Dieser Dividenden-ETF war im April einer der meistgeklickten in Deutschland, und die 34 Prozent Jahresrendite erklären warum

Nur 30 Werte, dafür über 5 Prozent Ausschüttungsrendite und 34 Prozent Plus auf Jahressicht. Dieser europäische Dividendenklassiker macht vieles anders. Wir analysieren wann er sich lohnt.
Werte in diesem Artikel
Das Wichtigste in Kürze:
- Nur 30 europäische Aktien, nach Dividendenrendite statt Börsenwert gewichtet, und fast die Hälfte stammt aus dem Finanzsektor: Wer kauft, kauft eine konzentrierte Einkommenswette auf Banken und Versicherer.
- Die Dividendenrendite lag in den vergangenen vier Kalenderjahren stets zwischen 5 und 7 Prozent, warum die aktuelle Kennzahl trotzdem nur 4,5 Prozent zeigt.
- Gegenüber dem größten Konkurrenten hat dieser ETF auf Jahres- und Dreijahressicht klar die Nase vorn, wurde 2023 und 2024 aber übertroffen: welches Zukunftsszenario jeweils dafürhielt und was das für den Kaufzeitpunkt bedeutet.
Dividenden-ETFs sind gerade so gefragt wie lange nicht. Laut einem aktuellen Bericht von DAS INVESTMENT boomen ausschüttende Produkte wieder spürbar, und der Blick auf die April-Hitliste der meistgeklickten ETF-Factsheets des Portals zeigt: An dritter Stelle steht ein europäischer Dividendenklassiker mit 30 Positionen und über 35 Prozent Jahresrendite. Der iShares STOXX Europe Select Dividend 30 UCITS ETF ist der älteste und unter den großen europäischen Dividenden-ETFs der renditestärkste der vergangenen zwölf Monate. Wer hier einsteigt, kauft eine hochkonzentrierte Einkommensstrategie, die man verstehen sollte.
30 Hochdividendenwerte, gewichtet nach Rendite, nicht nach Börsenwert
Der iShares STOXX Europe Select Dividend 30 UCITS ETF (DE) bildet den STOXX Europe Select Dividend 30 Index ab. Dieser Index beginnt mit dem gesamten STOXX-Europe-600-Universum und filtert nach strengen Kriterien. Nur Unternehmen, die in mindestens vier der vergangenen fünf Jahre Dividende gezahlt haben, ein nicht-negatives Dividendenwachstum über fünf Jahre aufweisen und deren Ausschüttungsquote 60 Prozent nicht überschreitet, kommen in Frage. Aus den Qualifizierten werden die 30 Werte mit der höchsten Dividendenrendite relativ zu ihrem Heimatmarkt ausgewählt. Die Gewichtung erfolgt anschließend nach Dividendenrendite, nicht nach Marktkapitalisierung. Wer am meisten ausschüttet, wiegt am meisten. Der Index wird jährlich überprüft und der Fonds schüttet halbjährlich aus.
Die laufenden Kosten betragen 0,32 Prozent pro Jahr. Im Vergleichsfeld der europäischen Dividenden-ETFs mit über 500 Millionen Euro Fondsvolumen liegt das im Mittelfeld: Der Franklin European Quality Dividend ist mit 0,25 Prozent günstiger, der iShares Euro Dividend mit 0,40 Prozent teurer. Der größte Konkurrent, der SPDR S&P Euro Dividend Aristocrats (1,66 Mrd. Euro Volumen), kostet 0,30 Prozent. Mit rund 1,23 Milliarden Euro ist der iShares STOXX Europe Select Dividend 30 der drittgrößte europäische Dividenden-ETF. Aufgelegt wurde er bereits im Oktober 2005, er bringt also über 20 Jahre Börsenhistorie mit, inklusive Finanzkrise und COVID-Crash.
Warum Dividenden-ETFs gerade boomen und für wen dieser Fonds passt
Der Kontext erklärt den Zulauf. Seit dem Zinsanstieg 2022 konkurrieren Dividendenrenditen von 5 bis 7 Prozent bei europäischen Banken und Versicherern erstmals wieder ernsthaft mit Anleihen, die lange höhere, aber sichere Zinsen boten. Inzwischen sinken die Leitzinsen wieder, was Anleiherenditen drückt, während europäische Finanzwerte ihre Ausschüttungen auf Rekordniveaus halten oder steigern. Gleichzeitig notieren europäische Aktien mit einem deutlichen Bewertungsabschlag gegenüber den USA. Für Anleger, die ein laufendes Einkommen aus ihrem Depot beziehen wollen, entsteht daraus eine attraktive Kombination.
