Kurszielschock bei AST SpaceMobile drückt auf die Aktie: Welche Rolle SpaceX spielt
Piper Sandler stuft AST SpaceMobile auf Neutral herab und senkt das Kursziel drastisch. Neben Zweifeln am Zeitplan der Satellitenstarts wächst die Sorge vor SpaceX als künftigem Wettbewerber.
Werte in diesem Artikel
- Piper Sandler sieht das Starttempo skeptischer als zuvor
- SpaceX rückt als direkter Konkurrent in den Mittelpunkt
- Langfristig bleibt das Analysehaus dennoch konstruktiv
Piper Sandler stuft AST SpaceMobile von Overweight auf Neutral herab und senkt das Kursziel deutlich von 98 auf 54 US-Dollar. Ausschlaggebend sind Zweifel am Tempo der geplanten Satellitenstarts in den kommenden beiden Jahren sowie die wachsende Konkurrenz durch SpaceX.
Starttempo und SpaceX im Fokus
Analyst Alexander Potter begründet die Abstufung mit einer geringeren Überzeugung, dass AST SpaceMobile seine geplanten Satellitenstarts 2026 und 2027 im vorgesehenen Tempo umsetzen kann. Zugleich rückt SpaceX stärker in den Fokus. Das Unternehmen baut seine Aktivitäten im satellitengestützten Mobilfunk aus und könnte damit zu einem direkten Wettbewerber werden.
Ein wichtiger Schritt in diese Richtung ist der geplante Kauf von Mobilfunkspektrum für rund acht Milliarden US-Dollar, über den das Wall Street Journal unter Berufung auf informierte Kreise berichtete. Nach Reuters-Angaben vereinbarte SpaceX den Deal am vergangenen Donnerstag. Er umfasst ein landesweites Portfolio von Frequenzlizenzen im 800-MHz-Band des Unternehmens Grain Management. Die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch die US-Aufsichtsbehörde FCC.
Zwei Risiken für Mobilfunkpartner
Für AST SpaceMobile ergeben sich daraus nach Einschätzung von Piper Sandler zwei mögliche Risiken. Zum einen könnte SpaceX seine eigenen Interessen gegenüber Mobilfunkpartnern stärker gewichten und dadurch Startkapazitäten für Unternehmen wie AST SpaceMobile einschränken. Zum anderen könnte SpaceX mit günstigeren Preisen oder eigenen Geräten die Mobilfunkbetreiber unter Druck setzen. AST müsste dann möglicherweise seine Preise senken, was die wirtschaftlichen Perspektiven belasten könnte.
Trotz dieser Risiken bleibt Piper Sandler mit Blick auf die Zeit nach 2027 konstruktiv. Das Analysehaus erwartet, dass der zunehmende Wettbewerb durch SpaceX die Nachfrage der Mobilfunkbetreiber nach dem Satellitendienst von AST SpaceMobile langfristig sogar erhöhen könnte. Die Konkurrenz würde demnach den Markt für satellitengestützte Mobilfunkdienste insgesamt voranbringen. Diese positive Langfristperspektive ändert jedoch nichts an den kurzfristigen Unsicherheiten.
Die aktuelle Abstufung fällt umso deutlicher aus, weil Piper Sandler die Aktie erst im Juli mit einer Overweight-Einstufung und einem Kursziel von 100 US-Dollar in die Bewertung aufgenommen hatte. Nach einer zwischenzeitlichen Kurszielsenkung auf 98 Dollar folgt nun die deutliche Reduzierung auf 54 Dollar.
Verhaltener Analystenrückhalt für AST SpaceMobile
Auch der Blick auf die übrigen Analysten zeigt, dass die Einschätzungen auseinandergehen. Der TipRanks-Konsens lautet Moderate Buy und basiert auf fünf Kauf- und sechs Halteempfehlungen. Das durchschnittliche Kursziel wird mit 80,10 US-Dollar angegeben.
Die Aktie reagiert mit einem deutlichen Rückgang. Bei einem Kurs von 46,80 US-Dollar und einem Minus von 8,98 Prozent bleibt sie deutlich unter dem neuen Piper-Kursziel von 54 Dollar.
Was die Abstufung für Anleger bedeutet
Die Kurszielsenkung macht deutlich, dass die Risiken bei AST SpaceMobile kurzfristig stärker ins Gewicht fallen. Für Anleger wird deshalb entscheidend sein, ob das Unternehmen seine geplanten Satellitenstarts 2026 und 2027 im vorgesehenen Zeitplan umsetzen kann. Verzögerungen könnten den Ausbau des Geschäfts bremsen und den Zeitpunkt möglicher Einnahmen nach hinten verschieben.
Zusätzlichen Druck erzeugt SpaceX. Mit dem Ausbau seiner satellitengestützten Mobilfunkdienste könnte das Unternehmen nicht nur um Kunden und Mobilfunkpartner konkurrieren, sondern auch die Preisgestaltung im Markt beeinflussen. Gleichzeitig ist der Wettbewerb nicht ausschließlich negativ zu bewerten: Wenn Mobilfunkbetreiber stärker auf Satellitenlösungen setzen, könnte auch die Nachfrage nach dem Angebot von AST SpaceMobile steigen. Ob dieser Effekt mögliche Wettbewerbsnachteile ausgleicht, ist derzeit offen.
Anleger sollten daher vor allem auf den tatsächlichen Fortschritt bei den Satellitenstarts, den Ausbau der Konstellation, neue Partnerschaften und die weitere Entwicklung von SpaceX achten. Wer bereits investiert ist, sollte prüfen, ob die Risiken noch zum eigenen Anlagehorizont und zur persönlichen Risikobereitschaft passen. Für einen Neueinstieg reicht ein vermeintlich günstiger Kurs allein nicht aus.
Claudia Stephan, Julia Walter, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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