NVIDIA-Aktie vor Rückschlag? Fertigungsprobleme bremsen offenbar nächste KI-Servergeneration

Nur drei Monate nach der großen Bühnenpräsentation gerät NVIDIAs nächstes Rack-System ins Stocken - und die Gründe reichen tiefer als ein einzelnes Bauteil.
Werte in diesem Artikel
- NVIDIAs Kyber NVL144 Rack verschiebt sich offenbar um über zwölf Monate auf 2028
- Ursache ist eine schwer fertigbare mehrlagige Leiterplatte im Rack-Inneren
- Rückschlag könnte AMD und Google im KI-Servermarkt Chancen eröffnen
Wie die Analysefirma SemiAnalysis auf dem Kurznachrichtendienst X schrieb, kommt die Kyber NVL144 Architektur von NVIDIA offenbar nicht wie geplant 2027, sondern erst 2028 auf den Markt - ein Rückstand von mehr als zwölf Monaten. Grund für die Verzögerung sei eine spezielle, mehrlagige Leiterplatte im Inneren des Racks, die sich derzeit nicht in der nötigen Qualität fertigen lasse.
Kyber NVL144 rack architecture has been delayed to 2028 as the PCB midplane remains challenging from a manufacturability standpoint. NVL576, which connects 8x Oberon racks over CPO between the NVSwitches, is also likely delayed or restricted to small volumes given the current… pic.twitter.com/rGtjAsi927
- SemiAnalysis (@SemiAnalysis_) July 5, 2026
Für Anleger ist das mehr als eine technische Randnotiz, denn Kyber sollte die Antwort auf den wachsenden Bedarf an immer dichteren KI-Rechenzentren werden. CEO Jensen Huang hatte das System erst am 16. März 2026 auf der GTC-Konferenz in San Jose persönlich vorgestellt.
Ein Bauteil bremst die nächste Rack-Generation
Der Kyber NVL144 ist als Servergehäuse konzipiert, das 144 Grafikprozessoren zu einem einzigen, dicht vernetzten Rechenwerk verschaltet und die Vera Rubin Ultra Chips der übernächsten Generation aufnehmen sollte. Die Prozessoren stecken dabei senkrecht statt waagerecht in den Einschüben, was Datenwege verkürzt und die Packungsdichte erhöht. Genau an dieser Stelle hakt es jedoch offenbar: Die sogenannte Midplane, eine Leiterplatte mit 78 Lagen, die Rechen- und Switch-Einheiten im rechten Winkel verbindet, lässt sich laut SemiAnalysis derzeit nicht zuverlässig in Serie fertigen. Als Übergangslösung hatte man laut CNBC erwogen, zwei bestehende NVL72-Racks Rücken an Rücken zu koppeln. Cloud-Anbieter lehnten diese Behelfslösung wegen des sperrigen Aufbaus und des hohen Betriebsaufwands ab, weshalb das Konzept inzwischen verworfen wurde.
Rubin Ultra verliert an Tempo
Die Verzögerung trifft nicht nur ein einzelnes Rack. Auch das größere NVL576-System, das acht Racks über optische Verbindungen koppeln soll, dürfte sich laut SemiAnalysis verschieben oder zunächst nur in kleinen Stückzahlen verfügbar sein, weil die mitverpackte Optik noch nicht ausgereift ist. Damit fehlt vorerst ein erprobter Weg, um die Rechenleistung einzelner Cluster über die aktuelle Generation hinaus zu skalieren. Berichten von Tom's Hardware zufolge wurde zudem das für Rubin Ultra vorgesehene Chipdesign von einer Vier-Chip- auf eine Zwei-Chip-Variante zurückgestuft, was die maximale Leistung pro Rack zusätzlich begrenzt. Die laufende Rubin-Generation ist davon nicht betroffen, sie geht in Serie und soll im Herbst 2026 an mehrere große Cloud-Partner ausgeliefert werden.
Wettbewerber wittern ihre Chance
Für den Wettbewerb um die dichtesten KI-Server öffnet sich damit ein Zeitfenster. SemiAnalysis sieht bei AMD mit dem geplanten MI500X ebenso Aufholpotenzial wie bei den hauseigenen KI-Chips von Google-Mutter Alphabet, die bereits jetzt Aufträge von führenden KI-Labors gewinnen. Beide Konkurrenten müssten dafür allerdings ähnliche technische Hürden meistern wie NVIDIA selbst, allen voran die Fertigung dichter, verlustarmer Verbindungen zwischen tausenden Chips. Ein tatsächlicher Marktanteilsverlust ist damit keineswegs ausgemacht, doch die Debatte über den bislang beispiellosen jährlichen Produktrhythmus von NVIDIA bekommt neue Nahrung.
Hohe Bewertung lässt wenig Spielraum für Rückschläge
Anleger haben aufgrund der technologischen Führungsrolle im KI-Bereich seit Jahren hohe Wachstumserwartungen an NVIDIA, was Ausführungsrisiken wie diesem besonderes Gewicht verleiht. Entsprechend könnte die Verzögerung beim KI-Rack-System der nächsten Generation auch den Anteilsschein des KI-Platzhirsch belasten. Zuletzt schloss die NVIDIA-Aktie an der NASDAQ am Donnerstag bei 194,83 US-Dollar um 1,39 Prozent tiefer. Am Freitag waren die US-Börsen feiertagsbedingt geschlossen geblieben. Im vorbörslichen Handel am Montag gewinnt das Papier zeitweise 0,43 Prozent hinzu auf 195,66 US-Dollar.
Bleibt die Skalierung über ein einzelnes Rack hinaus ungelöst, könnte das mittelfristig Kunden bei der Planung großer Trainingscluster zur Vorsicht bewegen, selbst wenn die laufenden Rubin- und Oberon-Systeme weiterhin gefragt bleiben. NVIDIA selbst hat sich zu dem Bericht bislang nicht öffentlich geäußert.
Carolin Ludwig, Thomas Zoller, Redaktion finanzen.net
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