Das Risikoprofil ist aber klar: Fast die Hälfte des Fonds steckt in Finanzdienstleistern (46,23 Prozent), weit mehr als in einem breiten Europa-ETF. Wer auf diesen Fonds setzt, braucht ein positives Szenario für europäische Banken und Versicherer: stabile Konjunktur ohne Kreditausfall-Welle, keine schwere Finanzkrise, weiterhin vertretbare Zinsen für die Erträge der Kapitalanlagen. Kreditrisiken und Regulierungsdruck sind die größten Gegenwinde. Hinzu kommt, dass nur 30 Titel eine erhebliche Konzentration bedeuten, die zehn größten Positionen stellen zusammen 42,78 Prozent. Das erhöht die Abhängigkeit von Einzeltitelentwicklungen gegenüber einem breiten Europa-ETF erheblich.
Nicht-Basiskonsumgüter auf Rang zwei: warum das überrascht und was dahintersteckt
Neben dem erwartbaren Finanzschwergewicht fällt ein zweiter Unterschied zum direkten Konkurrenten auf. Der SPDR S&P Euro Dividend Aristocrats gewichtet Industrie mit über 22 Prozent und macht ihn zu einem konjunktursensiblen Produktionswerte-Portfolio. Der iShares bringt dagegen Nicht-Basiskonsumgüter mit 12,29 Prozent auf Rang zwei, während Industrie mit 9,52 Prozent deutlich zurückfällt. Nicht-Basiskonsumgüter sind zyklische Konsumwerte, also Einzelhändler, Möbelketten, Bau- und Heimwerkermärkte und ähnliche Branchen, Unternehmen wie B&M European Value Retail oder der Wohnungsbauer Taylor Wimpey. Diese Unternehmen zahlen hohe Dividenden, wenn die Konjunktur stimmt, sind aber empfindlich für Konsumzurückhaltung. Wer diesen ETF kauft, kauft also eine Wette auf anhaltende Konsumkraft europäischer Haushalte, nicht nur auf stabile Banken.
Frankreich, Großbritannien und die Niederlande führen den iShares mit 22, 19 und 18 Prozent. Der SPDR ist dagegen stark auf die Eurozone fokussiert und hat kein Großbritannien, dafür Italien mit fast 22 Prozent, Deutschland mit 19 Prozent und Frankreich mit 14 Prozent. Ob die eine Länderallokation besser ist als die andere, hängt stark vom Szenario ab. Britische Finanzwerte (Legal & General, NatWest, Investec) bringen Pfund-Währungsrisiko mit sich, sind aber unter den Dividendenzahlern Europas traditionell besonders verlässlich. Italiens hoher Anteil im SPDR spiegelt die Stärke italienischer Banken und Versorger wider, bedeutet aber auch mehr politisches Risiko aus Rom.
Legal & General, Aker BP und Teleperformance: drei Unternehmen aus drei Sektoren
Die zehn größten Positionen stellen 42,78 Prozent. Bei 30 Titeln insgesamt bedeutet das, dass allein die Spitzenzehn fast die Hälfte des Fonds ausmachen.
Die größte Position ist Legal & General mit 5,47 Prozent. Der britische Versicherungs- und Vermögensverwaltungskonzern verwaltet nach eigenen Angaben circa 1,2 Billionen Pfund Sterling (umgerechnet 1,39 Billionen Euro) an Kundenvermögen und zahlt seit Jahrzehnten zuverlässig Dividende. Das Geschäftsmodell verbindet Lebensversicherung, Rentenprodukte und Vermögensverwaltung unter einem Dach. Am 27. April 2026 stellte Legal & General ein neues Partnerschaftsmodell vor, das privates institutionelles Kapital in den britischen Sozialwohnungsbau lenken soll. Unter dem Modell des sogenannten Partnership Registered Provider gründen Wohnungsbaugesellschaften und institutionelle Investoren Gemeinschaftsunternehmen, über die bestehende Sozialwohnungen transferiert und mit dem freigesetzten Kapital neue Wohnungen gebaut werden. Laut Unternehmensrechnung könnte das Modell bei breiter Adoption jährlich über 9 Milliarden Pfund (10,4 Milliarden Euro) an Nettoinvestitionen freisetzen und mehr als 80.000 zusätzliche Sozialwohnungen pro Jahr ermöglichen, ohne zusätzliche staatliche Förderung. L&G hat mit dem Wohnungsbauverein Hyde Group bereits ein erstes Gemeinschaftsunternehmen mit 1.000 Wohnungen gestartet. Das illustriert, wie Versicherer Pensionskapital in stabile, inflationsindexierte Realassets leiten, ein Geschäftsmodell mit strukturellem Rückenwind aus alternden Gesellschaften und steigendem Rentenbedarf.
