Aktien von BioNTech, Novavax und Moderna geben nach: WHO sieht geringes Pestrisiko in Russland
Die WHO stuft das Pestrisiko in Russland als niedrig ein, und Impfstoffwerte wie Novavax und Moderna stehen im Fokus der Anleger und Analysten.
Werte in diesem Artikel
- WHO nimmt Druck aus der Pestdebatte
- Was die Sanofi-Zahlungen für Novavax bedeuten
- Citigroup sieht Impfstoffaktien anfällig für Schlagzeilen
Die Aktie von Novavax, einem Biotechnologiekonzern mit Impfstofftechnologie, steht derzeit im Fokus gemeinsam mit den Branchenkollegen BioNTech und Moderna. Auslöser war die Einschätzung eines WHO-Sprechers, das Risiko einer Pestepidemie sei niedrig.
aAn der NASDAQ schloss die Novavax-Aktie am Dienstag mit einem klaren Kursverlust von 9,9 Prozent und stieg zur Wochenmitte um 0,88 Prozent auf 11,22 US-Dollar. BioNTech verlor am Vortag 2,0 Prozent und gewann am Mittwoch 0,50 Prozent auf 95,25 US-Dollar. Für Moderna ging es am Vortag um 7,75 Prozent abwärts und am Mittwoch stieg das Papier 4,81 Prozent auf 196,48 US-Dollar.
WHO nimmt Druck aus der Pestdebatte
WHO-Sprecher Christian Lindmeier sagte am Dienstag in Genf, die erste Risikoeinschätzung sehe das Risiko für Irkutsk als "moderate to low", für Russland insgesamt als "low" und für die WHO-Region Europa als "very low". Anlass ist der Tod einer 28-jährigen Mitarbeiterin eines russischen Anti-Pest-Labors in der Vorwoche.
Nach Angaben russischer Gesundheitsbehörden, die Lindmeier weitergab, wurden bei den Kontaktpersonen keine gefährlichen Erreger nachgewiesen, und keiner zeigte Symptome. Die WHO prüft, ob die Frau an Lungenpest starb. Eine offizielle Todesursache ist nicht bestätigt. Lungenpest ist laut Lindmeier bei früher Erkennung mit Antibiotika heilbar, kann unbehandelt aber binnen 24 Stunden nach Beginn tödlich verlaufen.
Russland widerspricht, Washington fordert Transparenz
Die russische Behörde Rospotrebnadzor erklärte, die Frau sei nicht an Pest erkrankt, sondern an einer "Pneumonie unbekannter Ätiologie" gestorben. Frühere Berichte regionaler Stellen über einen Laborunfall wies sie zurück. Rund 200 enge Kontaktpersonen wurden untersucht, ein Krankenhaus teilweise unter Quarantäne gestellt.
US-Außenminister Marco Rubio forderte am Dienstag mehr Transparenz von Russland. Präsident Donald Trump hatte am Montag erklärt, die USA beobachteten den Fall genau und seien zur Hilfe bereit.
Was das für Anleger bei Novavax, BioNTech und Moderna bedeutet
Das Auf und Ab bei Novavax und Moderna folgt einem bekannten Muster. Meldungen über mögliche Krankheitsausbrüche lösen kurzfristig Käufe bei Impfstoffherstellern aus, die bei der ersten Entwarnung ebenso schnell wieder verkauft werden. An der fundamentalen Lage der Unternehmen hat sich innerhalb dieser zwei Handelstage nichts geändert. Die Kursbewegungen spiegeln vor allem Spekulation auf Schlagzeilen wider, nicht neue Geschäftsaussichten.
Hinzu kommt, dass der Zusammenhang zwischen dem Verdachtsfall und den betroffenen Aktien schwach ist. Lungenpest wird durch ein Bakterium ausgelöst und lässt sich bei früher Erkennung mit Antibiotika behandeln. Die Kernprodukte von Novavax und Moderna sind dagegen Impfstoffe gegen Viruserkrankungen. Selbst bei einer Ausbreitung wäre daher keineswegs ausgemacht, dass gerade diese Unternehmen wirtschaftlich profitieren. Dass BioNTech vergleichsweise moderat reagierten, deutet darauf hin, dass breite Teile des Marktes die Lage ähnlich nüchtern bewerten.
Für Anleger ist die Episode vor allem eine Mahnung zur Vorsicht beim Handel auf Nachrichtenlage. Wer Schlagzeilen hinterherkauft, steigt häufig erst ein, wenn ein Großteil der Bewegung bereits gelaufen ist, und trägt das volle Risiko des Rückschlags. Da die WHO weiter ermittelt und die USA mehr Transparenz von Russland fordern, sind in den kommenden Tagen weitere Ausschläge in beide Richtungen möglich. Für eine Investitionsentscheidung bei Novavax oder Moderna sollten eher die Impfstoffpipeline, die Umsatzentwicklung nach dem Ende der Pandemie und die Finanzlage der Unternehmen den Ausschlag geben als die Entwicklung eines einzelnen Verdachtsfalls.
Thomas Zoller, Martina Köhler, Claudia Stephan, Redaktion finanzen.net
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