Warnung

Radikale Absage vom JPMorgan-Chef: Warum Jamie Dimon derzeit weder Aktien noch Anleihen kaufen würde


Radikale Absage vom JPMorgan-Chef: Warum Jamie Dimon derzeit weder Aktien noch Anleihen kaufen würde

JPMorgan-Chef Jamie Dimon zieht aus geopolitischen und fiskalischen Risiken einen ungewöhnlichen Schluss für sein eigenes Depot.

  • JPMorgan-Chef Dimon würde derzeit weder Aktien noch lange Anleihen kaufen
  • Er hält geopolitische und fiskalische Risiken für unterschätzt vom Markt
  • KI-Investitionen vergleicht er mit dem Internet-Boom samt später Rendite
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JPMorgan-Chef Jamie Dimon hat sich in einem am Montag veröffentlichten Interview mit CNBC-Moderator Wilfred Frost skeptisch zur aktuellen Marktlage geäußert. Nach eigener Aussage würde er derzeit weder Aktien noch lang laufende US-Staatsanleihen kaufen, weil die Preise seiner Ansicht nach eine Reihe geopolitischer und fiskalischer Risiken nicht ausreichend widerspiegeln. Das Gespräch war für den Podcast "The Master Investor" bereits am 16. Juli aufgezeichnet worden.

Diese Risiken hält Dimon für unterschätzt

Dimon führte als Belege für seine Einschätzung mehrere offene Konfliktherde an: den Krieg in der Ukraine, die militärische Auseinandersetzung im Nahen Osten sowie die Spannungen zwischen den USA und China. Hinzu komme eine Ausweitung der Militärausgaben zu einem Zeitpunkt, an dem die Staatshaushalte ohnehin bereits stark defizitär seien. "Ich glaube, dass diese Risiken wahrscheinlich größer sind, als andere Leute denken", sagte Dimon laut CNBC.

Der Markt sieht das bisher anders

Diese Einordnung steht in deutlichem Kontrast zur tatsächlichen Marktentwicklung der vergangenen Monate. Der breite US-Leitindex S&P 500 hat im laufenden Jahr rund zehn Prozent zugelegt, obwohl Kriege, Zölle und andere Schocks die Anleger kaum aus der Ruhe gebracht haben. Erst vergangene Woche hatten mehrere US-Großbanken, darunter JPMorgan selbst, Quartalszahlen vorgelegt, die dank starker Handels- und Investmentbanking-Erträge über den Erwartungen lagen und damit die Erzählung von einer widerstandsfähigen US-Wirtschaft eher gestützt als infrage gestellt haben.

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Genau an diesem Punkt setzt Dimons Einordnung an. Dass Konsumausgaben stabil bleiben und sich die Inflation abgeschwächt hat, wertet er nicht als Entwarnung, sondern als Zeichen dafür, dass der Markt Risiken ausblendet, die noch nicht eingetreten sind. Widerstandsfähigkeit bedeute nicht, dass ein plötzlicher Stimmungswechsel ausgeschlossen sei, sagte er sinngemäß laut QUARTZ und sprach davon, dass es noch weitere Faktoren brauche, bis ein Kipppunkt erreicht werde.

Warum Dimon weder Anleihen noch Aktien kauft

Bei Anleihen wird seine Argumentation konkreter. Selbst bei einer Inflation von 2 Prozent müsste die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen nach seiner Rechnung eher bei 4 bis 4,5 Prozent liegen, ein Niveau, das aktuell nahezu erreicht ist. Einen Grund, jetzt zusätzlich long zu gehen, sieht er darin nicht: Die anhaltend hohen US-Haushaltsdefizite dürften die Zinsen mittelfristig eher weiter nach oben treiben, weil der Anleihemarkt für die Finanzierung der Schulden eine höhere Kompensation verlangen werde. Bei Aktien wiederum schließt Dimon einzelne, seiner Meinung nach attraktiv bewertete Titel nicht aus, den breiten Markt würde er zu den aktuellen Bewertungen aber nicht kaufen.

Keine neue Skepsis, sondern eine Fortsetzung

Interessant ist, dass Dimon seine grundsätzliche Skepsis nicht neu erfunden hat, wie Moneywise zu bedenken gibt: Bereits in einem Interview mit der BBC im Oktober hatte er sich "weit besorgter als andere" über eine mögliche deutliche Marktkorrektur gezeigt, ohne sich auf einen festen Zeitpunkt festzulegen. Die jetzige Aussage reiht sich also in eine länger anhaltende vorsichtige Grundhaltung ein, die sich bislang nicht im Kursverlauf des Marktes niedergeschlagen hat, eine Diskrepanz, die Dimon selbst offen benennt, ohne sie aufzulösen.

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KI-Investitionen im Vergleich zum Internet-Boom

Auch zum aktuellen Investitionsboom rund um künstliche Intelligenz äußerte sich Dimon im Interview differenziert. Die in das Thema fließenden Summen seien enorm, und ähnlich wie einst bei der frühen Internetbranche werde daraus am Ende voraussichtlich tatsächlich ein wirtschaftlicher Nutzen entstehen. Als warnendes Beispiel verwies er jedoch auf frühere Branchenführer wie Yahoo und Netscape, die trotz ihrer damaligen Bedeutung im Zeitverlauf an den Rand gedrängt wurden. Ob sich die aktuellen KI-Investitionen so auszahlen, wie es Anleger derzeit erwarten, und in dem Zeitrahmen, den sie sich vorstellen, verneinte er ausdrücklich: "Definitiv nicht", so Dimon laut CNBC.

Für Anleger ergibt sich daraus keine unmittelbare Handlungsanweisung, aber ein Hinweis auf eine Wahrnehmungslücke: Einer der einflussreichsten Bankmanager der USA sieht mehr Risiko in den Kursen eingepreist, als der Markt selbst zu erkennen scheint. Ob sich diese Einschätzung bestätigt, dürfte sich erst zeigen, wenn eines der von Dimon genannten Risiken tatsächlich eskaliert.

Evelyn Schmal, Redaktion finanzen.net

Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar.

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Bildquellen: Anja Niedringhaus/AP, lev radin / Shutterstock.com

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