Auf Rang zwei folgt Aker BP mit 4,89 Prozent, ein norwegischer Öl- und Gasexplorations- und -produktionskonzern mit Fokus auf den Norwegischen Kontinentalschelf. Aker BP ist bekannt für verlässliche und großzügige Dividendenausschüttungen, gespeist aus stabilen Cashflows aus der nordischen Öl- und Gasproduktion. Am 18. Juni 2026 gab das Unternehmen bekannt, dass die Partner sich auf ein Entwicklungskonzept für das Ringvei-Vest-Projekt geeinigt haben, eines der größten frühen Entwicklungsprojekte auf dem Norwegischen Kontinentalschelf. Das Projekt kombiniert mehrere Entdeckungen und schätzt die Bruttoressourcen auf rund 240 Millionen Barrel Öläquivalent. Das Entwicklungskonzept sieht 13 Unterwasserbohrlöcher durch sechs Templates vor, die an die Troll-B-Plattform angebunden werden, die teilweise mit Strom von Land versorgt wird. Produziert werden soll in der zweiten Hälfte der 2030er Jahre. Für Anleger signalisiert die Einigung einen wichtigen Schritt hin zu einem finalen Investitionsbeschluss, der die Produktionsbasis und damit die Dividendenkapazität von Aker BP langfristig absichert.
Den dritten Platz belegt Teleperformance mit 4,88 Prozent. Der französische Konzern, der auch unter dem Namen TP firmiert, ist der weltgrößte Anbieter von ausgelagerten digitalen Geschäftsdiensten, von Kundensupport über Datenschutzprüfung bis zu KI-gestützten Geschäftsprozessen. Das Unternehmen beschäftigt fast 500.000 Mitarbeitende. Die Hauptversammlung genehmigte am 26. Mai 2026 eine Dividende von 4,50 Euro je Aktie, was das Unternehmen trotz KI-Bedenken gegenüber seinem Geschäftsmodell als verlässlichen Ausschütter positioniert. Parallel erhielt TP am selben Termin von Frost & Sullivan den 2026 Global Transformational Innovation Leadership Award für seine Leistungen in KI-Governance und der Orchestrierung von KI und menschlicher Arbeit. Das Unternehmen beantwortet die Frage, ob KI sein Geschäftsmodell bedroht, mit der eigenen KI-Strategie. Je stärker Unternehmen KI integrieren, desto mehr brauchen sie externe Spezialisten für die Überwachung, Qualitätssicherung und das regulatorische Management dieser Systeme.
Wann der iShares gewinnt, wann der SPDR, und was die Dividende wirklich kostet
Der direkte Renditerennen zwischen iShares und SPDR über verschiedene Zeiträume erzählt eine Geschichte in vier Akten. Über ein Jahr hat der iShares mit 34,44 Prozent gegenüber 13,71 Prozent klar die Nase vorn, über drei Jahre kumuliert 94,99 Prozent gegen 52,56 Prozent und über fünf Jahre 84,16 Prozent gegen 51,29 Prozent. In den Einzeljahren 2023 und 2024 lagen die Vorzeichen anders: Der SPDR erzielte 18,39 und 8,58 Prozent, der iShares nur 11,02 und 5,95 Prozent. 2025 drehte sich das Bild dramatisch, der iShares legte 44,95 Prozent zu, der SPDR nur 20,06 Prozent.
