Wiederholt sich die Japan-Aktienrally von 2023? Das sagt Bank of America
Steigende US-Renditen hatten Anleger monatelang beschäftigt, nun greift das US-Finanzministerium mit größeren Anleiherückkäufen ein.
Werte in diesem Artikel
• US-Finanzministerium verdoppelt Rückkaufobergrenze für langfristige Staatsanleihen
• Bank of America zieht in einem Strategiebericht Parallelen zur sogenannten Fed-Pivot-Rally japanischer Aktien von Ende 2023
• Die Bank of Japan könnte ihr Zinserhöhungstempo laut einer aktuellen Reuters-Umfrage beschleunigen
US-Finanzministerium verdoppelt Anleiherückkäufe
Das US-Finanzministerium hat am 19. August angekündigt, die Obergrenze für den Rückkauf länger laufender Staatsanleihen mindestens zu verdoppeln. Wie aus der Pressemitteilung der Behörde hervorgeht, steigt das maximale Volumen pro Transaktion für Wertpapiere mit Laufzeiten von 10 bis 20 Jahren sowie von 20 bis 30 Jahren von bisher 2 Milliarden auf mindestens 4 Milliarden US-Dollar. Die Maßnahme gilt vom 9. September bis zum 4. November und soll laut Finanzministerium zusätzliche Liquidität in jenen Segmenten des Anleihemarkts schaffen, in denen die Nachfrage der Marktteilnehmer bei bisherigen Rückkaufoperationen konstant hoch ausgefallen sei.
Die Bank of America ordnet diesen Schritt in einem Strategiebericht für japanische Aktien vom 20. August als möglichen Dämpfer für die Sorgen der Anleger über den jüngsten Anstieg der Langfristrenditen ein, wie investing.com berichtet. Die größere Kaufbereitschaft des Finanzministeriums könnte demnach einen unkontrollierten weiteren Renditeanstieg verhindern. Genau diese Kombination aus nachlassendem Renditedruck und einer möglichen Entlastung für risikoreichere Anlageklassen erinnert die Bank an eine Phase, die japanische Aktienmärkte bereits einmal durchlaufen haben.
Was die Rally japanischer Aktien Ende 2023 ausgelöst hat
Im November und Dezember 2023 fielen die langfristigen US-Renditen deutlich, nachdem sich Wirtschaftsdaten abschwächten, die Inflation zurückging und Marktteilnehmer ein Ende der Zinserhöhungen der Federal Reserve einpreisten. Diese Phase ist unter Marktbeobachtern als Fed-Pivot-Rally bekannt geworden. Japanische Aktien legten in diesem Umfeld deutlich zu, obwohl der Yen im selben Zeitraum spürbar aufwertete, wie die Bank of America in ihrem Bericht festhält. Fallende US-Zinsen wirkten damals demnach stärker auf die Kursentwicklung als die Währungsbewegung.
Die aktuelle Entscheidung des Finanzministeriums zu den Anleiherückkäufen weist nach Einschätzung der Bank strukturelle Ähnlichkeiten zu jener Phase auf, weil in beiden Fällen ein Nachlassen des Drucks auf die Langfristrenditen im Zentrum steht. Die Bank betont jedoch ausdrücklich, dass die Rahmenbedingungen, die zur damaligen Rally geführt haben, sich in mehreren zentralen Punkten von der heutigen Lage unterscheiden.
Bank of America: Diese Unterschiede zur Rally von 2023 sind entscheidend
Der japanische Yen ist trotz einer koordinierten Devisenmarktintervention von Japan und den USA im Juli schwach geblieben, wie die Bank of America in ihrem Bericht ausführt. Diese Einschätzung deckt sich mit einer Reuters-Umfrage unter Ökonomen, die zwischen dem 17. und 24. August erhoben und am 26. August veröffentlicht wurde. Mehr als zwei Drittel der Befragten, konkret 18 von 26, bewerteten die Intervention demnach als wenig oder gar nicht wirksam und begründeten dies vor allem damit, dass die Maßnahme zugrunde liegende Probleme lediglich verzögert statt gelöst habe. 89 Prozent der befragten Ökonomen, also 25 von 28, gaben zudem an, dass die Fiskalpolitik von Premierministerin Sanae Takaichi zur Yen-Schwäche beitrage, da weiterhin unklar sei, wie die geplanten Steuersenkungen auf Lebensmittel sowie zusätzliche Investitionsausgaben finanziert werden sollen.
