würde die Lufthansa deutlich stärker vom niedrigeren Marktniveau profitieren.
TUI profitiert neben günstigeren Treibstoffkosten von einem zweiten Effekt. Stabilere Flugrouten und eine entspanntere Sicherheitslage im Nahen Osten stützen erfahrungsgemäß die Buchungsbereitschaft, was gerade vor der wichtigen Sommersaison Gewicht hat. Trotz der jüngsten Kursgewinne notiert der Reisekonzern noch deutlich unter dem Jahreshoch von 9,56 Euro von Februar 2026, sodass der aktuelle Anstieg auch das Aufholen aus einer ausgeprägten Schwächephase widerspiegelt. Air France-KLM ist strukturell der am stärksten fremdfinanzierte der drei Konzerne, weshalb der Hebel eines fallenden Ölpreises hier besonders spürbar wirkt: Jede Kostenerleichterung verbessert die operative Marge in einem Umfeld, in dem kaum Puffer für Überraschungen bleibt.
Offene Fragen trotz unterzeichnetem Abkommen
So eindeutig die Marktreaktion ausfällt, so viele Fragen lässt das Rahmenabkommen offen. Es sieht zwar die sofortige Einstellung aller Kampfhandlungen und die Wiedereröffnung der Straße von Hormuz vor, doch die schwierigsten Punkte, darunter Irans Atomprogramm und die endgültige Sanktionsarchitektur, werden erst in einer 60-tägigen Verhandlungsphase adressiert. Hinzu kommen praktische Hürden: Die Straße von Hormuz muss erst entmint werden, die Ölproduktion in der Golfregion muss schrittweise hochgefahren werden, und die geleerten strategischen Reserven müssen wieder befüllt werden. Goldman Sachs schätzt, dass die Lieferströme selbst im Erfolgsfall zunächst nur auf etwa 70 Prozent des Vorkriegsniveaus zurückkehren dürften, weil Produzenten inzwischen auf alternative Exportwege ausgewichen sind. Für Anleger in Lufthansa, TUI oder Air France-KLM bedeutet das: Jede erneute Eskalation oder ein Scheitern der Folgeverhandlungen könnte die Ölpreise rasch wieder nach oben treiben und die Margenrechnung der Airlines umkehren.
Wie schnell tatsächlich Öltanker durch die Straße von Hormuz fahren und ob die Kerosinpreise dem Rohölrückgang zügig folgen, wird über das Ausmaß der Entlastung für die europäischen Airlines in der zweiten Jahreshälfte entscheiden.
Lufthansa: Weniger Passagiere zum Ferienstart in Frankfurt
Die Lufthansa erwartet nach dem Aus für ihre Tochter Cityline zum Auftakt der Sommerferien deutlich weniger Passagiere in Frankfurt. Zum Ferienbeginn in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland rechnet die Hauptmarke Lufthansa samt den Töchtern City Airlines und Discover am Wochenende vom 26. bis 28. Juni mit rund 158.000 Fluggästen, wie sie am Donnerstag mitteilte. Das sind rund 28.000 oder 15 Prozent weniger als zum Sommerferien-Start im Vorjahr, wie eine Sprecherin erläuterte. Den Ansturm mit mehr als 950 Abflügen am ersten Ferienwochenende will die Lufthansa mit einem angepassten Schichtplan und mehr Personal an den Schaltern bewältigen.
Die Lufthansa hatte ihre Regionaltochter Cityline im April nach einem intensiven Streik stillgelegt und das Flugangebot der Kernmarke damit deutlich gekürzt. Bis Oktober fallen damit insgesamt etwa 20.000 Kurzstreckenflüge weg. Damit reagierte das Management um Konzernchef Carsten Spohr auf rote Zahlen auf zahlreichen Strecken und die stark gestiegenen Kerosinpreise infolge des Iran-Kriegs.
Lufthansa: Treibstoffversorgung gesichert
Um die Treibstoffversorgung im Sommer macht sich das Management indes keine Sorgen: "Weltweit erhalten wir von unseren Partnern und von unseren Lieferanten keine Anzeichen, dass die Treibstoffsicherung im Sommer irgendwie gefährdet ist", sagte der Chef der Marke Lufthansa Airlines, Jens Ritter, vor Journalisten in Frankfurt.
Der Chef des Lufthansa-Drehkreuzes Frankfurt, Francesco Sciortino, berichtete von einer verbesserten Pünktlichkeit. So habe Lufthansa Airlines operativ den "besten Start in den Sommer seit zehn Jahren" verzeichnet. Weitere Verbesserungen bei den Abläufen verspricht sich die Lufthansa von der jahrelangen Schließung des Terminals 2 am Frankfurter Flughafen des Betreibers Fraport, das bis weit ins nächste Jahrzehnt hinein saniert werden soll.
Da die bisher dort angesiedelten Fluggesellschaften nun ins neue Terminal 3 im Süden des Airports umgezogen sind, habe die Lufthansa sieben Außenpositionen in der Nähe von Terminal 1 hinzugewonnen, das größtenteils von ihr genutzt wird. Dadurch fielen die Busfahrten zwischen Terminal und Flugzeug kürzer aus. Wenn 2027 auch der Ferienflieger Condor ins Terminal 3 umziehe, bekomme die Lufthansa weitere Positionen am Terminal 1 hinzu.
Alexandra Hesse, Bettina Schneider, Redaktion finanzen.net mit Material von dpa-AFX
Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Der Kauf von Wertpapieren ist mit Risiken verbunden.
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