Die Erklärung liegt in der Sektorzusammensetzung, und laut einer Morningstar-Analyse aus dem Dezember 2025 ist sie eindeutig. Der iShares hat fast die Hälfte in Finanzdienstleistungen, der SPDR dagegen Industrie, Versorger und Grundstoffe als stärkste Sektoren. 2023 und 2024 liefen Versorgerbetriebe und Industriewerte gut, dazu war der starke Rückenwind für europäische Finanzwerte noch nicht voll in Gang. 2025 änderte sich das schlagartig. Europäische Banken und Versicherer profitierten von den erhöhten Zinsen, den stark gestiegenen Kapitalerträgen und einer robusten Kreditqualität. Der STOXX-Europe-Select-Dividend-30-Index mit seinem Finanzschwergewicht legte 44 Prozent zu, während breit gestreute Dividendenkonkurrenten weit dahinter blieben. Im laufenden Jahr setzt sich der Vorsprung fort. Wer also die Grundaussage hat, dass europäische Banken und Versicherer weiter profitieren werden, fährt mit dem iShares besser. Wer eine Rotation in Versorger und Industriewerte erwartet, hat mit dem SPDR die passendere Wahl.
Ein letzter Punkt, der regelmäßig für Verwirrung sorgt: Auf Datenportalen erscheint die aktuelle Ausschüttungsrendite gelegentlich deutlich niedriger als die historischen Werte aus vollen Kalenderjahren. Im vorliegenden Fall zeigt beispielsweise justETF aktuell 4,46 Prozent, während 2023 bis 2025 stets zwischen 5 und 7 Prozent ausgeschüttet wurden. Der Grund ist saisonal. Der Fonds schüttet halbjährlich aus, und die europäischen Unternehmen zahlen den Großteil ihrer Jahresdividenden im Frühjahr. Wer die Trailing-12-Monate-Rendite auf einem Datenportal abliest, das den aktuellen Tageskurs des ETFs zur Berechnung heranzieht und noch nicht alle Jahresausschüttungen in die rollierenden zwölf Monate einbezieht, sieht eine künstlich gedrückte Zahl. Die vollen Kalenderjahre sind der verlässlichere Maßstab für das, was Anleger tatsächlich erhalten: rund 5 bis 7 Prozent in den Jahren 2022 bis 2025. Genau diese Konstanz bei hoher laufender Rendite macht den Fonds für Anleger attraktiv, die regelmäßige Ausschüttungen als festen Bestandteil ihrer Depotplanung betrachten: Rentner, Vorruheständler oder all jene, die ihr Depot als Einkommensquelle nutzen, nicht nur als Wertaufbewahrungsmittel.
Das sind historische Werte und keine Prognose.
Für wen dieser Dividenden-ETF geeignet ist
Der iShares STOXX Europe Select Dividend 30 eignet sich für einkommensorientierte Anleger, die regelmäßige, verlässlich hohe Ausschüttungen aus einem europäischen Portfolio suchen und bereit sind, dafür eine erhöhte Konzentration auf drei Länder und eine Dominanz des Finanzsektors in Kauf zu nehmen. Der maximale historische Drawdown von über 70 Prozent seit Auflage (aus der Finanzkrise 2008) zeigt unmissverständlich, dass Finanzwerte in einer echten Systemkrise dramatisch einbrechen können. Wer also europäische Banken und Versicherer für robust hält, eine Rezession ohne schwere Kreditausfälle erwartet und ein Szenario sinkender Leitzinsen für beherrschbar hält, findet hier eines der einkommensstärksten europäischen ETF-Produkte. Als alleiniger Depotbaustein ist er ungeeignet, weil er nur einen einzigen Kontinent und wenige Sektoren abdeckt. Als ausschüttungsstarke, bewusst gesetzte Europastrategie in einem breiter aufgestellten Portfolio hat er dagegen eine klare Berechtigung.
Daniel Dünn, Redaktion TraderFox (finanzen.net)
Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Aktien-ETFs unterliegen Kursschwankungen, zwischenzeitliche Verluste sind möglich. Vergangene Dividenden sind keine Garantie für zukünftige Ausschüttungen.
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| 18.10.2012 | LegalGeneral Group buy | Nomura | |
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| 08.08.2012 | LegalGeneral Group hold | Société Générale Group S.A. (SG) | |
| 12.07.2012 | LegalGeneral Group neutral | UBS AG | |
| 25.03.2009 | Legal & General Group hold | Société Générale Group S.A. (SG) | |
| 21.02.2005 | Legal & General: In-Line | Goldman Sachs |
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| 27.06.2013 | LegalGeneral Group verkaufen | Exane-BNP Paribas SA | |
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