Nach Angaben von Kyohei Morita, Chefökonom bei Nomura Securities, verstärke die Fiskalpolitik der Takaichi-Regierung die Inflationserwartungen und nähre Sorgen, dass die Bank of Japan der Entwicklung hinterherhinke. Sollte eine Verbrauchssteuersenkung trotz ungeklärter Finanzierung umgesetzt werden, könnte sich die Abwertung des Yen nach seiner Einschätzung noch beschleunigen, unter anderem durch Verkäufe japanischer Staatsanleihen seitens ausländischer Investoren.
Ein weiterer Unterschied betrifft die geopolitische Lage. Während Ende 2023 ein starker Ölpreisverfall die Stimmung an den Märkten stützte, prägen aktuell laut Bank of America die Spannungen im Nahen Osten das Bild, was inflationäre Risiken statt entlastender Effekte mit sich bringe. Als dritten Punkt nennt die Bank eine mögliche Erholung des verarbeitenden Gewerbes in Japan, die sowohl die Unternehmensgewinne als auch die Zinsen gleichzeitig nach oben treiben könnte. Diese Faktoren zusammen führen laut Bank zu einem grundlegend anderen Umfeld als jenem der Fed-Pivot-Rally.
Zinsumfeld in Japan: Steigende statt fallende Renditen
Die Bank of America hält es für verfrüht, von einem Ende des Zinsanstiegs in Japan auszugehen, da die Bank of Japan ihr Tempo bei den Zinserhöhungen voraussichtlich beschleunigen wird. Diese Einschätzung wird durch die genannte Reuters-Umfrage unter 58 Ökonomen gestützt, wonach 57 Prozent von einer Zinserhöhung im September ausgehen, nachdem im Juli lediglich 5 Prozent der Befragten für dieses Quartal mit einem solchen Schritt gerechnet hatten. Verstärkt wurden diese Erwartungen nach Reuters-Angaben durch einen Hinweis von US-Finanzminister Scott Bessent, der die Wahrscheinlichkeit einer Septemberanhebung zusätzlich erhöht habe.
Die Notenbank hatte den Leitzins im Juni bereits um einen Viertelpunkt auf 1,0 Prozent angehoben und damit auf den höchsten Stand seit 31 Jahren gebracht, wie unter anderem Reuters und Handelsblatt berichteten. Nach der aktuellen Umfrage erwarten inzwischen 35 von 54 Ökonomen, dass der Leitzins bis Ende März 2027 mindestens 1,5 Prozent erreicht, drei Monate früher als noch im Juli prognostiziert. Rund 60 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass der Zins bis Ende des dritten Quartals 2027 mindestens 1,75 Prozent erreichen wird. Bei einer zusätzlichen Frage zum Endniveau des aktuellen Zinserhöhungszyklus nannte die Hälfte von 36 Antwortenden 1,75 Prozent, verglichen mit nur 19 Prozent im Vormonat. Der Anteil jener, die ein Niveau von 2 Prozent oder mehr für wahrscheinlich halten, stieg im gleichen Zeitraum von 23 auf 36 Prozent.
Diese Entwicklung steht laut Bank of America im Gegensatz zur Situation Ende 2023, als fallende US-Zinsen das dominierende Marktthema waren. Aktuell befänden sich japanische Aktien stattdessen in einem Umfeld von Gewinnwachstum bei gleichzeitig steigenden Zinsen, wie es im Strategiebericht heißt. Die umfangreicheren Rückkäufe des US-Finanzministeriums könnten einen unkontrollierten Anstieg der Langfristrenditen zwar verhindern, ohne eine wesentliche Veränderung der wirtschaftlichen Fundamentaldaten dürften die Renditen nach Einschätzung der Bank aber erhöht bleiben.
Paul Schütte, Redaktion finanzen.net
Ausgewählte Hebelprodukte auf Bank of America
Mit Knock-outs können spekulative Anleger überproportional an Kursbewegungen partizipieren. Wählen Sie einfach den gewünschten Hebel und wir zeigen Ihnen passende Open-End Produkte auf Bank of America
Der Hebel muss zwischen 2 und 20 liegen
Bildquellen: Lowe R Llaguno / Shutterstock.com, defpicture / Shutterstock.com
