Marvell-Aktie sackt trotz angehobener Umsatzprognose deutlich ab - Google-Deal wirft Fragen auf
Marvell übertrifft die Erwartungen und hebt die Umsatzziele kräftig an, trotzdem geraten die Papiere unter Druck. Grund sind Fragen rund um den zuvor verkündeten Google-Deal.
Werte in diesem Artikel
- Rekordumsatz und angehobene Prognose reichen der Wall Street nicht
- Google-Deal wirft Fragen auf
- Investorentag im Oktober soll für mehr Klarheit bei den Wachstumszielen sorgen
Marvell Technology hat für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2027 einen Rekordumsatz gemeldet und die Prognosen für das laufende und sowie das kommende Geschäftsjahr erneut angehoben. Trotzdem gerieten die Aktien des Halbleiterherstellers deutlich unter Druck, nachdem Analysten auf der Telefonkonferenz genauer hinterfragten, wie viel von dem am 19. August erweiterten Google-Deal bereits in den Zielen steckt.
Zahlen über den Erwartungen, Aktie im Rückwärtsgang
Marvell meldete am Donnerstag nach US-Börsenschluss einen Nettoumsatz von 2,74 Milliarden US-Dollar für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2027. Das entspricht einem Plus von 37 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal und liegt über der Mitte der eigenen Prognose. Das bereinigte Ergebnis je Aktie lag bei 0,94 US-Dollar, einen Cent über dem Analystenkonsens.
Treiber der Entwicklung war erneut das Data-Center-Geschäft, das um 46 Prozent auf 2,17 Milliarden US-Dollar zulegte und damit 79 Prozent des Konzernumsatzes ausmachte. CEO Matt Murphy sprach von einer "außergewöhnlich robusten" Nachfrage nach KI-Bookings und stellte für den weiteren Jahresverlauf eine Beschleunigung des Wachstums in Aussicht, wie er ausführte. Für das dritte Quartal prognostiziert das Unternehmen einen Umsatz von 3,15 Milliarden US-Dollar, mehr als von Analysten im Konsens erwartet worden war. Zudem wurde die Umsatzprognose sowohl für das laufende Geschäftsjahr 2027 als auch für das Geschäftsjahr 2028 angehoben. Das Unternehmen rechnet nun damit, dass der Gesamtumsatz im Geschäftsjahr 2027 um 45 Prozent auf etwa 12 Milliarden US-Dollar steigen wird, bevor er im Geschäftsjahr 2028 18 Milliarden US-Dollar erreicht. Dies liegt über der bisherigen Prognose, die von 11,5 Milliarden US-Dollar im Geschäftsjahr 2027 und 16,5 Milliarden US-Dollar im Geschäftsjahr 2028 ausgegangen war.
Marvell-Aktie im Rückwärtsgang
Marvell Technology hat die zuvor von NVIDIA neu entfachte Euphorie rund um Künstliche Intelligenz (KI) am Freitag wieder spürbar gedämpft. Die Aktie des KI-Chipherstellers sackte im NASDAQ-Handel letztlich um 10,28 Prozent auf 216,62 US-Dollar ab. Quartalszahlen von Marvell kamen bei den Anlegern nicht gut an, obwohl das US-Unternehmen seine Ziele nach oben geschraubt hatte.
"Marvell entwickelt sich neben NVIDIA und Broadcom zu einem wichtigen Profiteur des KI-Infrastrukturbooms", schrieb der E-Toro-Marktanalyst Maximilian Wienke. Ein zentraler Wachstumstreiber seien maßgeschneiderte KI-Chips für sogenannte Hyperscaler. Neben NVIDIA wirke Marvell zwar wie ein kleiner Fisch, habe beim Börsenwert aber immerhin ungefähr die Größenordnung von SAP erreicht. Während die NVIDIA-Aktie seit Jahresbeginn um rund 22 Prozent gestiegen ist, hat Marvell sogar gut 184 Prozent zugelegt. "Nach der extremen Kursrally ist allerdings bereits viel Wachstum eingepreist", ergänzte Wienke.
Die frische Quartalsbilanz sorgte daher nicht für neuen Rückenwind. Goldman-Analyst James Schneider bezeichnete die Ergebnisse des KI-Chipherstellers zwar als grundsätzlich positiv, die Markterwartungen seien jedoch immens hoch gewesen. Blayne Curtis vom Analysehaus Jefferies verwies auf lediglich moderat bessere Resultate, die an der Gesamteinschätzung von Marvell nichts änderten.
UBS-Experte Timothy Arcuri erwähnte, nach vorab ermutigenden Kommentaren von Marvell und einer milliardenschweren Partnerschaft mit der Google-Mutter Alphabet seien die Zahlen für den Markt unspektakulär ausgefallen. Arcuri lobte zwar höhere Umsatzziele für die kommenden beiden Jahre, diese seien in optimistischen Schätzungen allerdings bereits eingepreist gewesen.
Laut Analyst Atif Malik von der US-Bank Citigroup richtet sich der Fokus nun auf den Investorentag von Marvell Anfang Oktober. Dann wolle der KI-Chiphersteller ein umfassenderes, langfristiges Strategie-Update liefern.
Google-Deal wirft Fragen zum Timing auf
Im Zentrum der Skepsis steht die erweiterte Custom-Chip-Vereinbarung mit Google-Mutter Alphabet, die Marvell bereits am 19. August bekanntgegeben hatte. Google erhielt dabei einen Optionsschein auf bis zu 58,97 Millionen Marvell-Aktien zum Bezugspreis von 206,58 US-Dollar, was bei voller Ausübung einem Volumen von rund 12,18 Milliarden US-Dollar entspricht. Die Vereinbarung könnte Marvell laut Unternehmensangaben bis zum Geschäftsjahr 2033 rund 120 Milliarden US-Dollar an Umsatz einbringen, sofern Google die vereinbarten Abnahmeziele erreicht.
Auf der Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen wollten Analysten wissen, warum die Prognose für das Geschäftsjahr 2028 angesichts dieses Deals nicht stärker angehoben wurde. Das Management erklärte, der Umsatz aus den vom Warrant abgedeckten Programmen sei bis zum Geschäftsjahr 2028 bereits im übergeordneten Custom-Umsatzziel enthalten, der "große Effekt" werde erst im Geschäftsjahr 2029 und danach sichtbar. Eine neue Zielgröße für 2029 nannte Murphy nicht und verwies stattdessen auf einen Investorentag am 6. Oktober. CFO Willem Meintjes bekräftigte zudem, dass Marvell im laufenden Geschäftsjahr rund 1 Milliarde US-Dollar an Kapazitäts-Vorauszahlungen an Lieferanten leisten wolle.
Der für den 6. Oktober angesetzte Investorentag dürfte zeigen, wie konkret Marvell die Wachstumsziele ab dem Geschäftsjahr 2029 beziffert und wie sich die Custom-Chip-Sparte gegenüber dem bisherigen Ziel von mehr als 10 Milliarden US-Dollar entwickeln soll.
Martina Köhler, Julia Walter, Benedict Kurschat, Bettina Schneider, Redaktion finanzen.net mit Material von dpa-AFX
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